вторник, 6 марта 2018 г.

mitteldt_dünner_kaffee

Lösungswort für Kreuzworträtsel LORKE

Hinweise für die Lösung LORKE

LORKE ist ein Wort mit 5 Buchstaben. 12 mögliche Fragen nach LORKE in Schwedenrätseln sind im Rätsel Lexikon verzeichnet.

Anagramme von LORKE

Der Begriff Anagramm bezeichnet ein Wort, das aus einem anderen Wort durch Umstellung der einzelnen Buchstaben gebildet wurde. Sehr beliebt bei der Rätselform Sudawo.

So kann man durch Umstellen der Buchstaben des Wortes LORKE folgende Wörter erzeugen:

xwords.de bietet Rästelfreunden im deutschsprachigen Raum online eine umfangreiche Datenbank mit Hinweisen und Lösungen auf die gängigsten Kreuzworträtsel Fragen.

Zudem bietet es eine Suche nach Anagrammen und Lösungen an. Soweit bekannt, werden auch Synonyme angezeigt.

veraltet für Tante Kreuzworträtsel Lösungen

veraltet für Tante - 1 Lösung

Für die Rätsel Frage nach veraltet für Tante findest du hier 1 mögliches Lösungswort. Wenn du weitere Lösungen kennst, kannst du am Ende der Liste deinen Vorschlag eintragen.

Lösungsvorschlag

Du kennst eine weitere Lösung für die Kreuzworträtsel Frage nach veraltet für Tante?

Dann schick sie uns!

Empfehlung

Die passenden Kreuzworträtsel zu den Fragen findest Du auf www.ratehase.de.

xwords.de bietet Rästelfreunden im deutschsprachigen Raum online eine umfangreiche Datenbank mit Hinweisen und Lösungen auf die gängigsten Kreuzworträtsel Fragen.

Zudem bietet es eine Suche nach Anagrammen und Lösungen an. Soweit bekannt, werden auch Synonyme angezeigt.

Alle Lösungen für Mitteldeutsch%3A+d%C3%BCnner+Kaffee - Kreuzworträtsel-Hilfe

Ähnliche Hinweise

  • mitteldeutsch: dünner Kaffee

Auf dieser Seite findest Du alle Kreuzworträtsel-Lösungen für:

  • mitteldt.: dünner Kaffee

10 Kreuzworträtsel zum Ausdrucken

Melde dich jetzt zu unserem Newsletter an und erhalte sofort 10 Kreuzworträtsel zum Ausdrucken und regelmäßig Informationen zu neuen Rätseln. Der Newsletter ist kostenfrei und du kannst dich jederzeit abmelden.

Wir suchen einen

Das wort-suchen.de-Team sucht ab sofort Verstärkung durch einen PHP-Entwickler.

Mehr Infos findest du auf unserer Job-Übersicht.

veraltet für Tante Kreuzworträtsel Lösungen

veraltet für Tante - 1 Lösung

Für die Rätsel Frage nach veraltet für Tante findest du hier 1 mögliches Lösungswort. Wenn du weitere Lösungen kennst, kannst du am Ende der Liste deinen Vorschlag eintragen.

Lösungsvorschlag

Du kennst eine weitere Lösung für die Kreuzworträtsel Frage nach veraltet für Tante?

Dann schick sie uns!

Empfehlung

Die passenden Kreuzworträtsel zu den Fragen findest Du auf www.ratehase.de.

xwords.de bietet Rästelfreunden im deutschsprachigen Raum online eine umfangreiche Datenbank mit Hinweisen und Lösungen auf die gängigsten Kreuzworträtsel Fragen.

Zudem bietet es eine Suche nach Anagrammen und Lösungen an. Soweit bekannt, werden auch Synonyme angezeigt.

Mitteldt dünner kaffee

Hinweis: Die Trefferanzahl ist auf maximal 5 000 beschränkt. Sie können über den URL-Parameter p weitere Ergebnisseiten abfragen. Weitere Informationen dazu …

  • Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart.
    1. Startseite
    2. Wortinformation zu „halbstündig“
    3. Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

    -affe, der langschwänziger, dichtbehaarter Affe mit großen, nach vorn gerichteten Augen, der sich vorzugsweise von Insekten und Früchten nährt;

    -ärm(e)lig /Adj./ mit einem kurzen, höchstens bis zum Ellenbogen reichenden Ärmel: ein h. Hemd;

    -automat, der technische Vorrichtung, Maschine, deren Arbeitsvorgänge nur teilweise selbständig gesteuert werden: Halbautomaten in einer Montageabteilung;

    -automatisch /Adj.; entsprechend der Bedeutung von -automat/: die Sortiermaschine arbeitet h.;

    1. abwertend wenig gebildeter Mensch: ein uninteressierter H.

    2. hist. kein echter Grieche: die Halbbarbaren an den Grenzen von Hellas;

    -bekleidet /Adj./ unvollständig bekleidet: noch h., sank er in tiefen Schlaf;

    -bildung, die; mangelhafte, unverarbeitete Bildung: die H. des Dilettanten;

    1. Pferderasse, bei der ein Elternteil zum Vollblut gehört

    2. Abkömmling von Eltern verschiedener Menschenrassen, Mischling: ein kreolisches H. spanischer Herkunft;

    -bogen, der Hälfte eines Bogens: die Bucht bildete einen H.;

    -bruder, der /Verwandtschaftsbezeichnung/ Bruder, der mit seinen Geschwistern nur einen gemeinsamen Elternteil hat: die Eheschließung einer Schwester mit ihrem H. ist verboten;

    -damast, der kleingemustertes, damastähnliches Drellgewebe;

    -dämmer, der dicht. gedämpftes Licht: ein Zimmer im H. der Kerzen;

    -dunkel, das /entsprechend der Bedeutung von -dunkel/: das H. der Höhle; im H. des Kellers; wir standen, tappten im H.; der Pfad verlor sich im H. des Waldes; er starrte in das H. des Gewölbes;

    -dusel, der umg. leichte Benommenheit: Wir . spitzten nur unsere Ohren im Halbdusel Marchwitza Jugend 321 ;

    -edelstein, der Mineral, das wegen seiner Schönheit als Schmuck verwendet wird, aber nicht alle Eigenschaften eines Edelsteins besitzt und häufiger vorkommt;

    -erfroren /Adj./ fast erfroren: der verirrte Schiläufer wurde h. im Schnee aufgefunden;

    -fabrikat, das Fabrikat, das noch nicht ganz fertig verarbeitet ist: das Werk liefert Gußstücke als Halbfabrikate;

    -fertigfabrikat, das: Halb fertigfabrikate für die weiterverarbeitenden Betriebe;

    1. nicht ganz fett: h. Käse; ein h. Schwein

    2. Druckerei in einem Druck, der kräftiger als normal, aber schwächer als fett ist;

    -finale, das Sport Ausscheidung vor dem Finale: unsere Mannschaft kämpfte sich ins H.; der Gegner wurde im H. geschlagen;

    -gebildete, der vgl. -bildung: das lückenhafte Wissen des Halbgebildeten;

    -gefrorene, das Eisspeise, bei der die zur Herstellung verwendete Masse in einer Kühlbüchse, ohne direkten Zusatz von Eis, zum Frieren gebracht wird: es gab Halbgefrorenes als Nachtisch;

    -geschwister, die /nur im Pl.; Verwandtschaftsbezeichnung/ Geschwister mit nur einem gemeinsamen Elternteil;

    -gewalkt /Adj./ ostmitteldt. salopp abwertend undurchsichtig, moralisch nicht ganz sauber: vor einer Gesellschaft halbgewalkter, aufgeblasener, rührseliger und dabei völlig unwissender Figuren R. Bartsch Geliebt 121 ;

    -gott, der hist. Wesen, das zur Hälfte göttlicher Abstammung sein soll: die Halbgötter der Griechen; /übertr./ geh. großer Held: die Fremden waren uns Kindern Halbgötter G. Hauptm. 3,32 ;

    -handschuh, der Handschuh, der die Finger frei läßt: ein dünner, weißer H.; die weißen Finger guckten aus dem langen, durchbrochenen, seidenen Halbhandschuh G. Hermann Gebert 120 ;

    -herzig /Adj./ mit halbem Herzen, nicht voll hinter einer Sache stehend: eine h. Zustimmung; jmdn. h. unterstützen;

    -hoch /Adj./ nicht in voller Höhe: ein h. Tisch, Schrank; eine Wand h. mit Kacheln verkleiden;

    -idiot, der abwertend blöder Mensch: ein vollkommener, verrückter H.;

    -insel, die Landvorsprung an der Küste, der sich deutlich vom Festland abhebt: die Iberische H.;

    1. ein halbes Jahr alt: ein h. Säugling

    2. ein halbes Jahr dauernd: ein h. Studienurlaub;

    -jährlich /Adj./ jedes halbe Jahr wiederkehrend: die h. Kontrollen, Untersuchungen;

    -kolonial /Adj./ formal staatlich selbständig, aber wirtschaftlich und politisch abhängig: die nationale Befreiungsbewegung in den h. Ländern;

    -kolonie, die; /entsprechend der Bedeutung von -kolonial/: der Kampf der Halbkolonien um ihre volle Unabhängigkeit;

    -krank /Adj./ fast krank: die dauernden Sorgen machten ihn h.; umg. scherzh. sich h. lachen (heftig lachen);

    -kreis, der; durch den Durchmesser begrenzte Hälfte eines Kreises: einen H. mit dem Zirkel schlagen; die Tische bildeten einen offenen H.; wir standen im H. um die Tribüne;

    1. Hälfte einer Kugel: d. Durchmesser, Oberfläche einer H.

    2. durch den Äquator begrenzte Erdhälfte: die nördliche, südliche H. unserer Erde;

    -lang /Adj./ nicht ganz lang: h. Haar, Ärmel; /übertr./ salopp »Nu mach aber halblang (übertreibe bloß nicht)!« Weiskopf 4,467 ;

    -laut /Adj./ nicht mit voller Stimme, gedämpft: ein h. Gespräch, Ausruf; eine h. Unterhaltung führen; h. sprechen, lesen; er redete h. vor sich hin;

    1. Gewebe, das zur Hälfte aus Leinen, zur Hälfte aus Baumwolle besteht: Bettwäsche, eine Tischdecke aus H.

    2. ein Buch in H. (mit Leinenrücken);

    -leiter, der Phys. Stoff, dessen elektrische Leitfähigkeit zwischen den sehr guten Leitern, den Metallen, und den Nichtleitern, den Isolatoren, liegt und der Energie in Elektroenergie umsetzen kann: elektronische H.; die Verwendung von Halbleitern in der optischen Industrie und in der Elektrotechnik; Sonnenenergie mit Hilfe von Halbleitern in Elektroenergie umwandeln;

    -licht, das Dämmerlicht: das H. der Mondnacht; die Konturen verschwammen im H.; sowie die Abende kamen . mit ihrem unheimlichen Halblicht G. Hermann Kubinke 88 ;

    -lịnke, der Fußball Handball Hockey Stürmer, der links neben dem Mittelstürmer und rechts vom linken Außenstürmer steht;

    -lịnks /Adv./ schräg nach links: der Wagen bog h. ein; Fußball Handball: er spielt h.;

    -lịnks, der; -, - vgl. -linke: der H. köpfte den Ball zum Mittelstürmer;

    -mast /Adv./ (auf) h. in halber Höhe des Flaggenmastes: h. flaggen /als Zeichen allgemeiner Landestrauer/; d. Flagge, Fahne auf h. setzen, hissen; beim Begräbnis des Staatspräsidenten wehten die Flaggen auf h.;

    -messer, der Strecke vom Mittelpunkt bis zum Umfang eines Kreises, einer Kugel, Radius;

    -metall, das Chem. Grundstoff, der zwischen Metallen und Nichtmetallen steht und dessen elektrischer Widerstand beim Schmelzen abnimmt, Metalloid;

    -militärisch /Adj./ teilweise von militärischem Charakter: eine h. Organisation, Einheit;

    1. Mondphase zwischen Neu- und Vollmond, während der der Mond nur zur Hälfte beleuchtet erscheint: der aufgehende H.; am Nachthimmel schimmerte die Sichel des Halbmondes

    2. /Sinnbild des Islam/ der türkische H.;

    -nackt /Adj./ teilweise nackt: das h. Kind; h. am Strande liegen, herumlaufen;

    -offen /Adj./ zur Hälfte offen: das h. Fenster; eine h. (erst halb erblühte) Tulpe; sein Mund stand h.;

    -part /Adv./ umg. zur Hälfte, zu gleichen Teilen: h. mit jmdm. machen einen gemeinsamen Gewinn, Erwerb mit jmdm. zur Hälfte teilen: er machte mit seinem Mitspieler h.; die beiden Teilhaber einigten sich auf h. (auf gleiche Teilung);

    -pension, die; Pension mit nur beschränkter Verpflegung: sie wohnten in den Ferien in H.;

    -reif /Adj./ nicht ganz reif: h. Obst; die Kirschen sind erst h.; /übertr./ ein h. (nicht voll entwickelter) Mensch; er äußerte eine h. (nicht voll durchdachte) Meinung;

    -rund, das /entsprechend der Bedeutung von -rund/: das H. der Bühne; das Gebirge zieht sich in einem H. an der Küste hin;

    -schatten, der Bereich des Schattens, der durch eine nur unvollständige Beleuchtung entsteht: im H. des Parkes; der Mond trat aus dem H. der Erde heraus;

    -schicht, die Neupräg. Arbeit von der Dauer einer halben Schicht: die Aufbauhelfer leisteten hundert Halbschichten;

    -schlächtig /Adj./ abwertend ohne eindeutige Stellung: eine h. Haltung; daß die halbschlächtige Aufklärung noch unerträglicher sei als die Orthodoxie Mehring Lessing-Legende 419 ; sein Standpunkt erschien h.;

    -schlaf, der leichter Schlaf zwischen Wachen und Träumen: aus dem H. aufschrecken, emporfahren; in einen unruhigen H. (ver)fallen; im H. liegen; etw. im H. träumen, (undeutlich) wahrnehmen;

    -schleier, der Schleier, der das Gesicht nur zum Teil verhüllt: die Augen verdeckte ein schwarzer H.;

    -schlummer, der vgl. -schlaf: aus dem H. erwachen, auffahren; im H. murmelte er vor sich hin;

    -schranke, die Eisenb. Schranke, deren Schlagbäume nur die rechte Hälfte der Fahrbahn sperren;

    -schuh, der leichter Schuh, der nur bis zu den Knöcheln reicht: ein bequemer, eleganter H.;

    -schur, die Landw. Schur, die alle halben Jahre vorgenommen wird;

    -schwergewicht, das Sport Körpergewichtsklasse zwischen Mittel- und Schwergewicht in den Disziplinen Boxen, Ringen, Gewichtheben;

    -seide, die Gewebe, das zur Hälfte aus Seide, zur Hälfte aus Baumwolle besteht: ein Tuch aus H.;

    1. /entsprechend der Bedeutung von -seide/: eine h. Decke

    2. sa- lopp abwertend moralisch anfechtbar: ein h. Betragen; Lassen Sie mich nur zufrieden mit Ihren halbseidenen Geschichten Fallada Blechnapf 443 ; ein h. (weichlicher) Typ;

    -seitig /Adj./ über eine halbe Seite reichend: das Blatt war h. beschrieben; ein h. Kopfweh; er war h. gelähmt;

    -staatlich /Adj./ Neupräg. DDR: ein h. Betrieb (Privatbetrieb, an dem der Staat mitbeteiligt ist);

    -starke, der Neubedeut. umg. abwertend Jugendlicher, der sich auffallend und laut aufführt und damit seinen Mitmenschen lästig fällt: ein Halbstarker mit Niethosen; an den Ecken lungern H. herum; der Fußgänger wurde von einer Bande Halbstarker angerempelt; Eine Rotte Halbstarker hat mich überfallen Fallada Jeder stirbt 293 ;

    -strumpf, der Strumpf, der nur bis zur Wade reicht: dünne, seidene Halbstrümpfe;

    -stürmer, der Fußball Handball Stürmer zwischen dem Mittelstürmer und den Flügelstürmern: der H. schoß ein Tor;

    -tag, der Hälfte eines Tages: ein dienstfreier H.; von seinem Dienst in der Klinik abgestohlene Halbtage Fussenegger Antlitz 60 ;

    zu Halbtag: ↗-arbeit, die: H. für Frauen; eine H. annehmen;

    -ton, der Mus. kleinstes Intervall in der Tonleiter;

    -tot /Adj./ fast tot: h. Wild; jmdn. h. jagen, schlagen; /übertr./ salopp er ist h. (sehr erschöpft) vor Anstrengung; sich h. (sehr heftig) lachen, ärgern;

    -verdaut /Adj./ nicht ganz verdaut: h. Speisen; /übertr./ ein h. (nicht völlig verstandenes) Wissen;

    -verdeck, das veralt. halboffenes Verdeck: eine Kutsche mit H.;

    -versteckt /Adj./ ziemlich versteckt, verborgen: eine h. Hütte, ein halbverstecktes Lächeln Heine 3,76 (Harzreise) ;

    -wahrheit, die Teilwahrheit: Halbwahrheiten verbreiten; sie gaben sich nicht mit Halbwahrheiten zufrieden;

    -waise, die Kind, das einen Elternteil durch Tod verloren hat;

    1. auf halbem Wege: er kam uns h. entgegen; Der Zug hielt . halbwegs zwischen Karlsbad und Prag Weiskopf 1,472 (Abschied v. Frieden)

    2. umg. einigermaßen, leidlich: ein h. brauchbares Werkzeug, Buch; ein h. ordentlicher, tüchtiger Mensch; wir verlebten h. schöne Ferien; h. fleißig, anständig, verläßlich sein; das Wetter ist h. schön; seine Vermutung war h. richtig; sie leben so h.; Ich habe die letzte Chance, freiwillig und noch halbwegs in Ehren unterzugehen, versäumt Andres Hochzeit 384 ; sich h. sauber kleiden; sich h. in eine Sache hineinfinden; etw. h. begreifen, lernen; jmdm. das Leben h. erträglich machen; es geht so h.; salopp nun mach es bloß h. (treibe es nicht auf die Spitze)!;

    -welt, die abwertend Gesellschaft von nur scheinbarer Vornehmheit, aber innerer Leere und zweifelhaftem Ruf: die H. der Großstädte; diese Bar war ein Treffpunkt der mondänen H.; jenes verbummelte Genie gehörte zur H.;

    -wertszeit, die Neupräg. Phys. Zeitspanne, in der die Hälfte der Atome radioaktiver Stoffe zerfallen ist: Die Halbwertszeiten . variieren in weiten Grenzen von Bruchteilen einer Sekunde bis zu vielen Millionen von Jahren Dt. Literaturzeitg. 1960 ;

    -wolle, die Mischwolle aus Wolle und Baumwolle: eine Strickjacke aus H.;

    -wüchsig /Adj./ noch nicht voll erwachsen: ein h. Bursche; das unausgeglichene Wesen eines Halbwüchsigen; abwertend An einer Ecke standen Halbwüchsige in Ringelsocken und offenen Hemden Schallück Wenn man aufhören könnte 92 ;

    1. Hälfte der Spielzeit: die Tore fielen in der ersten H.

    2. Pause nach der ersten Spielhälfte: der Trainer gab den Spielern in der H. neue Anweisungen; nach der H. forcierte die gegnerische Mannschaft das Tempo; /übertr./ umg. H. (Pause) machen;

    -zeug, das fachspr. zur weiteren Verarbeitung vorgeformtes Rohmaterial: d. Herstellung, Import von Halbzeugen; H. aus Roheisen, Plaste, Lumpen; H. im Stahlwerk walzen; metallurgische Betriebe mit H. beliefern

    zu -jahr: Sommer-, ↗Winterhalbjahr

    1. /Verkl.: Stündchen, Stündlein; Abk.: St., Std., fachspr. h/ Zeiteinheit, die den 24. Teil eines Tages umfaßt, Zeitraum von 60 Minuten: eine viertel, halbe, dreiviertel S.; eine knappe, reichliche, umg. geschlagene⌉ S.; er kann nur eine S., ein Stündchen bleiben; ich warte schon eine S., anderthalb S., Stunden; eine S. Wegs; eine S. nach der anderen, S. um S. verrann; es dauert eine S.; eine S. ist schnell vergangen; diese S. dehnte sich unerträglich; komme doch eine S. früher!; er stand eine S. später auf; /sprichw./ besser eine S. zu früh als eine Minute zu spät; die Uhr schlägt bei jeder vollen S., schlägt die Stunden; er hörte eine S. nach der anderen schlagen; /sprichw./ dem Glücklichen schlägtkeine S.; /bildl./ geh. jedem schlägt seine S. (jeder kommt einmal an die Reihe; jeder muß einmal sterben); umg. er glaubte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen (er müßte sterben); er weiß, was die S. geschlagen hat (weiß Bescheid, weiß, wie die Dinge stehen)⌉; alle, mitteldt. aller⌉ drei Stunden muß er die Medizin einnehmen; wir müssen noch etwa zwei Stunden gehen; bis dahin sind es drei Stunden Bahnfahrt; dort kann man viele, mehrere Stunden wandern, ohne einen Menschen zu treffen; die letzten Stunden des Jahres, vor dem Abschied; seine Stunden sind gezählt (er wird bald sterben); der Junge spielte ganze Stunden (lang) mit der Eisenbahn; ich komme nur auf, für eine S. zu dir; wir sehen uns in einer halben S., inzwei Stunden; er kam in der zehnten S. (kam zwischen neun und zehn Uhr); wenn er in der nächsten S. nicht kommt . ; der Wagen fuhr 60 Kilometer in der, pro S.; es verging über eine, mehr als eine S.; er kam um die zehnte S. (kam gegen zehn Uhr), kam zu früher S. (kam früh am Morgen), kam zu vorgerückter S. (kam spät am Abend), zur gewohnten S.

    a) in dem eine Arbeit geleistet und nach dem eine Arbeitsleistung bezahlt wird, Arbeitsstunde: wieviel bekommt er für die, pro S.?; diese Arbeit wird nach Stunden vergütet; der Arbeitstag umfaßt acht Stunden

    b) Zeitraum von 1, meist auf 45 Minuten reduziert, in dem Unterricht erteilt wird, Unterrichtsstunde: was für, wieviele Stunden habt ihr morgen?; die erste S. fiel gestern aus; in der nächsten S. haben wir eine Vertretung; wir hatten zwei Stunden Russisch; Stunden nehmen; er gibt Stunden in Mathematik; sich für die morgigen Stunden vorbereiten

    3. Augenblick, Moment, Zeitpunkt: die S. der Entscheidung, Abrechnung war gekommen; das war seine S. (der für ihn geeignete Moment); die S. X (ein noch unbekannter Zeitpunkt); Neupräg. DDR Aktivist der ersten S. (jmd., der sofort nach der Zerschlagung des deutschen Faschismus am Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung entscheidend mitarbeitete)⌉; das war die schönste S. meines Urlaubs; sie hat keine ruhige S. mehr; in der S. der Gefahr; d. Forderung, Gebot der S.; in einer schwachen S. (als ihr Wille nicht stark genug war) gab sie seinem Drängen nach; sie will zu gelegener S. wiederkommen; er nützt jede S. für seine Arbeit aus; jede S., zu jeder S. jederzeit: ich bin zu jeder S. dazu bereit; seitdieser S., geh. von Stund an von da an: von Stund an waren sie Freunde⌉; in letzter S. (kurz bevor es zu spät war) dachte er noch daran; zur S. (jetzt, augenblicklich) ist er noch gesund; Zeitspanne: wir haben schöne, frohe, festliche, bittere, schwere Stunden miteinander verlebt; in einer ruhigen, stillen S., in langen Stunden dachte er darüber nach; verhüll. ihre schwere S. (die Entbindung) war gekommen

    zu 1 /in Verbindung mit Tageszeiten, z. B./ Morgen-, ↗Nachtstunde; ↗/ferner in/ Aufbau-, ↗Auto-, Bahn-, ↗Dreiviertel-, ↗Eisenbahn-, ↗Frage-, ↗Geister-, ↗Gespenster-, Hauptverkehrs-, ↗Kilowatt-, ↗Polizei-, Sperr-, Spitzen-, ↗Viertel-, ↗Wegstunde; ↗Achtstundentag; ↗Achtundvierzig-, ↗Vierzigstundenwoche; ↗/in Verbindung mit Zahlwörtern, z. B./ acht-, ↗mehr-, ↗viel-, ↗zweistündig; /ferner in/ halb-, ↗viertelstündig ↗zu 1 u. 2 b Flug-, ↗Freistunde ↗zu 1 u. 3 Abschieds-, ↗Andachts-, ↗Befreiungs-, ↗Besuchs-, ↗Bet-, ↗Dämmer-, Entscheidungs-, ↗Erbauungs-, Erholungs-, ↗Feier-, ↗Geburts-, ↗Gedenk-, Kaffee-, ↗Muße-, ↗Plauder-, ↗Ruhe-, ↗Schäfer-, ↗Schlummer-, ↗Schummer-, ↗Sterbe-, ↗Stern-, ↗Tee-, ↗Todes-, ↗Trennungsstunde; ↗Kaffee-, ↗Schäferstündchen zu 2 a Amts-, ↗Arbeits-, Bank-, Büro-, ↗Dienst-, Geschäfts-, Kassenstunde(n) ↗zu 2 a u. b Überstunde zu 2 b /in Verbindung mit Fächern des Schulunterrichts und mit Tätigkeiten, z. B./ Deutsch-, Geschichts-, ↗Latein-, Lese-, Physik-, ↗Reit-, ↗Tanzstunde; ↗/in Verbindung mit Musikinstrumenten, z. B./ Geigen-, ↗Klavierstunde; ↗/ferner in/ Abminderungs-, ↗Ausfall-, ↗Bibel-, ↗Doppel-, ↗Eck-, ↗Jugend-, ↗Konfirmanden-, ↗Kurz-, ↗Nachhilfe-, ↗Privat-, ↗Schul-, ↗Unterrichts-, ↗Vertretungs-, Vorbereitungs-, Wiederholungs-, Wochen-, ↗Zwischenstunde; Pflichtstundenzahl

    Über uns (Projekt):

    DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache

    Mitteldt dünner kaffee

    Hinweis: Die Trefferanzahl ist auf maximal 5 000 beschränkt. Sie können über den URL-Parameter p weitere Ergebnisseiten abfragen. Weitere Informationen dazu …

    • Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart.
      1. Startseite
      2. Wortinformation zu „halbstündig“
      3. Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

      -affe, der langschwänziger, dichtbehaarter Affe mit großen, nach vorn gerichteten Augen, der sich vorzugsweise von Insekten und Früchten nährt;

      -ärm(e)lig /Adj./ mit einem kurzen, höchstens bis zum Ellenbogen reichenden Ärmel: ein h. Hemd;

      -automat, der technische Vorrichtung, Maschine, deren Arbeitsvorgänge nur teilweise selbständig gesteuert werden: Halbautomaten in einer Montageabteilung;

      -automatisch /Adj.; entsprechend der Bedeutung von -automat/: die Sortiermaschine arbeitet h.;

      1. abwertend wenig gebildeter Mensch: ein uninteressierter H.

      2. hist. kein echter Grieche: die Halbbarbaren an den Grenzen von Hellas;

      -bekleidet /Adj./ unvollständig bekleidet: noch h., sank er in tiefen Schlaf;

      -bildung, die; mangelhafte, unverarbeitete Bildung: die H. des Dilettanten;

      1. Pferderasse, bei der ein Elternteil zum Vollblut gehört

      2. Abkömmling von Eltern verschiedener Menschenrassen, Mischling: ein kreolisches H. spanischer Herkunft;

      -bogen, der Hälfte eines Bogens: die Bucht bildete einen H.;

      -bruder, der /Verwandtschaftsbezeichnung/ Bruder, der mit seinen Geschwistern nur einen gemeinsamen Elternteil hat: die Eheschließung einer Schwester mit ihrem H. ist verboten;

      -damast, der kleingemustertes, damastähnliches Drellgewebe;

      -dämmer, der dicht. gedämpftes Licht: ein Zimmer im H. der Kerzen;

      -dunkel, das /entsprechend der Bedeutung von -dunkel/: das H. der Höhle; im H. des Kellers; wir standen, tappten im H.; der Pfad verlor sich im H. des Waldes; er starrte in das H. des Gewölbes;

      -dusel, der umg. leichte Benommenheit: Wir . spitzten nur unsere Ohren im Halbdusel Marchwitza Jugend 321 ;

      -edelstein, der Mineral, das wegen seiner Schönheit als Schmuck verwendet wird, aber nicht alle Eigenschaften eines Edelsteins besitzt und häufiger vorkommt;

      -erfroren /Adj./ fast erfroren: der verirrte Schiläufer wurde h. im Schnee aufgefunden;

      -fabrikat, das Fabrikat, das noch nicht ganz fertig verarbeitet ist: das Werk liefert Gußstücke als Halbfabrikate;

      -fertigfabrikat, das: Halb fertigfabrikate für die weiterverarbeitenden Betriebe;

      1. nicht ganz fett: h. Käse; ein h. Schwein

      2. Druckerei in einem Druck, der kräftiger als normal, aber schwächer als fett ist;

      -finale, das Sport Ausscheidung vor dem Finale: unsere Mannschaft kämpfte sich ins H.; der Gegner wurde im H. geschlagen;

      -gebildete, der vgl. -bildung: das lückenhafte Wissen des Halbgebildeten;

      -gefrorene, das Eisspeise, bei der die zur Herstellung verwendete Masse in einer Kühlbüchse, ohne direkten Zusatz von Eis, zum Frieren gebracht wird: es gab Halbgefrorenes als Nachtisch;

      -geschwister, die /nur im Pl.; Verwandtschaftsbezeichnung/ Geschwister mit nur einem gemeinsamen Elternteil;

      -gewalkt /Adj./ ostmitteldt. salopp abwertend undurchsichtig, moralisch nicht ganz sauber: vor einer Gesellschaft halbgewalkter, aufgeblasener, rührseliger und dabei völlig unwissender Figuren R. Bartsch Geliebt 121 ;

      -gott, der hist. Wesen, das zur Hälfte göttlicher Abstammung sein soll: die Halbgötter der Griechen; /übertr./ geh. großer Held: die Fremden waren uns Kindern Halbgötter G. Hauptm. 3,32 ;

      -handschuh, der Handschuh, der die Finger frei läßt: ein dünner, weißer H.; die weißen Finger guckten aus dem langen, durchbrochenen, seidenen Halbhandschuh G. Hermann Gebert 120 ;

      -herzig /Adj./ mit halbem Herzen, nicht voll hinter einer Sache stehend: eine h. Zustimmung; jmdn. h. unterstützen;

      -hoch /Adj./ nicht in voller Höhe: ein h. Tisch, Schrank; eine Wand h. mit Kacheln verkleiden;

      -idiot, der abwertend blöder Mensch: ein vollkommener, verrückter H.;

      -insel, die Landvorsprung an der Küste, der sich deutlich vom Festland abhebt: die Iberische H.;

      1. ein halbes Jahr alt: ein h. Säugling

      2. ein halbes Jahr dauernd: ein h. Studienurlaub;

      -jährlich /Adj./ jedes halbe Jahr wiederkehrend: die h. Kontrollen, Untersuchungen;

      -kolonial /Adj./ formal staatlich selbständig, aber wirtschaftlich und politisch abhängig: die nationale Befreiungsbewegung in den h. Ländern;

      -kolonie, die; /entsprechend der Bedeutung von -kolonial/: der Kampf der Halbkolonien um ihre volle Unabhängigkeit;

      -krank /Adj./ fast krank: die dauernden Sorgen machten ihn h.; umg. scherzh. sich h. lachen (heftig lachen);

      -kreis, der; durch den Durchmesser begrenzte Hälfte eines Kreises: einen H. mit dem Zirkel schlagen; die Tische bildeten einen offenen H.; wir standen im H. um die Tribüne;

      1. Hälfte einer Kugel: d. Durchmesser, Oberfläche einer H.

      2. durch den Äquator begrenzte Erdhälfte: die nördliche, südliche H. unserer Erde;

      -lang /Adj./ nicht ganz lang: h. Haar, Ärmel; /übertr./ salopp »Nu mach aber halblang (übertreibe bloß nicht)!« Weiskopf 4,467 ;

      -laut /Adj./ nicht mit voller Stimme, gedämpft: ein h. Gespräch, Ausruf; eine h. Unterhaltung führen; h. sprechen, lesen; er redete h. vor sich hin;

      1. Gewebe, das zur Hälfte aus Leinen, zur Hälfte aus Baumwolle besteht: Bettwäsche, eine Tischdecke aus H.

      2. ein Buch in H. (mit Leinenrücken);

      -leiter, der Phys. Stoff, dessen elektrische Leitfähigkeit zwischen den sehr guten Leitern, den Metallen, und den Nichtleitern, den Isolatoren, liegt und der Energie in Elektroenergie umsetzen kann: elektronische H.; die Verwendung von Halbleitern in der optischen Industrie und in der Elektrotechnik; Sonnenenergie mit Hilfe von Halbleitern in Elektroenergie umwandeln;

      -licht, das Dämmerlicht: das H. der Mondnacht; die Konturen verschwammen im H.; sowie die Abende kamen . mit ihrem unheimlichen Halblicht G. Hermann Kubinke 88 ;

      -lịnke, der Fußball Handball Hockey Stürmer, der links neben dem Mittelstürmer und rechts vom linken Außenstürmer steht;

      -lịnks /Adv./ schräg nach links: der Wagen bog h. ein; Fußball Handball: er spielt h.;

      -lịnks, der; -, - vgl. -linke: der H. köpfte den Ball zum Mittelstürmer;

      -mast /Adv./ (auf) h. in halber Höhe des Flaggenmastes: h. flaggen /als Zeichen allgemeiner Landestrauer/; d. Flagge, Fahne auf h. setzen, hissen; beim Begräbnis des Staatspräsidenten wehten die Flaggen auf h.;

      -messer, der Strecke vom Mittelpunkt bis zum Umfang eines Kreises, einer Kugel, Radius;

      -metall, das Chem. Grundstoff, der zwischen Metallen und Nichtmetallen steht und dessen elektrischer Widerstand beim Schmelzen abnimmt, Metalloid;

      -militärisch /Adj./ teilweise von militärischem Charakter: eine h. Organisation, Einheit;

      1. Mondphase zwischen Neu- und Vollmond, während der der Mond nur zur Hälfte beleuchtet erscheint: der aufgehende H.; am Nachthimmel schimmerte die Sichel des Halbmondes

      2. /Sinnbild des Islam/ der türkische H.;

      -nackt /Adj./ teilweise nackt: das h. Kind; h. am Strande liegen, herumlaufen;

      -offen /Adj./ zur Hälfte offen: das h. Fenster; eine h. (erst halb erblühte) Tulpe; sein Mund stand h.;

      -part /Adv./ umg. zur Hälfte, zu gleichen Teilen: h. mit jmdm. machen einen gemeinsamen Gewinn, Erwerb mit jmdm. zur Hälfte teilen: er machte mit seinem Mitspieler h.; die beiden Teilhaber einigten sich auf h. (auf gleiche Teilung);

      -pension, die; Pension mit nur beschränkter Verpflegung: sie wohnten in den Ferien in H.;

      -reif /Adj./ nicht ganz reif: h. Obst; die Kirschen sind erst h.; /übertr./ ein h. (nicht voll entwickelter) Mensch; er äußerte eine h. (nicht voll durchdachte) Meinung;

      -rund, das /entsprechend der Bedeutung von -rund/: das H. der Bühne; das Gebirge zieht sich in einem H. an der Küste hin;

      -schatten, der Bereich des Schattens, der durch eine nur unvollständige Beleuchtung entsteht: im H. des Parkes; der Mond trat aus dem H. der Erde heraus;

      -schicht, die Neupräg. Arbeit von der Dauer einer halben Schicht: die Aufbauhelfer leisteten hundert Halbschichten;

      -schlächtig /Adj./ abwertend ohne eindeutige Stellung: eine h. Haltung; daß die halbschlächtige Aufklärung noch unerträglicher sei als die Orthodoxie Mehring Lessing-Legende 419 ; sein Standpunkt erschien h.;

      -schlaf, der leichter Schlaf zwischen Wachen und Träumen: aus dem H. aufschrecken, emporfahren; in einen unruhigen H. (ver)fallen; im H. liegen; etw. im H. träumen, (undeutlich) wahrnehmen;

      -schleier, der Schleier, der das Gesicht nur zum Teil verhüllt: die Augen verdeckte ein schwarzer H.;

      -schlummer, der vgl. -schlaf: aus dem H. erwachen, auffahren; im H. murmelte er vor sich hin;

      -schranke, die Eisenb. Schranke, deren Schlagbäume nur die rechte Hälfte der Fahrbahn sperren;

      -schuh, der leichter Schuh, der nur bis zu den Knöcheln reicht: ein bequemer, eleganter H.;

      -schur, die Landw. Schur, die alle halben Jahre vorgenommen wird;

      -schwergewicht, das Sport Körpergewichtsklasse zwischen Mittel- und Schwergewicht in den Disziplinen Boxen, Ringen, Gewichtheben;

      -seide, die Gewebe, das zur Hälfte aus Seide, zur Hälfte aus Baumwolle besteht: ein Tuch aus H.;

      1. /entsprechend der Bedeutung von -seide/: eine h. Decke

      2. sa- lopp abwertend moralisch anfechtbar: ein h. Betragen; Lassen Sie mich nur zufrieden mit Ihren halbseidenen Geschichten Fallada Blechnapf 443 ; ein h. (weichlicher) Typ;

      -seitig /Adj./ über eine halbe Seite reichend: das Blatt war h. beschrieben; ein h. Kopfweh; er war h. gelähmt;

      -staatlich /Adj./ Neupräg. DDR: ein h. Betrieb (Privatbetrieb, an dem der Staat mitbeteiligt ist);

      -starke, der Neubedeut. umg. abwertend Jugendlicher, der sich auffallend und laut aufführt und damit seinen Mitmenschen lästig fällt: ein Halbstarker mit Niethosen; an den Ecken lungern H. herum; der Fußgänger wurde von einer Bande Halbstarker angerempelt; Eine Rotte Halbstarker hat mich überfallen Fallada Jeder stirbt 293 ;

      -strumpf, der Strumpf, der nur bis zur Wade reicht: dünne, seidene Halbstrümpfe;

      -stürmer, der Fußball Handball Stürmer zwischen dem Mittelstürmer und den Flügelstürmern: der H. schoß ein Tor;

      -tag, der Hälfte eines Tages: ein dienstfreier H.; von seinem Dienst in der Klinik abgestohlene Halbtage Fussenegger Antlitz 60 ;

      zu Halbtag: ↗-arbeit, die: H. für Frauen; eine H. annehmen;

      -ton, der Mus. kleinstes Intervall in der Tonleiter;

      -tot /Adj./ fast tot: h. Wild; jmdn. h. jagen, schlagen; /übertr./ salopp er ist h. (sehr erschöpft) vor Anstrengung; sich h. (sehr heftig) lachen, ärgern;

      -verdaut /Adj./ nicht ganz verdaut: h. Speisen; /übertr./ ein h. (nicht völlig verstandenes) Wissen;

      -verdeck, das veralt. halboffenes Verdeck: eine Kutsche mit H.;

      -versteckt /Adj./ ziemlich versteckt, verborgen: eine h. Hütte, ein halbverstecktes Lächeln Heine 3,76 (Harzreise) ;

      -wahrheit, die Teilwahrheit: Halbwahrheiten verbreiten; sie gaben sich nicht mit Halbwahrheiten zufrieden;

      -waise, die Kind, das einen Elternteil durch Tod verloren hat;

      1. auf halbem Wege: er kam uns h. entgegen; Der Zug hielt . halbwegs zwischen Karlsbad und Prag Weiskopf 1,472 (Abschied v. Frieden)

      2. umg. einigermaßen, leidlich: ein h. brauchbares Werkzeug, Buch; ein h. ordentlicher, tüchtiger Mensch; wir verlebten h. schöne Ferien; h. fleißig, anständig, verläßlich sein; das Wetter ist h. schön; seine Vermutung war h. richtig; sie leben so h.; Ich habe die letzte Chance, freiwillig und noch halbwegs in Ehren unterzugehen, versäumt Andres Hochzeit 384 ; sich h. sauber kleiden; sich h. in eine Sache hineinfinden; etw. h. begreifen, lernen; jmdm. das Leben h. erträglich machen; es geht so h.; salopp nun mach es bloß h. (treibe es nicht auf die Spitze)!;

      -welt, die abwertend Gesellschaft von nur scheinbarer Vornehmheit, aber innerer Leere und zweifelhaftem Ruf: die H. der Großstädte; diese Bar war ein Treffpunkt der mondänen H.; jenes verbummelte Genie gehörte zur H.;

      -wertszeit, die Neupräg. Phys. Zeitspanne, in der die Hälfte der Atome radioaktiver Stoffe zerfallen ist: Die Halbwertszeiten . variieren in weiten Grenzen von Bruchteilen einer Sekunde bis zu vielen Millionen von Jahren Dt. Literaturzeitg. 1960 ;

      -wolle, die Mischwolle aus Wolle und Baumwolle: eine Strickjacke aus H.;

      -wüchsig /Adj./ noch nicht voll erwachsen: ein h. Bursche; das unausgeglichene Wesen eines Halbwüchsigen; abwertend An einer Ecke standen Halbwüchsige in Ringelsocken und offenen Hemden Schallück Wenn man aufhören könnte 92 ;

      1. Hälfte der Spielzeit: die Tore fielen in der ersten H.

      2. Pause nach der ersten Spielhälfte: der Trainer gab den Spielern in der H. neue Anweisungen; nach der H. forcierte die gegnerische Mannschaft das Tempo; /übertr./ umg. H. (Pause) machen;

      -zeug, das fachspr. zur weiteren Verarbeitung vorgeformtes Rohmaterial: d. Herstellung, Import von Halbzeugen; H. aus Roheisen, Plaste, Lumpen; H. im Stahlwerk walzen; metallurgische Betriebe mit H. beliefern

      zu -jahr: Sommer-, ↗Winterhalbjahr

      1. /Verkl.: Stündchen, Stündlein; Abk.: St., Std., fachspr. h/ Zeiteinheit, die den 24. Teil eines Tages umfaßt, Zeitraum von 60 Minuten: eine viertel, halbe, dreiviertel S.; eine knappe, reichliche, umg. geschlagene⌉ S.; er kann nur eine S., ein Stündchen bleiben; ich warte schon eine S., anderthalb S., Stunden; eine S. Wegs; eine S. nach der anderen, S. um S. verrann; es dauert eine S.; eine S. ist schnell vergangen; diese S. dehnte sich unerträglich; komme doch eine S. früher!; er stand eine S. später auf; /sprichw./ besser eine S. zu früh als eine Minute zu spät; die Uhr schlägt bei jeder vollen S., schlägt die Stunden; er hörte eine S. nach der anderen schlagen; /sprichw./ dem Glücklichen schlägtkeine S.; /bildl./ geh. jedem schlägt seine S. (jeder kommt einmal an die Reihe; jeder muß einmal sterben); umg. er glaubte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen (er müßte sterben); er weiß, was die S. geschlagen hat (weiß Bescheid, weiß, wie die Dinge stehen)⌉; alle, mitteldt. aller⌉ drei Stunden muß er die Medizin einnehmen; wir müssen noch etwa zwei Stunden gehen; bis dahin sind es drei Stunden Bahnfahrt; dort kann man viele, mehrere Stunden wandern, ohne einen Menschen zu treffen; die letzten Stunden des Jahres, vor dem Abschied; seine Stunden sind gezählt (er wird bald sterben); der Junge spielte ganze Stunden (lang) mit der Eisenbahn; ich komme nur auf, für eine S. zu dir; wir sehen uns in einer halben S., inzwei Stunden; er kam in der zehnten S. (kam zwischen neun und zehn Uhr); wenn er in der nächsten S. nicht kommt . ; der Wagen fuhr 60 Kilometer in der, pro S.; es verging über eine, mehr als eine S.; er kam um die zehnte S. (kam gegen zehn Uhr), kam zu früher S. (kam früh am Morgen), kam zu vorgerückter S. (kam spät am Abend), zur gewohnten S.

      a) in dem eine Arbeit geleistet und nach dem eine Arbeitsleistung bezahlt wird, Arbeitsstunde: wieviel bekommt er für die, pro S.?; diese Arbeit wird nach Stunden vergütet; der Arbeitstag umfaßt acht Stunden

      b) Zeitraum von 1, meist auf 45 Minuten reduziert, in dem Unterricht erteilt wird, Unterrichtsstunde: was für, wieviele Stunden habt ihr morgen?; die erste S. fiel gestern aus; in der nächsten S. haben wir eine Vertretung; wir hatten zwei Stunden Russisch; Stunden nehmen; er gibt Stunden in Mathematik; sich für die morgigen Stunden vorbereiten

      3. Augenblick, Moment, Zeitpunkt: die S. der Entscheidung, Abrechnung war gekommen; das war seine S. (der für ihn geeignete Moment); die S. X (ein noch unbekannter Zeitpunkt); Neupräg. DDR Aktivist der ersten S. (jmd., der sofort nach der Zerschlagung des deutschen Faschismus am Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung entscheidend mitarbeitete)⌉; das war die schönste S. meines Urlaubs; sie hat keine ruhige S. mehr; in der S. der Gefahr; d. Forderung, Gebot der S.; in einer schwachen S. (als ihr Wille nicht stark genug war) gab sie seinem Drängen nach; sie will zu gelegener S. wiederkommen; er nützt jede S. für seine Arbeit aus; jede S., zu jeder S. jederzeit: ich bin zu jeder S. dazu bereit; seitdieser S., geh. von Stund an von da an: von Stund an waren sie Freunde⌉; in letzter S. (kurz bevor es zu spät war) dachte er noch daran; zur S. (jetzt, augenblicklich) ist er noch gesund; Zeitspanne: wir haben schöne, frohe, festliche, bittere, schwere Stunden miteinander verlebt; in einer ruhigen, stillen S., in langen Stunden dachte er darüber nach; verhüll. ihre schwere S. (die Entbindung) war gekommen

      zu 1 /in Verbindung mit Tageszeiten, z. B./ Morgen-, ↗Nachtstunde; ↗/ferner in/ Aufbau-, ↗Auto-, Bahn-, ↗Dreiviertel-, ↗Eisenbahn-, ↗Frage-, ↗Geister-, ↗Gespenster-, Hauptverkehrs-, ↗Kilowatt-, ↗Polizei-, Sperr-, Spitzen-, ↗Viertel-, ↗Wegstunde; ↗Achtstundentag; ↗Achtundvierzig-, ↗Vierzigstundenwoche; ↗/in Verbindung mit Zahlwörtern, z. B./ acht-, ↗mehr-, ↗viel-, ↗zweistündig; /ferner in/ halb-, ↗viertelstündig ↗zu 1 u. 2 b Flug-, ↗Freistunde ↗zu 1 u. 3 Abschieds-, ↗Andachts-, ↗Befreiungs-, ↗Besuchs-, ↗Bet-, ↗Dämmer-, Entscheidungs-, ↗Erbauungs-, Erholungs-, ↗Feier-, ↗Geburts-, ↗Gedenk-, Kaffee-, ↗Muße-, ↗Plauder-, ↗Ruhe-, ↗Schäfer-, ↗Schlummer-, ↗Schummer-, ↗Sterbe-, ↗Stern-, ↗Tee-, ↗Todes-, ↗Trennungsstunde; ↗Kaffee-, ↗Schäferstündchen zu 2 a Amts-, ↗Arbeits-, Bank-, Büro-, ↗Dienst-, Geschäfts-, Kassenstunde(n) ↗zu 2 a u. b Überstunde zu 2 b /in Verbindung mit Fächern des Schulunterrichts und mit Tätigkeiten, z. B./ Deutsch-, Geschichts-, ↗Latein-, Lese-, Physik-, ↗Reit-, ↗Tanzstunde; ↗/in Verbindung mit Musikinstrumenten, z. B./ Geigen-, ↗Klavierstunde; ↗/ferner in/ Abminderungs-, ↗Ausfall-, ↗Bibel-, ↗Doppel-, ↗Eck-, ↗Jugend-, ↗Konfirmanden-, ↗Kurz-, ↗Nachhilfe-, ↗Privat-, ↗Schul-, ↗Unterrichts-, ↗Vertretungs-, Vorbereitungs-, Wiederholungs-, Wochen-, ↗Zwischenstunde; Pflichtstundenzahl

      Über uns (Projekt):

      DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache

      Mitteldt dünner kaffee

      So war das damals bei uns

      von Heilwig Bove

      ( mit einer Ergдnzung von ihrem Bruder Ernst-Gerhart )

      Wir haben einen langen, strengen Winter, da will ich anfangen, Euch Enkelkindern von frьher zu erzдhlen. Vorgestern hatten zwei von Euch Geburtstag, Jцrg in Minden wurde 10 Jahre alt und Peter in Vesbeck 13 Jahre alt.

      Meine Mutter wohnte noch bei ihrem Vater, dem Pastor der reformierten Gemeinde Adam Heilmann. Er bestimmte auch meinen Vornamen, der althochdeutsch ist und Heil im Kampf bedeutet und auЯerdem anklingt an den Namen Heilmann.

      Mein Vater erhielt erst sehr viel spдter im Feld die Nachricht, dass ich auf der Welt war. Wegen eines sogenannten Heimatschusses wurde er in die Rasemьhle bei Gцttingen verlegt, in deren Nдhe, in Lemshausen, die Eltern ihre erste Wohnung hatten. Ich weiЯ, dass noch viele Jahre spдter aus dem Kцrper des Vaters Granatsplitter herauseiterten.

      Dann war der Krieg zu Ende, mein Vater konnte nicht mehr nach Afrika, sondern fuhr mit dem Fahrrad die Gцttinger Gegend ab und erfuhr dabei, dass in GroЯ Schneen ein Arzt gestorben sei. - Im Dezember 1918 zogen wir also nach GroЯ Schneen. [1] Es war eine kleine Wohnung bei Bauer Harriehausen. Ein Vorhang trennte das Behandlungszimmer vom Wohnzimmer, das auch als Wartezimmer diente.

      Damals gab es die Inflation, d. h. Geldentwertung. Man rechnete mit Billionen Mark. Wenn man etwas Geld verdient hatte, musste man sofort losgehen und Brot kaufen, eine Stunde spдter war das Brot schon sehr viel teurer.

      Am 7. Februar 1919 wurde dann mein Bruder Ernst Gerhart geboren. Benannt nach den beiden gefallenen Brьdern der Eltern: Ernst Brachmann und Gerhart Heilmann. [2] Er war im Gegensatz zu mir ein krдftiges Kerlchen. Ich war „hiefig“, klein, dьnn und krдnklich. Kein Wunder nach den Hungerjahren.Mein Vater war nun eine Standesperson. Er hatte seinen Burschen aus dem Krieg mitgebracht, der ihn mit einer Kutsche und dem Pferd „Lotte“ auf die Dцrfer fuhr (Jeder Offizier hatte einen Burschen, der ihm die Uniform in Ordnung hielt und das Pferd versorgte). Wir hatten dort keinen Garten, da ging Mutter mit uns auf den Friedhof, wo wir spielten. Dort wuchsen Christrosen und die ersten Veilchen. Von Grabpflege war noch nichts zu sehen. Es blieb ein herrlich verwilderter Ort. Auf diesem Friedhof ruhen nun die Eltern.

      Aus der Zeit habe ich sehr viele Erinnerungen: das erste Sehen des Schwesterchens, das Windeln, Pudern und Stillen.

      Wir saЯen dann auf der FuЯbank, Mutter stillte und wir bettelten „Erzдhle, ass Du klein waast“. Und Mutter berichtete vom Pfarrhaus in Gцttingen, vom groЯen Garten, den vielen Geschwistern. Hans, Paul, Gretli, Gertrud, Gerhard und Mariechen. Sie redete vom Wingolf und von vielen bedeutenden Menschen, die im Pfarrhaus verkehrten. Ihr kцnnt alles nachlesen in den Erinnerungen des GroЯvaters Adam Heilmann.

      Wir wuchsen also in einem Dorf auf. Es hatte damals ca. 800 Einwohner. Wir kannten jedes Haus, wussten wo wer wohnte. Da gab es noch einen Schuster mit Schusterkugel und Pechgeruch, eine Frau, die die Kragen und Hemden der Mдnner stдrkte (Mдnner trugen damals einen „Vatermцrder“, einen hohen steifen Stehkragen).

      Da gab es noch einen Hirten, der mit einer Trompete Kдlber, Kьhe, Gдnse und Ziegen zusammentrieb; einen Ausrufer mit einer Klingel, der die neuesten Nachrichten verkьndete; einen Postboten, der mit einem Esel die Postsachen brachte und ьber jedes Telegramm Bescheid wusste.

      Wir hatten zwei Lehrer, Herrn Lьdecke und Herrn Bruns. Beide waren Meister ihres Faches. Herr Lьdecke machte „bunten Wind“, spielte also die Orgel, war „Halbwьrden“ im Gegensatz zu dem Pastor, dem „Hochwьrden“. Beide Lehrer hatten einen groЯen Garten, und es war eine Ehre fьr die Schьler, dort zu helfen. AuЯerdem konnte der eine gut Bдume schneiden, und der andere half dem Bьrgermeister bei den Finanzen. Natьrlich waren sie auch Vorsitzende der verschiedenen Vereine: Kriegerverein, Mдnnergesangverein, Schьtzenverein, Turnverein, Raiffeisenverband.

      Wir hatten auch einen Kirchenchor und fьr Mдdchen den Luisenbund. Politisch gab es die Spaltung zwischen Welfen, die dem hannoverschen Kцnigshaus anhingen und den PreuЯen. Kirchlich bestanden keine Gegensдtze, da eigentlich jeder evangelisch-lutherisch war. Sehr selten geschah eine Heirat in das nahe katholische Eichsfeld. Damals war Pastor Schьtzer schon lange Pastor an der Unterkirche. Die Oberkirche gehцrte zum Gut derer von Bodenhausen. Einmal im Jahr musste in der Kirche zu Hottenrode gepredigt werden, die sehr einsam stand, und von der man einen herrlichen Rundblick hatte. Diese Gottesdienste wird niemand vergessen, der an ihnen teilnahm. Heute ist es deutsch-deutsches Grenzgebiet. Auch damals verlief dort eine Grenze. zwischen Hannover, Thьringen und Hessen. Viele Kriegsheere sind im Verlauf der Jahrhunderte dort durchgezogen. - Herr Lьdecke konnte Geschichte sehr anschaulich machen. Auf dem Burgberg zu Friedland stand „Tilly“ mit seinem Heer. Unter jenen Bдumen lagerten sie einmal und dort lauerten die Raubritter auf die Pfeffersдcke. Im Wald schlieЯlich gab es ein versunkenes Dorf, bei Ludolfshausen wurde der letzte Bдr geschossen. Jedenfalls war die Vergangenheit um das Dorf herum sehr lebendig. Jedes Dorf hatte seinen Spitznamen.

      Unsere liebste Tante war Tante Gretli, sehr klug, sehr warmherzig. Sie starb leider mit 40 Jahren an Tbc, die sie sich in den Hungerjahren und durch ihre rastlose Tдtigkeit zugezogen hatte. [9] Damals konnte man als Mдdchen in Gцttingen noch kein Abitur machen. Dazu musste sie nach Hannover. Sie studierte dann, wurde Lehrerin, Oberlehrerin und schlieЯlich Geschдftsfьhrerin des Reichselternbundes in Berlin. [10] Zu allen Gelegenheiten machte sie wunderschцne Gedichte, auch als sie schon sehr krank war, fьhrte sie noch einen regen Briefwechsel. Ihr starker Glaube trug sie auch in ihrer angen Krankheit.

      Die vierte Schwester, Gertrud, heiratete den Dr. jur. Wilhelm Luetkemann. Ihre beiden Sцhne, Leonhardt und Joachim waren fast gleichaltrig mit uns. [11] Sie waren in den Ferien sehr oft bei uns; hinterher hatten wir uns auch den Berliner Dialekt angewцhnt - und es war richtig still ohne sie. Luetkemanns waren schon frueh motorisiert, hatten lange ein kleines rotes Auto. Ihre spдtere Wohnung in Kassel wurde durch einen Luftangriff zerstцrt. Leonhardt fiel als junger Leutnant in Polen in den ersten Kriegstagen. Joachim ist heute Forstdirektor in Langen.

      Mutters Lieblingsbruder war Onkel Paul aus Minden Seine Frau, Tante Elli, lebt jetzt noch dort. [12] Als Arzt hatte er nicht viel Freizeit; er machte in GroЯ Schneen am liebsten lange Spaziergдnge und war heimatkundlich sehr bewandert. Seine 4 Kinder sind oft und gern bei uns gewesen. Dieter war der erste Mensch, den ich mit einem Schlafanzug bekleidet gesehen habe, man trug nur Nachthemden. [13]

      Von Vaters Seite kam die liebe GroЯmutter aus Dresden und ihre Tochter, Tante Hanna. [14] An den GroЯvater kann ich mich wenig erinnern. GroЯmutter erzдhlte gern aus ihrer Jugend, als sie mit der Postkutsche von Leipzig bis in das ferne Mecklenburg reisten und dort mit vielen Vettern und Basen in dem groЯen Gutshaus in Malchow die Ferien verbrachten, betreut von einigen Tanten, die sie auch unterrichteten. GroЯmutter erzдhlte auch von der „Lindnerei“ in Leipzig (Sie war eine geborene Lindner). Ihr Vater war Theologieprofessor an der Universitдt, wie auch dessen Vater. [15] Da war eine dunkle Geschichte, daЯ nдmlich ihr Vater einige kostbare Bьcher aus der Bibliothek ‚entwendete’ oder vergaЯ, sie zurьckzubringen. Fьr diese Missetat muЯte er in’s Gefдngnis. Das erregte groЯes Aufsehen. Noch in den Erinnerungen von Kьgelgen (1812-1870) in seinem Buch 'Erinnerungen eines alten Mannes’ wird davon berichtet. [16]

      Da kamen also nun zwei hochgeistige Familien zusammen, sie bekamen fьnf Kinder. Hanna war manisch depressiv. Winfried, mein Vater, hatte Glьck, daЯ er meine tatkrдftige, frцhliche Mutter heiratete, sonst wдre er wohl kaum mit dem normalen Leben fertig geworden. [18] Tante Kдthe muss als Kind ein entzьckendes junges Mдdchen gewesen sein, bis sie sich wohl in einen verheirateten Mann verliebte. [19] Damals eine Todsьnde. Ich kenne sie nur, in einem kalten Zimmer hausend mit vielen Katzen und Mцbeln aus Kisten. Sie war also etwas seltsam. Ein Aussteiger wьrde man heute sagen. Dann kam Tante Frieda, die als 4-jдhrige eine Hirnhautentzьndung und infolgedessen den geistigen Stand einer 10-jдhrigen hatte. Als letzter. Onkel Ernst, geistig und kцrperlich gesund, aber er fiel im 1. Weltkrieg. [20]

      In diesem Haus gab es noch Gasbeleuchtung und abends bekam jeder eine Kerze, um in’s Bett zu finden, denn die einzelnen Rдume waren nicht zu beleuchten. Von unseren herrlichen Ferien in Dresden erzдhle ich spдter noch.

      Dann kamen nach GroЯ Schneen die GroЯtanten Therese, Helene und Agnes (genannt Anne) Dietrich und Tante Mariechen Heilmann, eine Diakonisse, Schwester des GroЯvaters. [22] Ehe sie kam, wurde die ganze Wohnung gescheuert, und trotzdem fand sie noch Schmutz. Es war damals so, daЯ Tцchter, die nicht geheiratet hatten, entweder als billige Arbeitskraft auf dem Hof blieben oder Diakonisse wurden und damit versorgt waren. Der Beruf der Lehrerin oder der Дrztin war noch sehr selten.

      Ich kann hier nicht alle aufzдhlen, die uns besuchen kamen, sie stehen jedoch alle in dem Gдstebuch, das bei mir liegt. Es kam z.B. auch Vetter Willi Brachmann aus Cuxhaven. [23] Wie war nun so der Lebensstandard unseres Elternhauses? So viele Menschen und so viel Besuch! Es ging einfach zu, wir hatten den Garten und seine Erzeugnisse, Milch und Eier vom Nachbarn und im Herbst wurde ein Schwein geschlachtet. Auf das Brot wurde Schmalz oder Pflaumenmus gestrichen. Wurst oder Fleisch gab es selten, man wurde auch von Kartoffeln und Sauce satt. Wir aЯen sogar Margarine und keine Butter, wobei man bedenken muЯ, daЯ die Margarine damals noch sehr viel schlechter schmeckte als heute. Wenn wir Durst hatten, mischten wir uns ein Getrдnk aus Wasser, Essig und Zucker, oder wir kauten rohe Rhabarberstengel. Im Wald fanden wir Sauerklee. Abends tranken die Erwachsenen Most. Wein gab es nur bei feierlichen Anlдssen. Vater hatte zwar einen Likцr in seinem Zimmer, aber da er ja immer bereit sein muЯte, durfte er ihn nicht trinken. Bargeld war knapp und jede unnцtige Ausgabe wurde vermieden. Auch mit der Kleidung war es so. Gekauft wurde nichts Fertiges. Zu Pfingsten erhielten die Kinder neue Kleider. Dazu kam die Dorfschneiderin in’s Haus und manchmal noch die WeiЯnдherin, die die Bettwдsche flickte. Leider durften Mдdchen noch keine langen Hosen tragen, nur selbstgestrickte Strьmpfe, die schrecklich kratzten. Im Winter habe ich mдchtig gefroren und der schцnste Platz war in der Kьche - mit den FьЯen im warmen Backofen. Einen Mantel besaЯen wir auch erst spдter, eine dicke Wolljacke muЯte reichen. Viele Frauen aus dem Dorf gingen im Winter mit ihrem Umschlagtuch, hatten nicht mal einen „Kirchenmantel“. In einem groЯen gefьtterten Umhang trugen sie auch kleine Kinder.

      In Dresden besuchten wir spдter auch Museen und die berьhmte Gemдldegalerie, um uns zu bilden. Es war wirklich eine wunderschцne Stadt, ehe sie dann im Krieg zerbombt wurde. - Ja sonst wьЯte ich keine Reisen, schon gar nicht mit den Eltern zusammen. Aber Ausflьge in die nдhere Umgebung, Hanstein, Ludwigstein, Burg Plesse oder zur Kirschenzeit nach Witzenhausen vergesse ich nie. Spдter fuhren wir dann auch mit dem Fahrrad, z.B. zum MeiЯner, wo Trollblumen und Orchideen blьhten. Eingekehrt wurde jedoch nicht: Brot und Saft schleppten wir mit. Und wдhrend der Fahrt sangen wir die alten Volkslieder. Nicht nur bei Ausflьgen wurde viel gesungen, auch im Elternhaus. Vater konnte es zwar nicht, aber er weckte uns sonntags oft mit einem Spiel auf seinem Waldhorn. Mutter besaЯ spдter ein Harmonium, und zum Sonntag gehцrte eine kleine Andacht mit Gesang und Harmoniumbegleitung. Ein Geburtstag ohne „Lobe den Herren“ und ein Sommerabend ohne „Der Mond ist aufgegangen“ war nicht denkbar.

      Wer es miterlebt hat, weiЯ wie schцn das war. Leider war ich auch unmusikalisch und wohl zu faul, um Klavierspielen zu lernen. Heute bereue ich das. Mein Bruder hatte Geigenunterricht. Einen Raum, um sich mal zurьckziehen zu kцnnen, gab es nicht. Das war besonders unangenehm im Winter, da keiner der Schlafrдume zu heizen war. Es blieb also nur die Kьche, in der man auch Schularbeiten machte und die Stube mit dem groЯen Kachelofen. Das Holz kam zwar aus dem Gemeindewald, aber da nur einige Bauern eine „Gerechtsame“, d. h. einen Anteil besaЯen, hцrten wir uns um, wer etwas abgab. Dann kam aber gleich ein groЯer Wagen voll mit ganzen Stдmmen und Laubwerk auf den Hof. Hierzu bestellten wir eine Sдgemaschine, die von Hof zu Hof weitergereicht wurde. Schon von weitem hцrte man das Kreischen. Dann hackte ein alter Mann, Herr Trьmper, das Holz und die Frauen, Mutter und Frau Bach, [26] banden mit Draht die Spricken (Kleinholz) zu Bunden und zwar so groЯ, daЯ man sie mit einem Arm umfangen konnte. Im Hof wurde dann kunstvoll eine Holzfinne aufgebaut unter Mithilfe von uns Kindern, denn das Holz muЯte ja trocknen. Auf allen Hцfen standen solche riesigen Holzfinnen, zu frieren brauchte also wohl niemand.

      Das wurde Wilhelm Bachmann. Seine Frau Frieda half dann auch im Haushalt. Als dort die Kinder kamen, wurde Frau Bachmann, die Mutter, unsere Hilfe.

      De sдk’sche Lorelei

      Ich weeЯ nich, mir isses so gomisch

      Un дrchendwas macht mich verschtimmt.

      S’is meechlich, das is anadomisch,

      Wie das дhmd beim Mдnschen oft gimmt.

      De Дlwe, die blдddschert so friedlich,

      Д Fischgahn gommt aus dr Tschechei.

      Drin sitzt ‚ne Familche gemiedlich,

      Nu sinse schon an dr Bastei.

      Un ohm uffn Bдrche, nu gugge,

      Da gдmmt sich д Freilein ihrn Zobb.

      Se schtriecheltn glatt hibbsch mit Schbugge,

      Dann schtдcktsn als Gauz uffn Gobb.

      Dr Vader da unter im Gahne

      Glotzt nuff bei das Weib gans entzickt.

      De Mudder meent draurich:“Ich ahne,

      Die macht unsern Babbah verrickt.“

      Nu fдngt die da ohm uffn Fдlsen

      Zu sing ooch noch an д Gubbleh.

      Dr Vader im Gahn dud sich wдlsen

      Vor Lachen un jodelt: „Jucheh!“

      „Bis stille“, schreit дngstlich Ottilche.

      Schon gibbelt gans forchtbar dr Gahn,

      Un blдtzlich versinkt de Familche.

      Nee, Freilein, was hamse gedan!

      Vater starb - indem er fьnf Wochen vorher sagte: „In vier Wochen bin ich tot, ich mцchte aber zu Hause sterben.“ Er hatte Krebs. Vier Wochen aЯ er nichts und trank nur kaltes Wasser. Es sah alle Papiere durch, verkaufte das Haus und starb - zwei Wochen vor Peter Brьnkes Geburt.

      Nun habe ich schon sehr weit vorgegriffen. Wir waren damals sehr oft ohne Aufsicht und konnten uns austoben. - Am Sonntagnachmittag gehцrte die Mutter uns Kindern. Dann ging sie mit uns oft auf den Einzelberg. Meist schlossen sich noch Freunde und meine Freundin Grete an. Da haben wir wunderbare Stunden verlebt. Wir spielten ‚Verstecken’ und ‚Kriegen’ und kochten die tollsten Gerichte aus Gдnseblьmchen und Lцwenzahn oder spielten ‚Familie’. Einmal zog meine Schwester eine Puppe aus ihrem Kleiderausschnitt und rief „Hurra, ich habe ein Baby bekommen“ und meinte dann ergдnzend „da ist doch die Frau am dicksten, da kommt doch das Baby heraus“. Die Geschichte, daЯ der Storch die Kinder bringt, erzдhlten uns die Eltern nicht, aber die meisten anderen Kinder hatten keine Ahnung von Zeugung und Fortpflanzung, denn alles was unterhalb der Gьrtellinie vor sich ging, war tabu. Ich habe spдter ein schon 18-jдhriges Mдdchen kennengelernt, die keine Ahnung hatte, wie ein Mann aussah und wie man zu einem Kind kommt. Es wunderte mich, da man Zeugung und Geburt bei Tieren oft miterlebte.

      Dieser Einzelberg gehцrte einfach zu unserem Leben und dem des ganzen Dorfes. Er war Kinderspielplatz und Ziel des Sonntagsspazierganges. Alle Gдste muЯten hingehen und auch Feste feierte man dort - auch heute noch. Es gab dort eine Kirschplantage, und oft an meinem Geburtstag, dem 17.7., gingen wir hin, kauften Kirschen und ьbten Weitspucken mit den Kernen. Der Berg kцnnte ein Basaltkegel sein, also ein Vulkan aus frьheren Zeiten, so wie der „Hohe Hagen“, den wir von dort aus sehen konnten. AuЯerdem war der Einzelberg im Winter unser Rodelparadies. Es gab leichte und schwere Strecken. Ich habe immer unsere Kinder bedauert, die nicht so einen herrlichen Berg zum Schlittenfahren vor der Tьr hatten.

      Spaziergang durch das Jahr

      Nun will ich einmal einen Spaziergang durch das Jahr machen und von den besonderen Festen im Jahreslauf berichten. Es fing am ersten Januar morgens an und zwar mit den Kindern, die von Haus zu Haus zogen und sangen. Entweder ein Kirchenlied oder: „Wir wьnschen dem Herrn einen goldenen Tisch, an allen vier Ecken einen gebratenen Fisch und mitten darin ein Glдschen Wein. Das soll dem Herrn sein Abendbrot sein, zu diesem Neujahr“. Dann gab es noch ein plattdeutsches Lied: „Ek stoh up en kahlen Staane, mek frцst an meene Baane. Let mek nich so lange stan, ik mot nochn betchen weier gon. Rosenblatt, inne Statt, schцne Junkfa chif mek wat“. Sie bekamen dann Obst und Gebдck, spдter allerdings lieber Geld. Wir sind auch oft mitgezogen.

      Dann rьckte Palmsonntag und damit die Zeit der Konfirmationen nдher. Die Jungen hatten in dem Jahr vorher besondere Arbeiten zu verrichten. Sie muЯten mittags und abends die Glocken lдuten; sie traten in der Kirche die Blasebдlge der Orgel, und vor dem Osterfest zogen sie mit einem groЯen Handwagen durch das Dorf und sangen, nein sie schrien: „Well rut, well rut, fiev, sechs, Welln taun Poschfeuer her“. Sie sammelten also Holzwellen (Bunde) fьr das Osterfeuer. Natьrlich war in dieser Zeit auch der sonntдgliche Kirchenbesuch Pflicht. Auch wurden sie nun erwachsen - blieben auf dem Hof oder begannen mit einer Lehre. Kleinknecht wurde wohl niemand mehr. Die Mдdchen gingen in die Stadt (in einen Haushalt) oder in einen Gutshaushalt.Die Jungen bekamen die ersten langen Hosen und die Mдdchen zwei Kleider, ein Prьfungskleid und das schwarze Konfirmationskleid. Eben, weil sie dann von zu Hause wegkamen.

      Nun kam Ostern, das groЯe Reinemachen vorher und das Kuchenbacken. Mehrere Familien benutzten ein Backhaus; es wurde mit Kleinholz geheizt, das dann ausgefegt wurde. Nur sehr wenige hatten auf ihrem Hof einen eigenen kleinen Backofen aus Lehm. Es gab Butter-, Obst- und Schmandkuchen. Schmand ist das Fett, welches sich auf der Milch absetzt. Ein Schmandbrot mit Zucker bestreut schmeckte herrlich. - Morgens wurden unter groЯem Jubel die Ostereier gesucht, abends ging es zum Osterfeuer. Die Jungens hatten sich Pechfackeln gemacht, wir Mдdchen trugen bunte Laternen. Ьber dem fьr das Osterfeuer zusammengetragenen HolzstoЯ war eine Figur befestigt, die den Winter darstellen sollte - er wurde also verbrannt. Da das Osterfeuer auf einem hochgelegenen Platz abgebrannt wurde, konnte man weit in der Runde die anderen Feuer der Nachbardцrfer sehen. Das bleibt unvergeЯlich. Am 2. Ostertag gingen wir in den Wald und spielten noch einmal ‚Eier verstecken’. Man konnte die Eier zum Beispiel schцn in einen Ameisenhaufen legen, sie wurden dann recht fleckig durch die Sдure, ebenso ein Taschentuch, das dann herrlich roch. Diese Sitte stammt noch aus Mutters Elternhaus.

      Pfingsten wurden Birkenzweige vor die Hдuser gestellt. AuЯerdem ging Lehrer Lьdecke mit denen, die schon so frьh aufstehen mochten, auf den Bocksbьhl, den hцchsten Berg der Gegend, um die Sonne aufgehen zu sehen. Ich habe selbst gesehen, wie sich die Sonne in den Fenstern des Brockenhauses (Harz, ca. 50 km enfernt) spiegelte. AnschlieЯend hatten die Menschen wenig Zeit, denn es begann die Ernte.

      Nach der Ernte kam die Kirmes. Morgens holte die Musik die Prominenten mit ihren Fahnen ab. Der Zug ging zur Kirche und dann nach dem Gottesdienst weiter zum Ehrenfriedhof, auf dem fьr jeden Gefallenen des 1. Weltkrieges eine Linde gepflanzt worden war. Herr Lьdecke hielt dann eine Ansprache, sie endete mit dem Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“. - Nachmittags war Rummel. Er bestand aus einer SchieЯbude, einem Stand mit SьЯigkeiten, einem Tanzzelt und einem Karussell, welches von einem Pferd gezogen wurde. Dieses Pferd ging innen herum, wie bei einem Gцpel. Als mein Bruder 5 Jahre alt war, machte er mit Mutter seine erste Radfahrt nach Witzenhausen. Da sah er dieses Pferd auf der Weide und bald darauf auch die Kirmesbuden. Dafьr durfte er umsonst Karussell fahren. - Spдter kam dann ein Kettenkarussell dazu. Jedenfalls haben wir Kinder uns gefreut, da wir es nicht anders kannten. Am Tag danach, wenn die Besucher fort waren, begann das eigentliche Dorffest auf dem Turnplatz neben der 1000-jдhrigen Eiche. Es wurde Wettlaufen, Weitsprung, Sackhьpfen und Tauziehen veranstaltet: Tauziehen zwischen dem Ober- und dem Unterdorf, zwischen Heinrichs und Fritzens oder zwischen Winfrieds (unserem Vater) und den Eduards (dem Lehrer). Abends zog die Musikkapelle herum und spielte bestellte Lieder. Ein Stдndchen fьr die Liebste oder fьr einen Welfen: „Ich bin ein PreuЯe“ und umgekehrt.

      Alle zehn Jahre fand der Grenzumgang statt. Die Grenze des gesamten Dorfes wurde abgeschritten, zwischendurch gab es eine Stдrkung, und Kinder wurden auf einen Grenzstein gestellt und bekamen eine Ohrfeige (bekamen diesen denkwьrdigen Tag also hinter die Ohren geschrieben).

      Dann wurde es Advent, und der Nikolaus schlich um die Hдuser und horchte, ob die Kinder wohl artig waren. Bei den vielen Herbststьrmen konnten wir uns gut vorstellen, daЯ gute und bцse Geister herumirrten. Natьrlich gab es keinen Schwarm von Nikolдusen, wie heute vor jedem Kaufhaus. Eben nur den einen, den Richtigen. Manchmal sprach er sogar ‚platt’. Nachdem wir ein Gebet und einen Vers aufgesagt hatten, und er sich durchaus an unsere Missetaten erinnerte, schьttete er den Sack voll Дpfel und Nьssen auf dem FuЯboden aus. Auch die Rute wurde der Mutter ьbergeben.

      Weihnachten rьckte nдher, und wir waren selig, wenn wir einen Lamettafaden fanden. Das Fest selbst will ich hier ьbergehen, denn jedes Kind hat da seine eigenen Erinnerungen. Aber zu unserer Krippe mцchte ich etwas sagen. Sie stammte aus dem Erzgebirge, und mehrere Generationen der Vorvдter hatten die geschnitzten Figuren zusammengetragen. Die Hauptfiguren sind heute bei meiner Schwester Agnes in Chile. - Zum Aufbau benцtigte mein Vater mehrere Tage, der Bau zog sich oft ьber eine ganze Zimmerlдnge hin. Der Tannenbaum und mehrere Tannenspitzen wurden hineingearbeitet, und die Rinden der echten Korkeiche ergaben die Felsen. Die ‚drei Weisen’ mit Kamelen und Treibern waren vertreten, viele Hirten, Schafe und Engel waren da. Uns war die Krippe viel wichtiger als der Tannenbaum.

      Danach folgten die sogenannten „12 heiligen Nдchte“. Das ist die Zeit, in der die Erde ruht. Der Saft steigt erst wieder nach dem Dreikцnigstag in die Pflanzen. In dieser Zeit brausen die Stьrme und die heidnische Gottheit wird losgelassen. Es darf keine Wдsche gewaschen werden, „Freya“ streut Asche darьber. - In der Neujahrsnacht wird so viel Krach gemacht, damit die bцsen Geister vertrieben werden. Bei uns allerdings gab es keinen Krach, keine Bцllerschьsse. Nur die Glocken der Dцrfer rings herum lдuteten feierlich das neue Jahr ein. - Doch ich erinnere mich, daЯ junge Burschen durch das Dorf zogen und mit Peitschen knallten - und damit wдren wir dann wieder beim Neujahrssingen.

      Ich wurde nun allmдhlich 10 Jahre alt und muЯte zum Lyzeum nach Gцttingen. Da ich klein war und dьnn, suchten die Eltern Pensionseltern fьr mich und fanden sie in der Familie Nordbeck. [31] Herr Dr. Nordbeck war Landrat des Kreises Gцttingen. Sie hatten ein Mдdchen zum Miterziehen ihrer eigenen Tochter Dorothea gesucht. Ich hatte es sehr gut dort und durfte Vati, Mutti, Oma und Opa sagen. Die beiden Familien sahen sich sehr oft, und wir machten Ausflьge zusammen, feierten Feste, kurz, es war ideal. Die Aufnahmeprьfung fьr diese Schule dauerte eine Woche.

      Als ich vierzehn Jahre alt war, kam ich wieder nach Hause und wurde wie auch meine Geschwister ‚Fahrschьlerin’. Viertel nach sechs Uhr aufstehen, mit dem Fahrrad nach Friedland, dann ca. eine dreiviertel Stunde Bahnfahrt bis Gцttingen, in der wir noch fleiЯig lernten, abschrieben usw., dann noch gut 20 Minuten FuЯweg bis zur Schule. So um halb drei Uhr trudelten wir dann wieder zu Hause ein. Das Essen schmeckte nicht mehr, da die Eltern schon um zwцlf Uhr gegessen hatten und schon wieder in der Praxis waren.

      Wir waren nun jeden Tag in der Stadt. Bei unseren frьheren Besuchen beim GroЯvater Heilmann, der in der Wцhlerstrasse wohnte, imponierte uns als erstes das Wasserklo, dann ein Schaufensterbummel mit Mutter in der Vorweihnachtszeit und natьrlich alles, was uns Mutter aus ihrer Kindheit in Gцttingen erzдhlte.

      Dazu gehцrte das bunte Bild der Studenten. Jeder trug Mьtze und Band seiner Verbindung. Wenn sie bei Stiftungsfesten oder sonstigen festlichen Anlдssen in vollem Wichs durch die StraЯen marschierten, sah es toll aus. Ich habe so mit 16 Jahren noch die letzten Stiftungsfeste mitgetanzt bis die Verbindungen in dieser Form im Dritten Reich verboten wurden. Es gab schlagende und nicht schlagende Verbindungen, auch Landsmannschaften. Alle hatten ein eigenes Haus mit den jeweiligen Fahnen davor. Schlagende Verbindung heiЯt, daЯ bei einer Mensur sich zwei Studenten mit Sдbeln ‚schlugen’. Es war als Mutprobe gedacht. Und damit man das auch spдter noch erkennen konnte, wollte man einen „ SchmiЯ “ haben, eine Verwundung im Gesicht. Jeder Student war einem strengen Ehrenkodex unterworfen, wie bei den Offizieren. Aber Trinkfestigkeit war keine Schande, im Gegenteil, es wurde viel, oft zu viel getrunken (Salamander reiben). Es hatte durchaus seine Vorteile, in einer Verbindung zu sein. Da waren z.B. die „alten Herren“, die einem spдter beruflich von Nutzen sein konnten, und bei denen man sich jederzeit Rat und Hilfe holen konnte und ein kostenloses Mittagessen. Im ersten Semester war man „Fuchs“, spдter wurde man eventuell „Fuchsmajor“. Ich erinnere mich, wie stolz ich war, als bei einem Stiftungsfest in Maria Spring (Mariechenhьpf) meine beiden Onkels ( Wilhelm Luetkemann und Paul Heilmann ) als Fuchsmajore mit mir tanzten. Man fuhr nach Maria Spring oder nach Bremke mit einem „Kremser“, einem offenen, von Pferden gezogenen Wagen.

      Ьber das Thema „Studenten“ wдre noch viel zu erzдhlen, immerhin spielten sie schon in den Freiheitskriegen 1813 als Verbindungen eine Rolle und zwar auch, wie heute, oft als politische Gruppe; deshalb wurden sie wohl auch 1933 in dieser Form verboten. - Heute kann man niemanden als Studenten erkennen, alles sieht gleich aus in Jeans, Parka und mit wilden Bдrten. - Allerdings war der Bart immer ein Zeichen des freien Mannes, oft auch des fortschrittlichen, da ganz frьher nur die Sklaven geschoren wurden.

      Ich mцchte noch einige Zeilen ьber die „Mode“ einfьgen. Zur Zeit meiner GroЯeltern konnten sich nur die Wenigsten die „Mode“ leisten. Das Hochzeitskleid war schwarz und muЯte fьr alle spдteren feierlichen Anlдsse reichen. Die Stoffe waren schwer und gut und hielten lange. Die Damen ‚schnьrten’ sich, um eine enge Taille zu haben, d.h. sie wurden geschnьrt. Meine GroЯmutter hat mir von diesen Qualen erzдhlt. - Die Damen trugen groЯe Hьte, und es war vornehm, blaЯ zu sein. Das fьhrte so weit, daЯ die jungen Mдdchen blutarm waren und sehr leicht in Ohnmacht fielen. Nur die armen Mдdchen waren braun, weil sie auf den Feldern arbeiteten. - Mein GroЯvater erzдhlte, daЯ er als erwachsener Mann zum ersten Mal eine lange Unterhose trug. Bis dahin war nichts darunter. Wдhrend der Kriege und danach konnte man sich um Mode ohnehin nicht kьmmern. Es gab nicht einmal Stopfgarn. Als wir noch Kinder waren, hatten das Gummiband und der ReiЯverschluЯ noch nicht die Welt erobert. Wir trugen Leibchen mit Knцpfen, welche an die Hosen geknцpft wurden. Erst nach dem 2. Weltkrieg lernten wir den „New Look“ kennen: Weite lange Rцcke. Wir waren selig, als wir nach langen Jahren endlich etwas Neues kaufen konnten. Seitdem geht der Rocksaum ‚rauf und runter’. Die Mode wechselt laufend.

      Ich komme nun zum Jahre 1933, als Hitler an die Macht kam. Die Uniform war braun. Damals war ich 16 Jahre alt und ich erzдhle hier nur, wie ich und meine Altersgenossen diese Zeit erlebt haben. Nach dem 1. Weltkrieg war ja Deutschland ganz unten. Wir muЯten ungeheure Summen an die Siegermдchte zahlen, eine Firma nach der anderen krachte zusammen. Es gab ein Heer von Arbeitslosen. Ich meine mich zu erinnern, daЯ sich die Abgeordneten im Reichstag einmal mit Stuhlbeinen prьgelten, weil keiner einen Ausweg wuЯte. Und da kam jemand aus dem Volk und versprach, daЯ alles besser werden sollte. Man sah rote Fahnen mit dem Hakenkreuz, die wir nicht schцn fanden. Die Arbeitslosen, die nichts zu verlieren hatten, waren mit seine ersten Anhдnger. Und es wurde besser. Es gab wieder Arbeit und damit Hoffnung und Geld. Die Jugend lungerte nicht auf den StraЯen herum, sondern schaffte im Arbeitsdienst etwas Sinnvolles. Noch eine Sache mцchte ich zu bedenken geben, ehe man uns verurteilt. Das war der Kommunismus, der damals wie heute vor der Tьr steht und die Weltherrschaft anstrebt. Die bьrgerlichen Parteien wuЯten keinen Rat mehr, so blieben nur noch die ganz Linken oder die ganz Rechten, und so wдhlten viele von uns die Letzteren.

      Aber ich habe schon vorgegriffen. Das Jahr 1930 war fьr unsere Familie bedeutsam. Wir zogen um in „unser Haus“. Dieses Haus zu bauen, war nur mцglich unter groЯen Entbehrungen und Mithilfe von Verwandten. Es stand am FuЯe des Einzelberges. Geliebt von uns Kindern, dann den Enkeln, Verwandten und vielen, die darin Zuflucht und Wдrme fanden. Der Kachelofen im Wohnzimmer mit der Kachelbank hat so vieles gesehen - er steht nicht mehr. Der Garten, die Pflaumenbдume rund herum, das Bergeli, das Fahnengrab mit den sьЯ duftenden Madonnenlilien. Das ist heute alles Vergangenheit. Aber die Erinnerung ist ja das Paradies, aus dem man nie vertrieben werden kann. Wenn wir das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ singen oder hцren, stehen wir im Geist am Klavier und sehen durch die Verandatьr den Mond ьber dem Einzelberg stehen. So ist es eben mit Liedern oder auch Gerьchen, die untrennbar mit einer Situation von frьher verknьpft sind.

      Es wurde also unter groЯen Entbehrungen gebaut. So ein Landarzt wurde nie reich, ich kenne jedenfalls keinen. Die kleinen Bauern waren nicht in der Krankenkasse, es wurde bei ihnen eher ein Viehdoktor geholt als einer fьr die kranke Oma. Wer reich war, ging zum Spezialisten in die Stadt. Vater schrieb nur sehr ungern Rechnungen, weil er wuЯte, daЯ die Leute kein Geld hatten, und Mutter muЯte ihn oft sehr bitten, welche zu schreiben. Wenn in einer Familie ein Arzt nцtig war, wurde ein Kind zur „Цffentlichen“ geschickt - es war oft das einzige Telefon im Dorf - „Herr Doktor muЯ schnell kommen“. Was der Patient hatte, ob Temperatur, oder andere Symptome, wuЯte niemand. Die Praxis hatte einen Einzugsbereich von ca. 10 km im Umkreis. Da kam Vater oft mьde und mutlos heim, weil er ‚hetzen’ muЯte, nur weil ein Kind grьne Stachelbeeren gegessen hatte. Andererseits passierten auch viele Unfдlle in der Landwirtschaft.

      Nun will ich aber wieder von den Jahren 1933 und folgenden berichten. Ich war Mitglied des BDM (Bund deutscher Mдdchen), und mein Bruder gehцrte zum Jungvolk. Dort wurde er bald Fдhnleinfьhrer, weil er aus der „Bьndischen Jugend“ kam. [33] Seit 1910 bestand diese „Wandervogelbewegung“, in die Pfadfinder sowie parteipolitisch. und auch religiцs gefдrbte Jugendverbдnde gehцrten. Sie hatten sich zusammengefunden aus Protest gegen das „satte“ Bьrgertum. Sie waren idealistisch eingestellt, suchten die „blaue Blume“, lasen Walter Flex (Rein bleiben und reif werden). [34] Rauchen und trinken war verpцnt. Sie trieben viel Sport, wanderten, segelten und sangen die alten Fahrtenlieder. Diese Jungens wurden nun als geeignet angesehen in der neuen Bewegung die Jugend zu fьhren. Schon mit 14 Jahren hatte mein Bruder Ernst-Gerhart ein Motorrad. - Gern denkt er an die Zeit mit seinen „Pimpfen“ zurьck.

      Auch wir Mдdchen sangen die alten Fahrtenlieder, bastelten, turnten und wanderten. Es entstand dadurch eine schцne Dorfgemeinschaft. Es wurden in den Mдdchen viele Talente entdeckt, welche in ihnen schlummerten. Die Erwachsenen waren auch organisiert. PG (Parteigenosse) muЯte man als Beamter sein. Dann gab es den NS Fliegerkorps oder den NSKK (Kraftfahrerkorps), NSV (Volksfront). Letztere waren aber ausgesprochen harmlos. Die SA und die SS wurden militдrisch gedrillt. Die Menschen damals waren sauber, und man konnte ohne Angst vor Ьberfдllen sein. Keine Handtaschen wurden geklaut, keine Mдdchen wurden vergewaltigt.

      Ich beendetet dann die Schule mit der mittleren Reife und kam nach Malchow in Mecklenburg auf eine Landfrauenschule des Reifensteiner Verbandes. [35] Malchow ist der Ort, wohin meine GroЯmutter noch mit der Postkutsche reiste. Ich sah dort die Grдber der Vorvдter Engel. In dieser Schule lernte ich alles, was eine Landfrau wissen muЯ. Daran schlossen sich zwei Lehrjahre an. Eventuell wollte ich Lehrerin an so einer Schule werden. Im 1. Lehrjahr lernte ich Hans Stake kennen, der dort im Arbeitsdienst war.

      So kam das Jahr 1939 heran. Silvester verlobten wir uns. Ich ging dann zu Lingnaus (auch in einer Neubauernsiedlung). Lingnau war der frьhere Pfadfinderfьhrer von Hans mit seiner jungen Frau. Sie erwartete gerade ihr 2. Kind. Dort haben wir auf richtigen Strohsдcken geschlafen, die wir uns selber stopften. Auch dort war es schцn, daЯ Hans jeden Sonntag kam, allerdings mit einem FuЯmarsch von der Bahn her von ca. eineinhalb Stunden. Einen freien Sonntag gab es auch nicht. Zum Melken muЯte man wieder da sein. Dort bei Lingnaus erlebte ich ьbrigens die erste richtige Geburt mit. Zum Glьck wartete das Baby, bis die Hebamme kam. Bis dahin war mir ganz schцn mulmig. Durch die viele Arbeit (im Sommer standen wir morgens schon um 4 Uhr auf) merkten wir nicht, wie sich das groЯe Gewitter (der Krieg) zusammenbraute. Ein Radio im Haus war damals noch selten. Das erste Radio sah ich als 10-jдhrige bei einem Bastler. Durch Kopfhцrer hцrte man einige Tцne und staunte, daЯ diese aus der Luft aufgefangen werden konnten. Auch das Kino war noch eine Seltenheit. Ab und an gab es im Gasthaussaal eine Kinovorfьhrung - als Stummfilm. Ein mehr oder weniger gut gestimmtes Klavier lieferte die Gerдuschkulisse. Um die Zeitung zu lesen war man nach dem langen Arbeitstag meistens zu mьde.

      Mein lieber Hans und seine Kameraden strichen schon die Wochen ab, denn bald war der 2-jдhrige Wehrdienst vorьber. Wir machten schon Zukunftsplдne. Im August hatten sie eine groЯe Ьbung; und dann am 1. September 1939 marschierten sie gleich in Polen ein. Da hatten wir ihn, den Krieg. 5 Jahre bestimmte er nun unser Leben. Danach wurde es auch nicht besser, zuerst sogar noch viel schlimmer. Der Polenfeldzug wдhrte nicht lange. Mein lieber Vetter Leonhard Lьtkemann fiel gleich in den ersten Tagen. - Ich bekam dann ein Telegramm: „Papiere vorbereiten fьr Kriegstrauung“. Plцtzlich waren die Greifswalder Soldaten wieder da. Die Standesдmter waren ьberlaufen. Wir muЯten nach Zьssow zum Standesamt. Mit uns heiratete Ulla, die mit mir bei Cromes war und zwar einen Freund von Hans, der auch nicht aus dem Krieg zurьckkam. Cromes bereiteten uns beiden Paaren ein schцnes Hochzeitsfest. E1tern oder Verwandte konnten nicht dabei sein. Abends verzogen wir uns in das beste Hotel von Greifswald, feierten unsere Hochzeitsnacht, und schon am nдchsten Morgen rьckten die Truppen wieder ab. Ich ging zurьck auf’s Kartoffelfeld und machte da weiter, wo ich vor ein paar Tagen aufgehцrt hatte und heulte wie ein SchloЯhund.

      Fьr uns Frauen hieЯ es: warten auf Feldpost, hoffen auf einen Urlaub fьr den Mann und lernen, ohne Mдnner, auch arbeitsmдЯig, auszukommen. Richard Lingnau lehrte mich pflьgen. Im Winter 1939/1940 zog es mich wieder nach GroЯ Schneen. Nun waren mein Mann, mein Vater und mein Bruder im Feld. Am 18. Januar 1940 muЯte ich nach Dresden, um die GroЯmutter zu pflegen. Sie starb am 1. Februar. Es war ein harter Winter, und immer wieder froren die Wasserleitungen zu. - Schwester Agnes war damals im Arbeitsdienst eingesetzt, nachdem sie Notabitur (Puddingabitur) gemacht hatte. Mein Bruder war nach seinem Abitur sofort eingezogen worden.

      Agnes kam dann nach Hannover auf die Pдdagogische Hochschule. Mutter war im DRK tдtig, sie hatte ein groЯes Gebiet zu leiten, erst den halben Landkreis, spдter den ganzen Kreis. Da kam ihr meine Hilfe sehr gelegen.. Wir hielten DRK-Kurse in den einzelnen Dцrfern ab und machten viel Bahnhofsdienst in Gцttingen und teilten ihn auch ein. Zuerst wurden die Soldaten, die mit den Zьgen ankamen, mit Butterbroten gestдrkt, spдter gab es Erbsensuppe aus Erbsmehl und noch spдter nur noch warmen Ersatzkaffee. -

      Lotte mit den Kindern kam zu uns, weil sie Angst hatte, daЯ Cuxhaven sehr von Luftangriffen betroffen werden kцnnte. - Die Menschen in den grцЯeren Stдdten konnten kaum eine Nacht in ihren Betten schlafen, weil so oft Fliegeralarm war. Sie mussten dann jedesmal in ihren Keller oder in einen groЯen Luftschutzbunker gehen. Einige von diesen groЯen Bunkern stehen heute noch. Jedes Haus muЯte abends verdunkelt werden.

      Kein Lichtschimmer durfte durchscheinen. Ein ‚Blockwart’ hatte dafьr zu sorgen, daЯ diese Vorschrift genau eingehalten wurde. Die angreifenden Flugzeuge fanden aber trotzdem ihre Ziele. Seht Euch mal die Bilder zerbombter Stдdte an, es war grauenhaft. Stдdte, wie z.B. Hildesheim oder Dresden wurden innerhalb einer einzigen Nacht vцllig zerstцrt. Wir auf dem Dorf hatten es da besser, aber in den Keller muЯten wir auch oft, bis wieder ‚Entwarnung’ gegeben wurde. StraЯenbeleuchtung war natьrlich nicht mцglich, und die Schummerstunde dehnten wir recht lange aus. Die Zahl der Menschen, die allein durch Fliegerangriffe um’s Leben gekommen sind, ist ungeheuer groЯ.

      Im Juni, als ich im 7. Monat schwanger war, fragte Hans an, ob ich ihn besuchen kцnnte. Er lag in Unter-Retzbach (zwischen Wien und Prag). [38] Es war eine abenteuerliche Reise dahin. Eine solche Reise wьrde ich keiner Frau in diesem Zustand heute empfehlen. Es war jedoch eine schцne Zeit dort, ca. 14 Tage, bis am 21. Juni nach einer Sonnenwendfeier der Beginn des Krieges gegen RuЯland wie eine Bombe einschlug. - Es folgte der sofortige Aufbruch. Dann kamen Briefe von der Wolga, dem Don, dem schwarzen Meer und aus Stalingrad, von dort allerdings nur kurze Karten - und dann nichts mehr. Ein kurzer Urlaub war uns noch vergцnnt im Juli 1942, als Heila also schon 11 Monate alt war, fast 1 Jahr. [39]

      Die Front rьckte nдher, wir hцrten schon den Kanonendonner von Warschau, da hab’ ich mich dann verdrьckt. Agnes allerdings muЯte ausharren, erst als deutsche Soldaten in voller Flucht an ihr vorbeiliefen, organisierte sie noch den Rьckzug des Dorfes - als dann aber eine Bombe dazwischen fiel, sah sie zu, daЯ sie selbst mit heiler Haut davon kam. Irgendwie und irgendwann landete sie dann in den letzten Kriegstagen in GroЯ Schneen.

      1944/1945 war ein sehr harter Winter. - Viele Ladeninhaber hatten ihre Geschдfte in wilder Flucht verlassen, und wer gerade vorbeikam, bediente sich. „Komm mit, Du frierst“, hieЯ die Parole. So kam Agnes mit etlichen Mдnnerhosen ьbereinandergezogen hier an. Handgepдck war Ballast. - Unser Haus war voll, ьbervoll. Flьchtlinge aus Schlesien, Ausgebombte aus Hannover, Berlin usw. - drei Menschen in einem Raum, wohnen, schlafen und essen, das war normal. Und die Bomben fielen immer noch. Wir sahen die „Weihnachtsbдume“ ьber Kassel, hцrten die brummenden Flugzeuggeschwader fast jede Nacht und auch am Tage und zu uns kamen die Tiefflieger, die Menschen auf dem Feld oder die gerade aus dem Zug stiegen, beschossen. Tack, tack, tack, die Geschosse hьpften nur so auf der StraЯe vor unserem Haus.

      8.4.1945. [40] Und dann kam das Ende des Krieges. In unserer Garage hatten wir Stroh ausgelegt, auf dem ca. zehn Verwundete lagen. - Ein ‚Blindgдnger’ landete genau vor dem Garagentor; Vater nahm das Ding in die Hand und brachte es auf ein Feld. Das war Mut. Ich stand gerade an, um Brot zu ergattern, als eine Kompanie „Feinde“ einmarschierte, vorweg riesige Neger. Es war grдЯlich, wir hatten noch nie welche gesehen.

      Unsere Nachbarin, Frau Rawald, bekam gerade in diesen Tagen ihr Kind, den Gerd, der jetzt dort Schlachtermeister ist. Sie hockte mit dem Baby auf einer engen Kellertreppe und bekam prompt Kindbettfieber. Vater konnte sie zum Glьck retten.

      Ich schrieb vom Anstehen, um z.B. Brot zu bekommen. In den letzten Kriegstagen gab es kaum das, was einem auf „Marken“ zustand. Fьr Geld war ohnehin nichts zu haben. Ich erinnere mich, daЯ ich morgens jedem seine zwei Scheiben Brot abwog - mehr gab es nicht. Wie ich trotzdem immer alle satt bekam, ist mir heute noch ein Rдtsel. Ich arbeitete auf dem Feld fьr 24 Pfennig die Stunde. Hatte ich einen halben Tag gearbeitet, konnte ich mir einen halben Liter echte Milch abholen, bei einem ganzen Tag Arbeit entsprechend: einen ganzen Liter. Eine groЯe Viehzucht hatte ich aufgebaut: ca. 20 Kaninchen, 10 Hьhner, 4 Gдnse und 2 mal auch ein Schwein. Da ich nun Landarbeiterin war, hatte ich 1/8 Morgen Kartoffelland, und wenn man zwei Morgen Zuckerrьben bearbeitete, bekam man Zucker. Davon konnten wir dann Sirup kochen. Vor diesen zwei Morgen Zuckerrьben stand ich ganz allein, niemand und keine Maschine half. Dreimal muЯte ich hacken und die Rьben verziehen - auf Knien. Im Herbst dann die Ernte, zu der man eine kurzstielige Gabel hatte, mit der man jede einzelne Rьbe herauswuchtete. In einem Jahr war wenig Regen gefallen, da war der Lehmboden hart wie Stein. Damit ich das Blatt dann abhacken konnte, legte ich jede Rьbe gut in die Reihe. Danach warf ich sie zu Haufen zusammen, die oft erst abgeholt wurden, wenn sie voller Frost waren. Die Rьben mit den langen Schwдnzen besaЯen den meisten Zuckergehalt. Diese tat ich dann heimlich auf einen Extrahaufen und spдt abends „klauten“ wir ihn dann per Auto.

      In diesem Zusammenhang muЯ ich nun auch vom Sirupkochen erzдhlen. Zuerst reinigte ich die Rьben mit einer Bьrste. Dann wurde geschnitzelt. Eine Schnitzelmaschine hatte jeder Bauer. In unserem groЯen Waschkessel kochte ich die Schnitzel dann recht weich mit mцglichst wenig Wasser. Dann liehen wir uns eine Rьbenpresse, welche damals sehr begehrt war. Der Saft, der nun herauslief, wurde eingekocht - wieder in dem grossen Waschkessel. Ich muЯte so feuern, daЯ es zwar hoch, aber nicht ьberkochte. Dieses dauerte ca. einen ganzen Tag und eine Nacht. Gegen Morgen war es dann so weit. Es war Sirup geworden. Heute kann man ihn in jedem Lebensmittelgeschдft kaufen.

      Vater lieЯ sich in Korn bezahlen, welches wir abends durch die Kaffeemьhle drehten und dann einweichten. Morgens mit Salzwasser gekocht und Sirup darьber war es ein nahrhaftes Frьhstьck. Obst und Gemьse lieferte unser Garten. Zusammen mit Lotte Bove grub ich den Rasen hinter dem Haus um, damit wir mehr Gartenland zur Verfьgung hatten. - Auch die vielen Flьchtlinge halfen auf den Feldern mit und freuten sich, wenn sie etwas Gartenland zugeteilt bekamen. Die Schlesier waren schon lдnger da, auch OstpreuЯen, nun kamen auch Flьchtlinge aus Thьringen, Pommern und Sachsen, welche gerade noch fliehen konnten, ehe der Russe die Grenze abriegelte. Handwagen an Handwagen zogen wochenlang ьber die Grenze - wir wohnten ja nicht weit ab.

      Mit Hilfe der britischen Besatzung entstand damals das Lager Friedland. [41] Auch wurde nun das DRK wieder gerufen, um dort zu helfen. Und da gab es viel, viel Arbeit und heute ist es auch noch nicht anders. - Allmдhlich kamen nun die Sцhne und Mдnner aus der Gefangenschaft zurьck. Die Wenigsten konnten in ihrem Beruf dort weitermachen, wo sie vor dem Krieg aufgehцrt hatten. Vor allem vielen jungen Leuten haben wir einen Unterschlupf und Essen geben kцnnen. Junge Дrzte freuten sich, wenn sie ohne Gehalt eine Stelle als Assistenzarzt bei Vater annehmen konnten; Dieter Bцhme, Freund meines Bruders, war der erste in dieser Reihe. Er zog auch mit in den Wald, um Holz zu sammeln. Ja, man durfte Holz sammeln aber nur mit Handwagen, o h n e Sдge und Axt. Der Wald war damals immer so sauber, als hдtte dort jemand ausgefegt. Ein abgestorbenes Bдumchen war nirgends zu finden, man muЯte schon sehr nachhelfen. Ja, der warme Ofen im Winter! Ein Brikett war eine Kostbarkeit! Man brachte es zu Versammlungen oder Geburtstagen mit. Zum warmen Ofen gehцrte auch warme Kleidung. Es gab sie nicht einfach so zu kaufen.

      Schon wдhrend des Krieges begannen wir zu „spinnen“. Ein Sprichwort sagt „Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinnen am Abend, erquickend und labend“. Damit ist natьrlich die Tдtigkeit als solche gemeint (und nicht etwa die Spinnen als Tiere). Wer sich schon morgens an’s Spinnrad setzte, tat es fьr Geld. Tat er es abends, so fьr sich selbst. Das Surren des Spinnrades war viele Jahre lang meine Abendmusik, aber eine schцne. Stellte man sich mit dem Schдfer gut, so gab er Rohwolle ab. Die wusch man, um sehr viel Dreck und Lдuse zu entfernen. Ein Wollkдmmer kдmmte sie zu wunderschцnen Bдllen. Mein Spinnrad und eine Haspel dazu hatte ich mir ‚gebraucht’ kaufen kцnnen (Jetzt hat es Agnes in Chile). Je dьnner der Faden, desto mehr Fдden (2-3) konnte man zusammendrillen. Ich bьndelte sie zwischen Hand und Ellenbogen und fдrbte sie mit Naturfarben. Jedenfalls in einem Winter schaffte ich eine Jacke. - Nebenbei hatte ich noch Angorakaninchen, welche ich schor, und deren Wolle ich dann verspann. Ihr seht, Zeit ist ein relativer Begriff. Die einfachsten Bedьrfnisse, Wдrme, Kleidung, Essen, beanspruchten alle Krдfte. Weder eine Diskussion noch ein „sich selbst finden“ hдtte einem genьtzt. Wir muЯten „ran“ und waren abends so mьde, daЯ wir ohne Schwierigkeiten einschliefen. Selbst, daЯ man den eigenen Mann nicht daheim hatte, irgendwie haben wir auch das geschafft. Die Mдnner, die zurьckkehrten, hatten die Hцlle erlebt und muЯten erstmal zu sich selbst finden. So manche Ehe scheiterte. Bisher hatten die Frauen alles gemeistert und nun wollte der Mann „Herr im Haus“ spielen. - Natьrlich war ich neidisch auf die, welche nun ihr Nest bauen konnten. Es tat weh, allein zu sein, aber ich hatte wenigstens mein Kind.

      Noch einmal muЯ ich vom Lager Friedland erzдhlen. Am 20. September 1945 wurde es erцffnet. Es bestand aus 19 Nissenhьtten, die einfach so auf die Wiese gestellt wurden. Bereits im Winter 45/46 gingen schon tдglich 5000 bis 7000 Menschen hindurch. Die ersten Kriegsgefangenen aus RuЯland trafen ein am 13. August 1946. [42] - Die Grenze dort geht mitten durch das Gut Besenhausen. Von dort wurden sie mit britischen Bussen abgeholt, nachdem sie sich zuvor noch mit Kakao der Heilsarmee gestдrkt hatten. Die Heilsarmee hat dort damals viel Gutes getan. Mit der Leiterin, Major Mitchell, [43] war Mutter befreundet, und sie arbeiteten sehr eng und gut zusammen. Bei dem Lied „Nun danket alle Gott“ welches gleich hinter der Grenze gesungen wurde, blieb wohl kein Auge trocken. Ich beobachtete einmal einen Trupp Soldaten, welcher aus amerikanischer Gefangenschaft kam und in die DDR [SBZ] wollte und kurz danach einen Trupp, welcher aus russischer Gefangenschaft kam. Die ersteren waren einigermaЯen gekleidet und gesund, die anderen mit dicken Hungerbдuchen, mit Lappen an den FьЯen und Lumpen als Kleidung.

      Am Lagertor drдngten sich tдglich Frauen und Mьtter mit Bildern ihrer vermiЯten Angehцrigen und fragten „wer kennt ihn?“. Auch ich hatte an meiner Schwesternschьrze ein Bild von Hans angesteckt und lieЯ auch ьber Lautsprecher ausrufen, ob ihn wohl jemand kennt. Es meldeten sich auch manchmal welche, aber wenn ich sie dann mit nach Haus nahm, ihnen gut zu essen gegeben hatte und Vater sie ausfragte, blieb meistens nur die Hoffnung, daЯ er vielleicht eines Tages auch vor der Tьr stehen wьrde. - Aber die Jahre vergingen - und das Wunder geschah nicht.

      Heila kam in die Schule, fuhr anschlieЯend an den UnterrichtsschluЯ mit dem Fahrrad zu mir in’s Lager, wo ich arbeitete. In irgendeiner Ecke machte sie dort dann auch ihre Schularbeiten. Sie half dann beim Geschirrausgeben oder дhnliches, was ihr groЯen SpaЯ machte. Ich hдtte in Friedland als Angestellte bleiben kцnnen, aber ich wollte nicht den ganzen Tag von zu Haus und Heila fort sein. Ьberhaupt hatte ich es ja gut, daЯ ich das schьtzende Elternhaus hatte. Heila hatte eine Heimat, ihren Hund Peter, Bachmanns zum Spielen und das Haus voller Menschen, wie z.B. Onkel Konrad Weymann und Tante Marie, geb. von Winzingerode. [44]

      Wie oft steht im Gдstebuch „Auf der Heimkehr aus der Gefangenschaft fand ein heimatloser die erste gastliche Aufnahme“

      Als Grenzgдnger kamen Frau von Buchka, Friedrich Ernst, Prinz von Sachsen-Altenburg, Mдus und Hummi Seidler mit Mutter, welche ihren FuЯ auf der Flucht gebrochen hatte, Hans-Georg Volkhardt, ein geistreicher Student, der sich so durch’s Studium hungerte, die beiden Rosenbachtцchter (Uschi mit dem Silberblick, in die sich alle verliebten) usw. [46]

      Agnes war Lehrerin in GroЯ Schneen. Ernst-Gerhart hatte seine Familie gegrьndet und lebte in Obernjesa. Sogar Heinz Bove steht des цfteren im Gдstebuch, weil ja Lotte, wie schon erwдhnt, viel hier bei uns war. Lilo Voigt jetzt in Eisenberg) war bei uns mit ihrem Wilhelm mit seinem PW auf dem Rьcken (Prisoner of war/ Kriegsgefangener). [47] Wir waren eine durchaus lustige Gesellschaft.

      Es war die Zeit des „Suchens“. Viele suchten ihre Angehцrigen, andere nach einem Ort, wo sie bleiben konnten. Es war auch die Zeit des Schwarzmarktes. Alle Zьge waren ьberfьllt. Ich erinnere mich, daЯ ich einmal nach Hildesheim wollte. Jemand hob mich durch ein Fenster in das Abteil; da stand ich nun eingekeilt, ein Bein auf dem FuЯboden, doch das zweite Bein konnte ich bis Hildesheim nicht an die Erde kriegen. Es stank nach Fisch, Salzheringe waren eine sehr begehrte Ware. Ich weiЯ von einem, der an der Grenze damit geschnappt wurde und in’s Gefдngnis kam und so lange dort bleiben muЯte, bis er die Salzheringe alle aufgegessen hatte. Ohne Wasser natьrlich.

      Die Grenze zur DDR bestand noch nicht aus einer Mauer, deshalb versuchten viele, noch einige Sachen zu retten. Das waren dann die Grenzgдnger. Die Lilo Voigt z.B. brachte auf ihrem Rьcken alle Teile ihrer Nдhmaschine herьber. Das war nicht ungefдhrlich. Manche Mдnner in den Grenzdцrfern fanden ein eintrдgliches Geschдft, indem sie diesen Menschen hin- bzw. herьberhalfen. Wer Gold oder Silber besaЯ, hatte es vor dem Einzug der Russen im Garten vergraben. J e d e r vergrub in den letzten Kriegstagen, was er an Kostbarkeiten hatte. Ein ungeheures Lebensgefьhl war in allen Menschen, die ‚noch einmal davongekommen waren’. Man feierte bei selbstgebrautem Rьbenschnaps und Kuchen aus Ersatzkaffee und Schlagsahne (1 Tasse Zucker, 1 Tasse Saft, 1 EiweiЯ) - Autos fuhren mit Holzgas. Das Holz wurde mitgenommen und unterwegs verkohlt. Zu Geselligkeiten oder zu Versammlungen nahm man, wie schon erwдhnt, ein Brikett mit.

      Mit dem Jahr 1948 kam dann die Wдhrungsreform. Die meisten Menschen hatten - sofern mцglich - Geld auf die hohe Kante gelegt, um nach dem Krieg etwas fьr den Neuanfang bzw. fьr’s Ьberleben zu haben. Vom Wehrsold meines Mannes hatte ich keinen Pfennig angerьhrt. Es waren 10.000 Mark, die nun plцtzlich durch diese Wдhrungsreform futsch waren. Fьr unsere Eltern war es das zweite Mal, das alles Geld von heut’ auf Morgen nichts mehr wert war. Jeder Mensch bekam als Handgeld DM 40,- [48] der neuen Wдhrung. - Plцtzlich waren die Lдden wieder voll und das Leben wurde auch langsam wieder normal.

      1950 machte ich mit Thredes (dem GroЯ Schneener Pastor) zusammen die erste Reise an den Bodensee. Der Zug war sehr lange unterwegs. Es gab nur Holzsitze. Vor dem Krieg gab es KdF (Kraft durch Freude-Reisen). [49] Das war die erste Mцglichkeit ьberhaupt fьr einfache Leute, sich mal eine Reise zu gцnnen. Es war der bescheidene Anfang des heutigen Tourismus. Bescheiden war denn allerdings auch unsere Fahrt an den Bodensee. Mittags kauften wir uns zwei trockene Brцtchen und lasen uns Obst auf in den riesigen Obstplantagen dieses gesegneten Landes. Wie berauscht gingen wir durch Meersburg und Konstanz.

      1951 drдngte es mich, mal wieder beruflich tдtig zu sein. Heila kam zur Familie des Lehrers Bolle in Obernjesa (DM 100,- im Monat). Diese 100 Mark verdiente ich auf SchloЯ Wolfsbrunnen bei Eschwege. Es war ein Erholungsheim fьr junge Bergleute, ca, 50-100 junge Menschen hatte ich dort zu bekochen und zu versorgen.

      Es hat mir viel Freude gemacht.Ja und dann kam der Anruf, daЯ Lotte Bove am 18. August 1951 nach kurzer Krankheit gestorben war. Sie waren alle in den Sommerferien mit den Kindern auf ihren Rдdern noch hier vorbeigekommen. Heinz saЯ nun da mit den drei Sцhnen. Am 1. September. fuhr ich dann nach Cuxhaven, um dort auszuhelfen. -Am 1. September 1982 werden es 31 Jahre, die ich nun in Cuxhaven mit Euch allen lebe. So, wie heute sah es dort allerdings damals noch nicht aus. Unten im Haus wohnten noch die GroЯeltern, Willi und Jula Brachmann, denen mit Lotte ihr drittes und letztes Kind gestorben war.

      Oben schliefen die drei Jungens in einem Zimmer. [50] Geheizt wurde mit Torf, den Euer Vater (GroЯvater), Heinz, mьhselig selbst gestochen hatte. Aber nur sonntags konnte die Stube geheizt werden. Sonst spielte sich alles in der Kьche ab: Schularbeiten aller vier Kinder, kochen und nachts hдngte ich dort auch die Wдsche auf, die nicht trocknen wollte. Eine Waschmaschine - halbautomatisch - bekam ich zu meinem 40. Geburtstag. Der Garten war damals noch wesentlich grцЯer und lдnger als er heute ist. Viele Obstbдume standen darin. Jedenfalls konntet ihr alle wunderschцn mit den vielen Nachbarskindern darin spielen. Es gab da so einige Probleme mit und durch die GroЯeltern, aber das muЯten wir in Kauf nehmen, denn hier konntet ihr Euch austoben, was in einer engen Stadtwohnung nicht mцglich gewesen wдre. Ich habe es jedoch nie bereut, daЯ ich hier Wurzeln schlug, um Euch, so gut wie ich konnte, die Mutter zu ersetzen.

      unser Haus in Cuxhaven

      Ergдnzende Angaben von meinem Bruder Ernst-Gerhart Brachmann

      vom Tonband ьbertragen von Hans-Heinrich Bove

      Ich mцchte Deine Ausfьhrungen ‚Ein Spaziergang durch das Jahr’ noch etwas ergдnzen. Vielleicht ist es ganz gut, wenn ich die Neujahrslieder - gesungen - auf dem Tonband auch festhalte, damit man auch hцrt, wie’s gesungen wurde (das geht hier auf dem Papier ja nun leider nicht, deswegen sei hier nur nochmal der Text wiedergegeben): „Wir wьnschen dem Herrn einen goldenen Tisch, an allen vier Ecken einen gebratenen Fisch und mitten darein ein Glдschen Wein, das soll dem Herrn sein Abendbrot sein zu diesem Neujahr zu diesem Neujahr“ / und plattdeutsch: „Ick sto uppn golden Staane mick frцst an miene Baane, loot mick nich so lange stoon, ick mutt noch’n beeten wдja chon. Rosenblatt in de Statt, schцne Jungfa chiff mich watt“.

      Jetzt die Sache mit den besonderen Verrichtungen. Das Jahr vor der Konfirmation [51] muЯte man die Bдlge treten. Die groЯen Trittbalken befanden sich hinter der Orgel und man muЯte ganz darauf stehen und den Balg ‚runtertreten’, damit Luft in den Orgelkцrper kam. Das sind ganz groЯe Lederbдlge gewesen. Man hielt sich an einer Stange fest und stieg ein um das andere Mal auf die beiden Bдlge oder Balken von den Bдlgen. Aber das war eben nur das Jahr vor der Konfirmation, denn wдhrend des Konfirmationsjahres muЯte man ja am Gottesdienst teilnehmen. Allerdings muЯte vorher gelдutet werden. Das war ganz besonders schwierig. Unser Jahrgang: wir waren nur drei Jungens und drei Mдdchen, und diese drei Jungens nun muЯten das Lдuten erledigen. Ich ging schon in Gцttingen zur Schule und stand sowieso nicht immer zur Verfьgung. Aber sonntags muЯte ich ja da sein. Es waren zwei groЯe Glocken zu lдuten vor dem Gottesdienst. Eine ganz groЯe und eine kleinere. Die kleinere war nicht so schwierig, aber bei der groЯen muЯten wir uns zu zweit oder zu dritt an das Glockenseil hдngen, um die Glocke ьberhaupt in Schwung zu bringen. Eine besondere Schwierigkeit war das sogenannte Betglockenschlagen. Das ging so, daЯ ein Zwischenschlag erzeugt werden muЯte, also so: bum bum bum - bum - bum. Und das dreimal hintereinander. Das ging nur so, daЯ man sich ganz fest in das Glockenseil einhing, sich mit unter den Glockenboden hochziehen lieЯ - dadurch konnte die Glocke nicht voll ausschwingen - sondern der Klцppel muЯte noch einmal auf den Rand fallen. Dann muЯte man aber sofort abspringen vom Seil und loslassen, damit nicht noch ein weiterer Anschlag kam.

      Es wurde sehr kritisch von den Dorfbewohnern beurteilt, ob die diesjдhrigen Konfirmanden in der Lage waren, ‚de Bдtchlocke richtig to sloan’. Das muЯte dann auch gemacht werden am Karfreitag und an anderen groЯen Feiertagen, wenn in der Kirche unten das Glaubensbekenntnis verlesen wurde, dann gingen die Konfirmanden ‚raus’ - hoch in den Glockenturm und muЯten wдhrend der Verlesung die Betglocke schlagen. Manchmal kamen groЯe Jungens ‚rauf, die an sich keine Konfirmanden mehr waren, die schon vor drei oder vier Jahren konfirmiert worden waren. Das haben wir sehr gefьrchtet, denn sie lieЯen uns dann auf dem Glockenseil reiten, eine sicher nicht ganz ungefдhrliche Sache: sie zogen einem das Glockenseil zwischen den Beinen durch - man muЯte sich wohl oder ьbel ja am Seil festhalten. Sie machten das wдhrend des Lдutens und so kriegte man dann einen fьrchterlichen RiЯ zwischen die Beine, wenn das Glockenseil hochzog. Das war so eine von den Viechereien, die es auch gab. Jetzt vielleicht nochmal vertont das Durchziehen des Dorfes mit einem groЯen Wagen, das war meistens ein Leiterwagen, nicht so groЯ wie ein Pferdewagen, es war so ein Mittelding; es wurde ein langes Seil gemacht, zwischendurch wurden Griffhцlzer eingezogen, so daЯ ungefдhr 20 Jungens je zwei nebeneinander den Wagen zogen. Gesungen wurde folgendes: Welln rut, welln rut, fiv, sechs Welln ton Poschfeure her.

      Eine besondere Kunst war das Fackeln machen. Man muЯte sich einen Fichtenknьppel aussuchen, von etwa 2-3 m Lдnge, je nach GrцЯe - man streckte die Hand ganz weit nach oben, und so lang wurde dann die Fackel. Oben wurde sie gespalten, unten wurde ein Griff geschnitzt damit sie auch handlich war - aber nach oben hin immer weiter gespalten - nach ganz oben hin ganz fein gespalten - das ist eine ganz besondere Kunst. Dann wurden zwischen diese gespaltenen Holzteile, die ja aber zusammenbleiben muЯten und nicht absplittern durften kleine Keile geklemmt, so daЯ Luft daran konnte. Und so wurde die Fackel etwa 8-14 Tage vor Ostern gemacht.

      Dann in den letzten Tagen vor Ostern kam das groЯe Kuchenbacken der Frauen, in den Backhдusern, den groЯen Backцfen, die aus Lehm gemauert waren. Wenn der Kuchen fertig war, der Ofen aber noch warm war, wurden die Fackeln dort eingeschoben, damit das Holz richtig austrocknete. Vor dem Osterfeuer wurde es dann noch ein biЯchen mit Werg umwickelt, oder man steckte etwas Holzwolle dazwischen, damit das Anbrennen leichter ging. Das Entzьnden erfolgte am Osterfeuer, was schon brennen muЯte. Dann muЯte man die Fackel in groЯem Kreis stдndig ьber dem Kopf schwingen, und sie durfte auch nicht ausgehen.

      Zum Osterfeuer selbst ist noch zu sagen, daЯ wir es teilweise bewachen muЯten. Das taten meistens die schon etwas grцЯeren Jungen, die so um die 18/20 Jahre alt waren. Aber wenn zwischen zwei benachbarten Dцrfern Fehden bestanden und das geschah beispielsweise, wenn jemand einem Mдdchen aus dem anderen Dorf schцne Augen machte, die anderen Jungen aus dem Dorf aber nicht wollten, daЯ dieses Mдdchen aus dem Dorf herausgeholt wurde, dann rдchten sie sich zum Teil damit, daЯ das Osterfeuer vorzeitig angesteckt wurde. Das war natьrlich eine ganz groЯe Blamage, wenn in einem Dorf zu Ostern kein Osterfeuer da war, weil es schon vorher abgebrannt war.

      Zur Kirmes ist noch zu sagen, daЯ sie die Konfirmierten noch im gleichen Jahr hoffдhig, d. h. tanzfдhig machte. Wer konfirmiert warldurfte tanzen. Natьrlich konnte das kein Mensch. Die Mдdchen eher, aber die Jungens nicht. Man muЯte dann sehen, ob irgend ein nettes, дlteres Mдdchen, meistens so drei-fьnf Jahre дlter, einen unter die Fittiche nahm und mьhsam das Tanzen beibrachte. Erst kam der Marsch, dann die Polka, der Rheinlдnder und dann als Krцnung der Walzer. Halt, nicht zu vergessen, der Schieber, der kam als allererstes.

      Nun mцchte ich noch etwas von der Ernte erzдhlen, die Du ja ьbergehst, Heilwig. Die kleinen Leute, das waren Deputatarbeiter, die als Deputat ein oder zwei Morgen Land meistens hatten, damit sie Getreide hatten fьr ihr Brot und um 1 Schwein zu fьttern ein Jahr lang. Diese kleinen Leute also muЯten immer mit der Sense selbst mдhen. Der Mann mдhte, die Frau nahm ab, d. h. sie muЯte das gemдhte Getreide abnehmen und bьndeln. Die Kinder hatten vorher Seile gedreht, was wir auch alle gelernt haben, und muЯten die Seile passend hinlegen, damit die Frauen dann ein Bund, was sie aufgerafft hatten, dort ablegen und zubinden konnten. Spдter muЯte man dann auch zubinden. Das erforderte einige Kraft, man muЯte den richtigen Knoten kennen und anschlieЯend wurden die Hucken, also Haufen Getreide, aufgestellt.

      Oft muЯte man wieder raus aufs Feld, weil ein Gewitter dazwischen kam, oder Stьrme die Haufen umgeschmissen hatten, oder weil sie nicht hielten, wenn man sie selbst schlecht aufgestellt hatte. Das war natьrlich eine groЯe Schande.

      Die kleinen Bauern hatten meist kleine Mдhmaschinen, die so gestaltet waren, wie heute noch die Grasmдher sind, also ein hin- und herlaufendes Mдhmesser. Das Getreide fiel also einfach im Sahwad runter, wurde von den Frauen mit der Sichel aufgenommen, gebьndelt und wie vorher beschrieben weiterbehandelt. Die grцЯeren Bauern hatten Pferdegespanne (die Kleinbauern hatten hдufig Kuhgespanne oder ein Pferd und eine Kuh, wenn sie etwas fortschrittlicher waren); die grцЯeren Bauern also hatten Pferdegespanne, und wenn sie sehr modern waren, und das waren sie meistens in den 20er Jahren schon, dann hatten sie eine Flьgelmaschine, das waren groЯe Holzrechen, die sich im Takt drehten und von einer Getreideauffangflдche bundweise ablegten, so daЯ also die Frauen bloЯ noch binden muЯten, was da schon in Bunden abgelegt war. Wer noch fortschrittlicher war, ich glaube, das war so ca. 1928, hatte einen sogenannten Selbstbinder. Eine Garnrolle wurde mit in die Maschine eingelegt und in bestimmten Portionen wurde dann das Getreide automatisch mit gebunden und sie fielen dann also als Bunde herunter. Wunderbar war immer das Vespern auf dem Felde, wenn man mitgeholfen hatte, man setzte sich in den Schatten einer Hocke auf ein Getreidebьndel, und es gab Kaffee oder Saft, oder man holte Wasser aus einer nahen Quelle, sofern eine in der Nдhe war. Es gab wunderbare Kopfwurst oder Blasenwurst, die wurde dann angeschnitten, Gurken dazu und selbstgebackenes Roggenbrot. Das schmeckte, wie es das einfach nirgends anders gab.

      Ich machte diese Arbeiten am liebsten bei den kleinen Leuten, oder bei den Kleinbauern mit, denn die brauchten wirklich Hilfe. Bei den groЯen Bauern war es gut, wenn man sich zur Zeit des Einfahrens meldete, da durfte man die Pferde anziehen lassen; d. h. die Mдnner wurden gebraucht, um die entsprechend ausgerьsteten Ackerwagen zu beladen. Eine Frau war meistens dazu eingeteilt, auf dem Wagen das Fuder richtig zu laden, was auch eine groЯe Kunst war und wir Kinder durften die Pferde anfьhren. Man muЯte auch dabei gut aufpassen, damit es immer richtig weiterging und dann muЯte man den Pferden, die oft Fliegenmьtzen aufhatten, trotzdem noch die unendliche Zahl von Fliegen abwehren, die klebten richtig um die Augen, und wenn die Bremsen kamen, die ja sehr arg stechen - man konnte selbst solche Stiche abbekommen - dann neigten die Pferde auch zum ‚durchgehen’ und so war es also eine echte Aufgabe fьr ein Kind, hier richtig zu handeln.

      Spдter durfte man dann auch schon mal selbst so eine Fuhre laden. Und wehe, sie kippte um. Das war natьrlich dann eine fьr den Ernteablauf sehr aufhaltsame Geschichte. Man gab sich also sehr viel Mьhe, das richtig zu erlernen. Dazu hieЯ es dann erst einmal mit auf den Wagen, zugucken wie’s gemacht wird, daЯ man die Ecken richtig auslegte, daЯ das Gewicht immer nach innen zeigte und somit ein Rutschen der Garben nach auЯen vermieden wurde. Man muЯ dazu bedenken, daЯ die Ackerwege auЯerordentlich holperig waren und tiefe Pfьtzen und Lцcher hatten usw. und daЯ die LandstraЯen, die man ja natьrlich auch benutzen muЯte, auch sehr, sehr holperig gewesen sind. Das waren groЯe Erschьtterungen, denen die Wagen ausgesetzt waren. Die Vorstellung von TeerstraЯen gab es nicht. Anfang der 30er Jahre wurde eine TeerstraЯe von GroЯ Schneen nach Gцttingen gebaut, aber alles andere waren holperige BasaltstraЯen.

      In den Wintermonaten wurde das Getreide gedroschen. Es bedurfte der Nachbarschaftshilfe, da sehr viele Leute dazu gebraucht wurden. Es muЯte aus der Scheune herausgeladen werden, es gab Dreschmaschinen - d. h. Eigenbesitzer waren nur sehr wenige Bauern. Es gab Genossenschaftsmaschinen, die wurden dann von Hof zu Hof gefahren, mit einem Elektromotor, den es dann auch schon gab frьher. Ich habe aber auch noch die Dampflokomobile kennengelernt. Der alte Bruns hatte so eine Installation an der Brьcke. Der drusch dann auch fьr die kleinen Leute. Und zwar brachten die bei ihren Bauern meistens ihre Garben mit ein und fuhren die paar Sдcke gleich wieder mit weg. Aber das war ein staubiges Geschдft. Alles war voll Staub. Es wurde dann aber entsprechend auch gut gevespert. Es gab Kaffee und Kuchen und sehr gut vom Geschlachteten.

      Vorher wurde noch besonders langes Roggenstroh aussortiert, weil man das zum Herstellen der Seile brauchte, womit man eben die Bunde eingebunden hat. Man hat ja nicht etwa einfach auf dem Feld das Stroh genommen, spдter ja, da war man nicht mehr so pingelich, anfangs aber nicht, sondern das Seilestroh wurde immer extra ausgedroschen mit’m Dreschflegel. Dazu wurden diese Bunde so gepackt, daЯ die Kornseite, die ihrenseite nach innen zeigte und dann ging’s im Takt, je nach dem, wieviele Drescher da waren und man konnte an dem Tackt schon ganz genau ablesen, wie die Schlegel fielen. Tadamtadam, tadamtadam, das waren vier Drescher; tamtam, tamtam, tamtam, das sind zwei Drescher; tamtamtam, tamtamtam, das sind drei Drescher.

      Ich bin ziemlich sicher, daЯ ich heute sowohl noch mдhen, als auch mit dem Flegel noch dreschen kцnnte.

      Ja, das Schlachten war ja auch so ein groЯes Ereignis. Darum hieЯ es auch: das Schlachtfest. Ganz frьher, nach der Inflation, ich denke da so an 1928, haben wir auch selber geschlachtet. Wenn wir kein Schwein selbst groЯgezogen hatten (wir hatten ja mal ein Schaf und auch Hьhner), dann wurde eben ein fettes Schwein gekauft und das Schlachtfest fand bei uns statt. Sonst drьckten wir uns aber bei solchen Gelegenheiten immer gerne dabei herum (wenn also das Schlachtfest bei anderen Leuten war), denn es fiel immer etwas fьr uns Kinder dabei ab. Der Doktor bekam ohnehin seine Schlachtsuppe gebracht oder vom Kesselfleisch ein Stьck oder sonst etwas an Wurst. Es waren halt immer dankbare Patienten dabei, die bei solchen Gelegenheiten eben auch an ihren Doktor dachten. Wir Kinder beobachteten natьrlich das Treiben beim Schlachten selbst mit Interesse. Man durfte z.B. den Schwanz halten, keine leichte Aufgabe, weil die Schweine nicht gerne sterben wollten. Der Hausschlachter war bestellt, er brachte eine groЯe Holzkeule mit und einen Dorn, und er muЯte dann diesen Dorn zielsicher auf der Stirn des Schweines ansetzen und schlug dann mit der Holzkeule den Dorn in die Stirn des Tieres, welches dann dadurch betдubt wьrde. Es muЯte dann sofort abgestochen werden, das Blut wurde in einer groЯen Schьssel aufgefangen und muЯte sofort gerьhrt werden um das Fibrin ‚rauszuholen, weil es sonst ja nicht verwendbar war.

      Dann wurde es in einen groЯen Trog gelegt, eine groЯe Molle, und mit heiЯem Wasser ьbergossen. Nun begann die Arbeit der Mдnner. Das Tier muЯte geschrubbt werden. Nach dieser Prozedur des Borstenabschrubbens war es ganz blank und weiЯ. Man stach hinter den Achillessehnen durch und konnte es dann an einem entsprechenden Bьgel aufhдngen. Auch keine leichte Arbeit fьr die Mдnner, denn frьher waren die Schweine, wenn sie als schlachtreif betrachtet wurden, immer 3,5-4 Ztr. schwer. Dann wurde es aufgeschnitten, die Dдrme kamen heraus, wurden gereinigt, umgestьlpt, damit sie auch von innen sauber wurden. Dann blieb es erst einmal eine Weile hдngen, man frьhstьckte - dazu gehцrte ein ordentlicher Schnaps - und das Schwein konnte nun auskьhlen. Es folgte die Arbeit des Zerlegens, es wurden die Schinken zum Rдuchern abgeschnitten und die ganze Einteilung, wie die Hausfrau es wьnschte, wurde vorgenommen und dann ging’s an’s Kleinschneiden und an’s Wurstmachen. Da standen wir natьrlich besonders gern dabei. Alles muЯte vorher eingekauft worden sein: Salz, Gewьrze und eventuell noch Dдrme, weil die Schweinedдrme ja allein nicht ausreichten fьr die viele Wurst. Die Mettwьrste wurden dann ja weggebracht zum Trocknen, spдter dann zum Anrдuchern, aber die Kochwurst, die Leberwurst und die WeiЯwurst und die Blutwurst, all’ diese kamen in einen groЯen Kessel, der vorher angeheizt worden war (normalerweise war es der Waschkessel). Wдhrend des Wurstmachens bekam man oft unversehens einen Klaps (besonders beim Blutwurstmachen), so daЯ man das ganze Gesicht voller Blut hatte. Aber dann kam das ersehnte Ereignis, daЯ einem die Wurst angemessen wurde. Das waren immer WeiЯwьrste. Man muЯte den Mund so weit wie’s ging aufmachen und der Fleischer legte also eine noch nicht abgebundene Wurst dadrum herum, und je weiter man den Mund aufmachte, um so grцЯer fiel die Wurst aus. Diese wurde dann erst abgebunden, und meistens gab es 3-4 WeiЯwьrste, die wir dann selig nach Haus brachten.

      Den Schlachttermin festzulegen war gar nicht so einfach, denn 1) muЯte der Hausschlachter frei sein, 2) sollte es in einer Kдlteperiode sein, denn bei warmem Wetter wьrde das Fleisch sich nicht so gut halten und auЯerdem durfte auch keine der beteiligten Frauen, die vielleicht Fleisch anzufassen hatten, ihre Periode haben. Denn es galt als ganz sicher, daЯ sonst die Wurst verderben wьrde.

      Ich erinnere mich da an eine Geschichte, die Vater gern erzдhlte, die, so weit ich mich erinnere, in Stockhausen passiert war. Er muЯte dort den Angehцrigen sagen, daЯ der alte Vater wohl bald sterben mьЯte, es sei nicht mehr viel zu machen mit seiner Lungenentzьndung. Da war die erste Reaktion der Hausfrau: „Ochottochott, hoffentlich kommt er uns nich zwischens Schlachten!“

      So wichtig waren diese Ereignisse. Nicht ganz so spannend wie das Schlachten war auch das Muskochen. Viele Leute hatten ja groЯe Zwetschgenbaumbestдnde, wir aber nicht. Wir pachteten dann einen Baum. Der wurde dann ersteigert - was da eben so am StraЯenrand stand in Richtung Gцttingen - zwischen Stockhausen und GroЯ Schneen waren groЯe Zwetschgenbestдnde - am sogenannten ‚ Tiefen Bach ‚. Man ersteigerte also so einen Baum. Es ging an’s Pflьcken. Wir zogen dann mit einem Handwaten los, eine Leiter war daraufgelegt, ebenso die Kцrbe und Vorratskцrbe sowie die Pflьckhaken. Genauso ging’s beim Дpfelpflьcken zu. Wenn man den Segen dann zusammen hatte, begann das Entsteinen. Das war ein Familienereignis. Und dann eben das Muskochen. Das passierte auch im Waschkessel unter stдndigem Umrьhren, damit nichts anbrannte. Entsprechend sanft muЯte geheizt werden.

      Alle Kinder, die das nun zum ersten Mal erlebten, wurden in’s Bockshorn gejagt. Sie wurden z.B. in die Nachbarschaft geschickt, um die Musstiefel und die Musleiter zu holen, damit wir richtig in den Kessel hineinkцnnten. Die unerfahrenen zogen dann auch los und wurden dann bei der Ankunft beim Nachbarn schrecklich ausgelacht. Das war eben ein Brauch, der sich immer wiederholte und auf den auch immer wieder jemand hereinfiel.

      Wichtige Tage waren auch das „Waschen“ und das „Backen“. Waschmaschinen gab es ьberhaupt noch nicht. Die Kochwдsche wurde auch wieder in dem groЯen Waschkessel in der Waschkьche gekocht, wurde dann an einem Knьppel aus der heiЯen Brьhe gezogen (dem Waschwasser wurde zuvor Schmierseife zugesetzt, die u. U. auch noch selbst gekocht werden muЯte oder auch Kernseife) und in den Waschzuber gesteckt, wo sie dann auf einem geriffelten Blech so lange gerubbelt wurde, bis sie ganz weiЯ wurde. Die vollendete „Bleiche“ entstand aber erst durch das Bleichen auf dem Rasen oder zumindest durch das Aufhдngen auf der Leine, wenn sie von der Sonne beschienen wurde. Der Waschtag war eine groЯe Anstrengung fьr die Frauen, und sie hatten abends dann immer ganz verschrumpelte, weiЯe Haut an den Hдnden.

      Das Backen war etwas frцhlicher. Die Frauen haben das Mehl mit Wasser angerьhrt und es geknetet bis es zum Teig wurde. Wir Kinder wurden zum Bдcker geschickt, um fьr 5 oder 10 Pfennig Hefe zu holen - je nach Umfang bzw. GrцЯe des Kuchens. Nachdem der Teig damit versetzt war, muЯte er ьber Nacht gдren (Der groЯe Backtrog stand immer in der Stube). Am nдchsten Tag wurden dann die Brotlaibe auf langen Brettern ausgeformt. Vorher muЯte der Backofen angeheizt sein. Auch dazu gibt es eine lange Vorgeschichte, denn fьr das Feuer im Backofen wurde ja nur Reisigholz, also Knьppelholz verwendet. Die Mдnner kьmmerten sich im Winter beim Holzschlagen darum, daЯ der Stamm richtig verarbeitet wurde, alles aufgemetert und geteilt wurde und dann auch heimgefahren wurde. Die Klцtze wurden dann erst auf dem Hof zersдgt und gespalten. Das Reisig wurde extra abgefahren. Das war zum groЯen Teil wieder Frauenarbeit, nдmlich das Reisig richtig herzurichten. Von dem feineren Zeug wurden Bunde gemacht; diese waren zum Anheizen des Backofens notwendig. Die Knьppel wurden dann nachgeschoben, damit das Feuer lдnger vorhielt. Wenn dann der Backofen richtig heiЯ war, wurde die Ofentьr geцffnet, mit einer Kratze ganz schnell die Asche herausgeholt und mit einem nassen Lappen ausgewischt, damit der Staub dann nicht so auf’s Brot fiel. In Sьddeutschland nennt man diesen Vorgang ьbrigens „Hudeln“. Daher unser Ausdruck: „Nur nicht hudele“, womit man meint. nur nicht hetzen. Die Wenigsten wissen aber, woher dieses Wort kommt.

      Ja, dann war also der Backofen ganz warm, und es wurden nun die Brote auf einer Stange, die vorne ein Brett hatte, in den Backofen eingeschoben, durch einen kleinen Ruck fielen sie hinunter auf die Plattform des Backofens, und dort blieben sie bis sie gar waren. Zu den Festtagen wurden dann auch noch Plattenkuchen nachgeschoben, das hat Heilwig ja schon geschildert. Appelkaucken, Zuckerkaucken, Schmantkaucken. Es gab auch noch Pustekaucken, wie der aber gemacht wird, weiЯ ich nicht. Alles andere kцnnte ich genau beschreiben.

      Ich muЯ jetzt noch einmal an die Ernte denken. Es gab ja nicht nur Getreide zu ernten, sondern fьr uns Kinder war auch die Kartoffelernte wichtig. Da muЯten wir die Kartoffeln auflesen. Bei den kleinen Leuten wurde jede Staude mit der Mistgabel ausgegraben, geschьttelt und dann muЯte eben mit der Hand in die Wanne nachgelesen und in den Sack geschьttet werden. Das verursachte Kreuzschmerzen, und abends wuЯte man, was man getan hatte. Herrlich war das Kartoffelfeuer, welches aus dem liegengebliebenen Kartoffelkraut angezьndet wurde. An diesem Feuer nun zu sitzen, war ein Erlebnis fьr sich. Die jungen Kartoffeln wurden in die Asche gelegt. Waren sie dann schцn schwarz geworden, war es ein HochgenuЯ, diese mit etwas Salz zu essen. Der Geruch der Kartoffelfeuer zog durch das ganze Land. Es war ja dann immer Herbstzeit, welche dadurch ein Charakteristikum bekam. Schlimm waren auch die Zuckerrьben. Wir bekamen ja nicht so ohne weiteres Taschengeld, sondern wir muЯten immer irgend etwas machen, damit wir es uns verdienten. Schuheputzen, Holzhacken oder sonst etwas. Einkaufen oder дhnliches (auch Hoffegen). Eine gute Einnahmequelle war nun das Zuckerrьbenverziehen. Man hatte ja damals noch keine Einzelpflanzen, wie heute, sondern die Zuckerrьbe wuchs immer auf dem Kneuel, 5-6 Pflanzen kamen immer auf 1 Knдuel. Die muЯten nun also gezogen werden. Vorher wurden sie vereinzelt (getrennt in die einzelnen Pflanzen) mit der Hacke, und dann muЯten die Kinder auf den Knien hinterherrutschen, die ganzen ьbrigen Pflanzen wegziehen, so daЯ nur noch eine stehen blieb. Das war auch ein hartes Geschдft. Die Zuckerrьben wurden nur von GroЯbauern angebaut. Der Verwalter stand immer mit der Hacke dahinter und zog einem einen ьber, wenn man nicht mitkam. Man konnte sich allerdings aussuchen, ob man eine, zwei, drei oder gar vier Reihen verziehen wollte. Ganz tьchtige Leute machten vier Reihen und kamen trotzdem im Tempo noch mit. Das habe ich eigentlich nicht geschafft. Zwei, drei Reihen waren fьr mich das дuЯerste. Fьr die Stunde wurde, glaube ich, ein Groschen bezahlt. Eine ‚Riesen-Viecherei’! An der Zuckerrьbenernte hatten wir Kinder nicht teil. Man muЯ dazu aber einmal festhalten, wie das frьher so war. Jede Zuckerrьbe wurde mit dem sogenannten Griffel ausgegraben, in eine Reihe gelegt und dann ging man mit einem Hackmesser an der Reihe entlang, um die Kцpfe abzuschlagen, das Kraut von der Rьbe zu trennen. Dann fuhr der Wagen die Reihe entlang, und die Zuckerrьben wurden nun mit der Forke aufgeladen. Die schweren Ackerwagen - es gab ja noch keine Gummireifen - sanken oft bis zur Achse ein, und es muЯten oftmals vier oder sechs Pferde vorgespannt werden. Unter viel Geschrei kamen die Wagen dann schlieЯlich aus dem Felde wieder heraus. Eine furchtbare Dreckarbeit, diese Zuckerrьbenernte. Man muЯ sich wirklich rьckblickend wundern, wie Menschen und Tiere diese Riesenanstrengungen durchgehalten haben, denn der Tag fing ja auch schon um 4 Uhr frьh an fьr die Gespannfьhrer zumindest, weil sie ja erst fьttern muЯten um dann um 5 oder 5.30 Uhr rauszuziehen, egal zu welcher Jahreszeit, eben zum Pflьgen oder im Sommer auch zum Grasmдhen (da schon um 3 Uhr, da das Gras ja noch naЯ sein muЯte). Abends bis um 9 Uhr wurden noch die Sensen gedengelt und dieses Gerдusch des Dengelns erfьllte die Sommerabende (so ab Ende Juni, wenn das Gras gemдht wurde). Ein Klang, den man auch nicht aus den Ohren verlieren kann.

      So, nun ist das Band voll, und ich hoffe, liebe Heilwig, Deine Ausfьhrungen noch etwas ergдnzt zu haben, so daЯ man auch verstehen kann, wie sich der Ablauf des Jahres in unserem Dorf vollzog.

      [1] GroЯ Schneen hat 1777 Einwohner (2000) und umfaЯt 1114 ha Gemarkungsflдche und ist das Grundzentrum der Gemeinde Friedland.

      GroЯ Schneen gehцrt zu den дltesten Siedlungen im Leinetal. Funde aus der jьngeren Steinzeit um 3000 v. Ch. belegen das. Urkundlich wird GroЯ Schneen im Jahr 1022 in den Gьterlisten des Michaelisklosters in Hildesheim aufgefьhrt. Hier heiЯt der Ort noch "snen". Frьhere Erwдhnungen aus dem Jahre 821 in den ' Corveyschen Traditionen' sind GroЯ Schneen nicht eindeutig zuzuordnen. Die Ortschaft wuchs aus zwei Teilen zusammen, die jeweils eine eigene Kirche hatten. Die im 30-jдhrigen Krieg zerstцrte evangelische St. Michaeliskirche im Unterdorf wurde 1705 wieder geweiht. Wahrzeichen GroЯ Schneen ist die 1000-jдhrige Eiche im Unterdorf, im ausgehenden Mittelalter Halsgerichtsstдtte des Amtes Friedland.

      Unser Ort liegt an der alten HeerstraЯe Gцttingen- Witzenhausen-Sьddeutschland. Durch seine Lage in einer flachen Senke ьber der Leine gelegen und seine groЯe fruchtbare Feldmark konnte dieser Ort in der Vergangenheit vielen Menschen Arbeit und Brot geben. Heute gibt es noch sieben landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Stдndiger Zuwachs an Einwohnern wurde durch die geographische Lage in der Nдhe des Oberzentrums Gцttingen begьnstigt.

      In den letzten Jahren wurden mehrere Wohngebiete erschlossen. Auch ein Gewerbegebiet ist im Entstehen, wo sich noch Betriebe ansiedeln kцnnen. An infrastrukturellen Einrichtungen ist vieles vorhanden. Die Gemeindeverwaltung der Gemeinde Friedland befindet sich in GroЯ Schneen, ebenso das Polizeikommissariat. Der Ort verfьgt ьber einen dreigruppigen Kindergarten. Eine Grundschule (1.-4. Klasse), eine Orientierungsstufe (5.-6. in Niedersachsen obligatorisch) und eine Haupt- und Realschule (Klasse 7-10) sind vorhanden. Der Schule und den Sportgruppen steht eine dreiteilige Sporthalle zur Verfьgung. Eine Sportfreianlage mit einem FuЯballgroЯfeld, einem Kleinfeld, zwei Tennisplдtzen und Leichtathletikanlage stehen ebenfalls zur Verfьgung. Der Landkreis Gцttingen betreibt eine "Jugendbildungsstдtte", die von Vereinen und Organisationen angemietet werden kann.

      Zehn Vereine und Verbдnde gibt es in GroЯ Schneen. Sie prдgen das Dorfleben mit. Allein der Sportverein mit 800 Mitgliedern bietet 12 Sportarten an. Die Kirmesgemeinschaft, ein ZusammenschluЯ aller Vereine, organisiert das grцЯte Fest im Ort, die Kirmes (Kirchweih), jedes Jahr im September, die auch von zahlreichen auswдrtigen Besuchern aufgesucht wird.

      GroЯ Schneen verfьgt ьber zwei Geldinstitute, einen Lebensmittelsupermarkt, einen Getrдnkemarkt und drei Gaststдtten. Zwei Дrzte fьr Allgemeinmedizin, ein Zahnarzt, eine Apotheke und eine Massagepraxis decken die Gesundheitsversorgung ab.

      12 Handwerksmeister stehen mit ihren Betrieben fьr fachgerechte Handwerksarbeit.

      GroЯ Schneen ist seit 25 Jahren mit der franzцsischen Stadt Houdan, 50 km westlich von Paris gelegen, verschwistert. Jдhrliche VergleichsschieЯen der Schьtzenvereine sind Tradition. Generationen von Jugendlichen besuchen die Partnergemeinde und lernen so die jeweilige Lebensart kennen. Die Carl-Friedrich-GauЯ Realschule nimmt inzwischen die Schьleraustausche mit dem College in Houdan wahr.

      [2] Ernst Gerhart Brachmann , Dr.( agrar )., * 07.02.1919 in Gцttingen, U 04.03.1990 in Basel

      zunдchst Ingenieur, in spдteren Jahren: Heilpraktiker

      Ernst Brachmann, * 16.09.1894 in Dresden, U gefallen als Soldat in Frankreich am 04.09.1916

      Gerhart Heilmann, * 19.09.1896 in Gцttingen, U gefallen als Soldat in Marfaux. Dep. Marne /

      Frankreich am 07.07.1918

      [3] Adam Heilmann, Dr. theol. h.c. , Pfarrer, * 05.04.1860 in Hohenzell, Kreis Schlьchtern,

      U 18.11.1930 in GroЯ-Schneen

      [4] Caroline Heilmann, geb.22.05.1829 in Bieber, Krs.Gelnhausen, U 20.10.1880 in Hohenzell

      [7] Marie Heilmann genannt Mariechen * Gцttingen, U 19.08.1975 in Philippsthal

      [8] Kurt Rebermann, Pfarrer u. Dekan * 03.08.1898 in Hannover, Hochzeit am 09.09.1925 in Gцttingen U 30.07.1975 in Bad-Wildungen

      [9] Margarethe Heilmann, genannt Gretli , Dr .phil * 16.07.1892 in Gцttingen, U + 13.10.1932 in Freudenstadt im Schwarzwald

      [11] Gertrud Luetkemann geb. Brachmann, * 11.11.1894 in Gцttingen, U in ?

      Dr. jur. Wilhelm Luetkemann, * 10.09.1891 in Uetze Krs Burgdorf, U 13.07.1973 in Kassel ?

      Leonhardt Luetkemann, * 01.07.1918 in Berlin , U gefallen als Soldat in Lowice / Polen am 11.09.1939

      Joachim Luetkemann, Forstdirektor, * 25.03.1921 in Wolfenbьttel , U 29.03.1989 in Langen

      [12] Dr. med. Paul Heilmann, * 03.01.1890 in Spanbeck bei Gцttingen, U 30.11.1968 in Minden

      Elisabeth Heilmann genannt Elli , * 06.09.1897 in Gцttingen, U 15.06.1988 in JHцxter

      [13] Dieter Heilmann, Gastwirt * 09.12.1923 in Hollenstedt, Krs.Harburg?

      Dr.Ulrich Heilmann, * 12.12.1928 in Minden,

      Hermann Heilmann, * 03.03.1932 Minden,

      Ilse Heilmann, * 13.09.1943 in Minden verh. mit Manfred Mennzel, * 14.10.1934

      [14] Maria Brachman geb. Lindner, * 07.10.1859 in Leipzig , U 01.02.1940 in Dresden verh. am 30.09.1884 in Leipszig mit Dr. phil Walther Brachmann * 17.12.1856 in Stuttgart + 02.09.1929 in Dresde.

      Johanna Brachmann, genannt Hanna * 23.04.1886 in Dresden, U 27.11.1954 n ?

      Dr.med. Winfried Brachmann, 06.02.1888 in Dresden U 06.01.1969 in GroЯ-Schneen

      Katharina Brachmann, genannt Kдthe * 11.04.1889 in Gцttingen, U in ?

      Frieda Brachmann, * 03.01.1892 in Gцttingen U ? in

      Ernst Brachmann, * 16.09.1894 U gefallen als Soldat in Frankreich am 04.09.1916

      [15] Vater von Marie : Wilhelm Bruno Lindner, Prof.der Theologie in Leipszig, * 20.03.1814 in ?, U 18.05.1876 in ? war verh. mit Frieda Lindner, geb. Engel, * 16.11.1830 in ?, U 23.10.1902 in ?

      GroЯvater : Friedrich Wilhelm Lindner, Privatdozent und Lehrer an der Bьrgerschule zuLeipszig, * 11.12.1779 in ? war verh. mit Gottliebe Lindner geb. Rudolph, * 25.01.1780 in ?

      [16] Wilhelm von Kьgelgen, Maler und Autobiograph, * 20.11. 1802 in St. Petersburg, U 25.5. 1867 in Ballenstedt (Quedlinburg). - K. wurde als Sohn des Historienmalers Gerhard v. K., der von 1798-1803 am Zarenhof in Petersburg weilte, 1802 ebd. geboren. K. wuchs in Dresden auf, wo im Hause seiner Eltern Gotthilf Heinr. v. Schubert, Adam Mьller u. Joh. Gottfried Seume verkehrten. [. ] 1853 wurde er zum Kammerherrn des geisteskranken Herzogs Alexander Carl v. Anhalt-Bernburg auf SchloЯ Hoyn ernannt. Erst zu dieser Zeit wandte sich K. von der Malerei ab u. der Beschдftigung mit autobiographischen Aufzeichnungen zu. Die postum hrsg. Erinnerungen K.s mit ihren miniaturartigen Schilderungen Goethes, Jean Pauls sowie des Franzosenhasses u. Patriotismus u. des zeitgenцssischen Antisemitismus (vgl. VIII. 4 d. »Jugenderinnerungen«) stellen ein Zeitdokument dar, an dem das Bьrgertum bis in die zwanziger Jahre dieses Jh.s hinein einen Identifikationstext hatte. AuЯer den Schriften hat K. Bildnisse der Hzgn. Friederike u. d. Hzg.s v. Anhalt-Bernburg, von der Fam. Krummacher, v. Ludwig Richter u. vor allem von der eigenen Familie, aber auch religiцse Bilder im nazarenischen Stil hinterlassen.

      Werke: Drei Vorlesungen ьber Kunst, Bremen 1842; Die Geschichte des Reichs Gottes, nach der heil. Schrift, in Bildern. Mit andeutendem Texte v. Friedr. A. Krummacher, 4 Hefte, Essen 1831-1845; Von den Widersprьchen in der heil. Schrift fьr Zweifler. Mit einem Vorwort v. Friedr. Krummacher, Berlin 1850; Jugenderinnerungen eines alten Mannes, Berlin 1870; Lebenserinnerungen des Alten Mannes in Briefen an seinen Bruder Gerhard 1840-1867, bearb. u. hrsg. v. Paul S.v. Kьgelgen u. Joh. Werner, Leipzig 1923, Neuausg. u.d.T. »Bьrgerleben«, Mьnchen 1990; Der Dankwart. Ein Mдrchen, Stuttgart 1924; Erinnerungen 1802-1867, hrsg. v. J. Werner, 3 Bde., Leipzig 1924-1925; Wilhelm an Adelheid. Briefe an seine Schwester, hrsg. v. H. Schneider u. A.-L. Vitzhum, Hamburg 1957.

      Lit.: Georg Kaspar Nagler, Neues allgemeines Kьnstlerlexikon VII (1839); - ADB XVII, 307; - Wilh. Neumann, Lexikon baltischer Kьnstler, 1908; - L. Volkmann, Die Jugendfreunde des »Alten Mannes«, Johann Wilh. u. Friederike Tugendreich-Volkmann, Leipzig 1924; - W. SchьЯler, K. , in: Mitteldt. Lebensbilder IV, 253-267, 1929; - Leo v. K., Ein Malerleben um 1800 u. die anderen sieben Kьnstler der Familie, 1924 3 ; - W. Melchers, Die bьrgerliche Familie des 19. Jh.s als Erziehungs- u. Bildungsfaktor, Diss. Kцln 1930; - F. Ernst, W.v.K., in: Essays II, 265-291, Zьrich 1946; - H. Leuthe, Studien zu den Autobiographien L.E. Grimms, W.v. K.s u. F. Wasmanns, Diss. Freiburg i. Breisgau 1953; - F.H. Schubert, W.v.K. u. das konservative PreuЯen, in: Histor. Jbb. der Gцrresgesellschaft 82 (1963), 188-218; - C. Clarke Fraser, The Autobiograhies of Ludwig Richter, Ernst Rietschel and W.v.K. Fictionalization and Adaption of Goethe's Narrative Techniques, Diss. Univ. of Connecticut 1981; - NDB XIII, 185-186; - DLL IX, 605 f.; - Kindlers Neues Literatur Lexikon IX, 821 f., hrsg. v. Walter Jens, Mьnchen 1990; - Literatur Lexikon. Autoren u. Werke dt. Sprache VII, 61 f., hrsg. v. Walther Killy, Gьtersloh, Mьnchen 1990.

      [17] Vater von Walter Brachmann : Dr .phil. Wilhelm Brachmann * 15.12.1822 in Riga , Privatgelehrter, U 28.05.1892 in Heldrungen

      [18] Dr. med. Winfried Brachmann, * 06.02.1888 in Dresden , U 16.01.1969 in GroЯ-Schneen

      verh. mit Agnes Brachmann geb Heilmann., * 14.02.1891 in Spanbeck bei Gцttingen, U 06.10.1966 in GroЯ-Schneen

      [19] Katharina, genannt Kдthe Brachmann, * 11.04.1889 in Gцttingen, U ? in ?

      [20] Frieda Brachmann , * 03.01.1892 in Gцttingen, U ? in ?

      Ernst Brachmann, * 16.09.1894 in ?, U gefallen als Soldat in Frankreicham 04.09.1916

      [21] Dresden-Neustadt, Bautzener StraЯe 106

      [22] Pastor Adam Heilmann war verh. mit Marie Dietrich.

      Marie hatte 3 Schwestern :

      Therese Dietrich, * 11.01.1846 in Hofgeismar , U 18.11.1930 in ?

      Helene Dietrich, Krankenpflegerin * 02.10.1858 in Marburg/Lahn, U in ?

      Agnes "Anne" Dietrich verh. Giesecke, * 30.06.1867 in Marburg (Hessen), U ? in ?

      sowie Adam Heilmanns Schwester:

      Maria Heilmann, gen. Mariechen, Diakonisse in ?, * 21.10.1871 in Hohenzell, U ? in ?

      [23] Wilhelm Brachmann, Oberstudienrat und Lehrer fьr alte Sprachen in Cuxhaven * 30.11.1881 Altona , U 03.08.1964 in Rahden

      [24] Prof. Bruno Lindner, * ca. 1857 in Leipzig, U ? in ?

      [25] Zella, an der Werra ( Hessen ) sьdlich von Treysa

      [26] Herr Trьmper, ein Landarbeiter aus dem Dorf, den man zur Hilfe anheuern konnte

      Frau Bach , genannt Babi, unsere Haushaltshilfe, eine Schwдbin, die schon seit vielen Jahren bei uns war.

      [30] entnommen aus „ Sдk’sche Balladen von Lene Voigt, Verlag A.Bergmann, Leipzig

      [31] Familie Nordbeck, Landrat .

      [33] zur Bьndischen Jugend vgl.: Hermann Giesecke, Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend, Mьnchen 1981, S. 89f:

      Auf der rechten Seite sammelten sich die vцlkisch orientierten Freideutschen im "Jungdeutschen Bund", der unter Leitung von Glatzel von 1919 - 1924 bemerkenswerte Erfolge hatte. Der Bund engagierte sich ausdrьcklich politisch, und zwar fьr die deutsch-nationale Volkspartei, ohne sich dabei als deren Jugendorganisation zu verstehen.

      Glatzels Idee war unter anderem, die vцlkisch-orientierten Gruppen zusammenzufassen - nicht durch eine ьbergreifende Organisation, sondern durch persцnliche Kontakte der Fьhrer (vgl. Mьller 1971, S. 249 ff.). Auf diese Weise sollte die Einigung der Jugend von rechts "wachsen".

      Charakteristisch fьr die politische Ideologie des Bundes wie fьr alle Bьnde und Gruppen auf der Rechten - sie unterschieden sich nur durch Varianten und durch die mehr oder weniger heftige Radikalitдt ihrer Positionen - waren organologische Vorstellungen, die nicht beim "kьnstlich organisierten" Staat ansetzten, sondern bei den "natьrlichen" Sozialstrukturen des "Volkes". Die Staatsform hatte dem "Wesen des Volkes" zu entsprechen, und daran gemessen konnte die Weimarer Republik nicht bestehen. Die Hoffnung setzte man auf Fьhrer, nicht auf Funktionдre, auf Integration des einzelnen in personale Bezьge innerhalb der "Volksgemeinschaft", nicht auf die Partikularitдt von Parteien und Interessengruppen, auf die Gemeinsamkeit aller Deutschen auch jenseits der Reichsgrenzen - wobei die Juden z. B. nur stцren konnten. Das hier nur angedeutete ideologische Syndrom, das Sontheimer (1978) detailliert beschrieben hat, war - in allen mцglichen Varianten - in den meisten Bьnden verbreitet, auch in denen, die sich "unpolitisch" gaben.

      Fьr die bьrgerliche Jugend hatte sich im Vergleich zur Vorkriegszeit die Lage erheblich verдndert. In einer Zeit der Orientierungslosigkeit und der politischen Gegensдtze lag die Suche nach Werten, nach Bindungen und Zwecken, fьr die einzusetzen sich lohnt, nдher, als die "Freiheit" des Wanderns vor dem Kriege. Disziplin statt Freiheit, Bindung statt Autonomie hieЯ die neue Tendenz. So entstanden als neue Form der Jugendbewegung die "Bьnde" bzw. "Orden". Sie waren straffer organisiert als die frьheren Wandervogelgruppen und versuchten, bestimmte Werte bzw. Aufgaben fьr sich verbindlich zu machen. Es gab eine unьbersehbare Zahl von Bьnden, deren Mitgliederzahl zwischen 60 000 (Jungdeutscher Orden 1929) bis zu einigen Dutzend reichte. Rudolf Kneip fьhrt in seinem "Handbuch der Jugendverbдnde" (1974) mehr als 1200 Bьnde und Organisationen an, die meisten von ihnen waren bьndische Gruppen. Ab 1925 schloЯ sich eine Reihe von ihnen zur "Deutschen Freischar" zusammen.

      [34] Walter Flex, * 6.7.1887 in Eisenach, U 16.10.1917 in Pendehof auf Цsel.

      Flex autobiografische Erzдhlung "Der Wanderer zwischen beiden Welten", Mьnchen 1917, ist neben Jьngers und Remarques wohl eine der bekanntesten Darstellungen aus dem ersten Weltkrieg - an jenen gemessen das Dokument eines fragwьrdig-kindlichen Idealismus. Seiner Wandervogel-Ideologie, seiner idealistischen Verzerrung und Дsthetisierung des Krieges, aber auch seiner Darstellung einer starken, homoerotisch getцnten Freundschaftserfahrung verdankte das millionenfach verbreitete Bьchlein seine verfьhrerische Kraft und breite Wirkung.

      [35] Zum Reifensteiner Verband vgl.: Ortrud Wцrner-Heil, Frauenschulen auf dem Lande. Reifensteiner Verband (1897-1997). Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung, 11, 2. Aufl. Kassel 1997.

      [37] Dietmar Schnoor, Sohn von Lottes Schwester Irmgard Brachmann verh.Schnoor * 29.03.1937 in Hamburg , U 15.03.1992 in Hamburg

      [39] Heilwig "Heila" Brьncke geb. Stake, * 27.08.1941 in GroЯ-Schneen

      [40] gemeint ist der 8. Mai?, Einmarsch in Gцttingen, GroЯ Schneen, wann.

      [41] Lager Friedland, 20.9.45 von Brit. gegrьndet. Infos

      [43] Info Major Mitchell.

      Marie Weymann geb. von Winzingerorde, * ? in ?, U ? in ?

      [45] was da sonst noch so " deutsches drin steht " checken

      [46] Frau von Buchka.

      Friedrich Ernst von Sachsen Altenburg

      Mдus und Hummi Seidler, die Geschwister Seidler sind Flьchtlinge aus dem Osten, die dann auf dem Hof Zimmermann in Hambrook heimisch wurden.

      Hans-Georg Volkhardt, Student .

      [47] Lilo Vogt war ehemals in Thьringen eine hцhere BDM-Fьhrerin und wurde dann prompt von den Russen eingesperrt. Als sie dann herauskam, durfte sie nur eine niedere Tдtigkeit annehmen und wurde Dienstmдdchen bei uns in GroЯ Schneen.. Als Dienstmдdchen taugte sie nicht so sehr, aber es entwickelte sich daraus eine lebenslange Freundschaft , Bald kam auf ihr Mann Wilhelm Voigt aus der Gefangenschaft und sie zogen dann bald von hier fort. Oft haben wir uns in den spдteren Jahrzehnten besucht.

      [48] Bank deutscher Lдnder, Einheit checken

      Mitteldt dünner kaffee

      Die deutsche Marathonszene im Jahr 2010

      Auf der Suche nach Veränderungen

      Teil 1: Die Marathons mit den meisten Finishern

      Anm.: Marathon Deutsche Weinstraße Vergleich zu 2008 da der Marathon nur alle zwei Jahre stattfindet.

      Der rote Punkt markiert den Frauenanteil. In den Grafiken sind alle Marathons (43 Stück) mit mehr als 300 Finishern. Stand 18.11.2010.

      Manchmal gibt es Dinge, aus denen kommt man irgendwie nicht mehr heraus, wenn man einmal mit ihnen angefangen hat. Es wird dann einfach erwartet, dass man ständig damit weiter macht. Und irgendwann will man vielleicht selbst auch gar nicht mehr damit aufhören. Viel zu viel hat man dann schon in sie hinein gesteckt.

      Der LaufReport-Jahresrückblick auf die deutsche Marathonszene gehört wohl auch inzwischen dazu. Schließlich hat sich dabei im Laufe der Jahre eine ziemliche Datenbasis angesammelt, mit der nicht nur kurz- sondern längst auch mittelfristige Beobachtungen der Entwicklung möglich sind.

      Seit 2005 liegen von den großen deutschen Marathons die Zahlen der Zieleinläufe vor. Anfangs gingen zwar "nur" die Veranstaltungen mit mehr als fünfhundert Läufern in die Auswertung ein. Doch längst ist die Grenze auf zweihundert abgesenkt. Und die Tabellen sind auch rückwirkend ergänzt, so dass nun bereits schon für weit mehr als fünfzig Marathons über den kompletten Zeitraum Datenmaterial verfügbar ist.

      Im Jahr 2010 stehen bisher neunundfünfzig Läufe in den Tabellen, von denen die eigentlich verlangte Eingangsmarke übertroffen wurde. Ungefähr zehn weitere haben zudem noch Aufnahme in eine Art "Perspektivkader" gefunden, entweder weil sie knapp an die Grenze herankamen oder weil sie diese früher schon einmal deutlich übertroffen hatten.

      Zwei bis drei Veranstaltungen werden nach den Erfahrungen der Vergangenheit bis Silvester noch dazu kommen, so dass auch diesmal wieder die ungefähr siebzig größten Marathons des Landes berücksichtigt sind. So steht also eine ziemlich stabile Grundlage nicht nur für Einzelbetrachtungen sondern auch für die Analyse der Gesamtentwicklung zur Verfügung.

      Die Kandidaten, die in den nächsten Wochen noch anklopfen werden, sind natürlich aus den letzten Jahren gut bekannt. Denn mit der Zeit kann man die Größe eines Marathons meist ziemlich gut abschätzen. Und da liegt dann auch eine der Gefahren in einer solchen Statistik. Gerade für diejenigen, die nicht gerne in Zahlen und Daten herum wühlen, werden sie nämlich auch ziemlich schnell langweilig.

      Schließlich ist die Rangliste der größten deutschen Marathons für sich alleine genommen nun wahrlich nicht besonders spannend, reagiert die doch extrem träge und zeigt im Vergleich zur vorherigen Auswertung kaum wirklich Veränderungen. Mit einer Musik-Hitparade, in der ständig Bewegung, ein regelmäßiges Auf und Ab herrscht, hat das wenig zu tun. Die Positionen sind ziemlich festgezurrt und verschieben sich – wenn überhaupt – dann nur sehr zäh.

      Zumindest ist das in den letzten Jahren so. Vor ungefähr einem Jahrzehnt sah das noch ein wenig anders aus, drängten zu jener Zeit doch Saison für Saison neue Marathons auf den boomenden Markt, zogen große Teilnehmerzahlen an und brachten die zuvor bekannte Hackordnung ziemlich durcheinander.

      Auch wenn die Zählung nicht immer ganz eindeutig ist, da in einigen Städten ein früher schon einmal existierender Marathon nur neu belebt wurde, stammen doch ungefähr zwei Dutzend der betrachteten Läufe aus dieses Zeit. Acht, zehn, zwölf Austragungen haben sie nun hinter sich. Und nicht immer ist nach einem glanzvollen Beginn wirklich viel übrig geblieben.

      Die Hochphase der Premieren ist hierzulande jedenfalls vorbei. Kaum noch neue Veranstaltungen tauchen in den Kalendern auf. Und wenn sich einmal ein Ausrichter traut, einen zusätzlichen Marathon zu platzieren, fallen die Erstauflagen überhaupt nicht mehr triumphal sondern ganz im Gegenteil ziemlich bescheiden aus.

      Mit Oldenburg fand nur ein einziger Neuling 2010 Aufnahme in die LaufReport-Liste. Und selbst das ist eigentlich nur ein halber, wurde dort doch vor zwei Jahren zum Stadtjubiläum schon einmal ein Rennen über die Marathondistanz veranstaltet. Nun will man in einen regelmäßigen Rhythmus übergehen. Mit gerade einmal 284 Zieleinläufen ist man allerdings meilenweit von den Einsteigern vergangener Tage entfernt, als oft nicht mehrere hundert sondern etliche tausend Marathonis an der Startlinie standen.

      Eine andere vollmundig und mit großen – bei auch nur etwas genauerer Betrachtung aber fast schon lächerlichen – Sprüchen angekündigte Premiere endete noch weit vor der Uraufführung im Chaos. In Bielefeld trommelte ein vermeintlicher Marathonmacher schon, lange bevor auch nur im Ansatz klar war, wie die Veranstaltung organisatorisch und finanziell über die Bühne gebracht werden sollte.

      Anmeldungen wurden angenommen, Startgebühren kassiert. Als nach langem Hickhack dann irgendwann doch der Rückzug erfolgte, waren die Gelder längst ausgegeben und die Startwilligen blieben auf ihren Kosten sitzen. Inzwischen meint sich eben auch der eine oder andere in der Szene tummeln zu müssen, für den die Bezeichnung "Scharlatan" beinahe noch harmlos gewählt ist.

      Aus dem Kommen ist eher ein Gehen geworden. Den Ruhrmarathon suchte man jedenfalls 2010 vergeblich in den Terminkalendern. Eine Entwicklung, die – obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt gegeben – in der letztjährigen LaufReport-Analyse schon vorhergesagt worden war.

      Dass muss man gar nicht einmal unbedingt als echte Fachkompetenz interpretieren. Denn wenn gemachte Prognosen in der Realität dann wirklich eintreffen, gehört halt stets auch eine Menge Glück dazu. Doch nach Pannen in der Organisation, schwachen Teilnehmerzahlen und wirtschaftlichen Problemen des Hauptsponsors konnte man diese Entwicklung eigentlich absehen.

      Zwar war nur von einer Pause von einem Jahr die Rede. Allerdings ist für 2011 auch weiterhin kein Termin benannt. Und eine aktuelle Internetseite ist schon gar nicht im weltweiten Informationsgewebe zu entdecken. Die ohnehin nur ziemlich kurze Geschichte des Ruhrmarathons scheint damit also bereits wieder zu Ende gegangen zu sein.

      Nach einem einjährigen Aussetzer wieder eingestiegen ist man dagegen in Saarbrücken. Jedoch unter neuer Flagge, verändertem Konzept und einem anderen Veranstalter. Deshalb lässt man die Zählung wieder neu bei eins beginnen. Das aber ist auch schon in einigen anderen Städten passiert. Und manche davon – wie zum Beispiel München – haben irgendwann dann doch ihre anfangs unberücksichtigten Vorläufer mitgerechnet.

      Da auch die Streckenführung über vier Runden in der saarländischen Hauptstadt so anders nicht ausfiel, kann man das ganze also durchaus auch als Fortführung betrachten. Ganz egal ob echter Neuling oder Rückkehrer, mit zwar insgesamt akzeptablen Zuspruch auf den Nebenstrecken, aber gerade einmal 145 Zieleinläufen auf der namensgebenden Marathondistanz würde die Veranstaltung eigentlich in der LaufReport-Statistik ohnehin durchs Raster fallen.

      Und auf einen Lauf, der fast schon als Klassiker zum Saisonabschluss galt, aber aufgrund seines Termins am ersten Adventwochenende meist erst nach der vorläufigen LaufReportanalyse des Marathonjahres stattfand, muss man in diesem Jahr nicht mehr warten. In Arolsen wurde nach Unstimmigkeiten mit der zu hohe Nutzungsgebühren verlangenden Gemeinde die Veranstaltung nämlich auf Pfingsten 2011 verschoben.

      Das waren dann allerdings auch schon die wichtigsten Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Der Rest ist aus der Vergangenheit recht gut bekannt und sowohl Rangfolgen wie Tendenzen sind in vielen Bereichen nahezu unverändert. Deshalb könnte man ohne allzu große Probleme in vielen Passagen tatsächlich einfach die Formulierungen des letztjährigen Textes übernehmen.

      Doch zum einen wäre das schon ein wenig unbefriedigend für alle Beteiligten, also sowohl für den Autor selbst wie auch für die Leserschaft. Zum anderen gibt es eben trotz scheinbarem Stillstand bei genauerem Hinsehen und mit etwas Wühlen im Zahlenmaterial doch das eine oder andere ziemlich interessante Detail zu entdecken. Auch Marathonübertragungen im Fernsehen können ja für den Laien furchtbar langweilig, für jemanden, der sich ein wenig auskennt, dagegen unglaublich spannend sein.

      Wahrlich keine Kunst ist es jedenfalls, den größten deutschen Lauf über die Zweiundvierzig-Kilometer-Distanz zu benennen. Denn das letzte Mal, dass dieser nicht in Berlin stattfand liegt schließlich schon Jahrzehnte zurück. Doch obwohl der Hauptstadtmarathon wie jedes Jahr auch 2010 mit ungefähr vierzigtausend Anmeldungen "ausgebucht" vermelden konnte, sind im Ziel ziemlich genau eintausend Teilnehmer gegenüber der letzten Austragung verloren gegangen.

      Etwas über vierunddreißigtausend Namen verzeichnet die Berliner Ergebnisliste und damit zum zweiten Mal in Folge weniger als im Rekordjahr 2008. Als Begründung für diesen Rückgang kann man diesmal das ziemlich verregnete Wetter hervorzaubern. Doch vermutlich spielt auch der aufgrund des Teilnehmerlimits aufgebaute Meldedruck beim Schwund eine gewisse Rolle. Immer früher muss man sich entscheiden, um noch eine Startnummer zu bekommen und aufgrund der Gebührenstaffel nebenbei auch ein wenig Geld zu sparen.

      Aber nüchtern betrachtet muss man wohl die Kirche im Dorf lassen. Denn der Segen des laufenden Jahres mit einem neuen Rekord, ist für das Folgejahr eben stets ein Fluch, wenn man diesen in einer immer nur an Wachstum orientierten Welt erneut überbieten muss. Und bei den großen Massen, die in Berlin über die Strecke bewegt werden, ist selbst der zweithöchste absolute Rückgang des Jahres kaum mehr als eine Randnotiz. Keine drei Prozent beträgt nämlich der relative Verlust.

      Betrachtet man den Zeitraum seit 2005 sieht das Bild ohnehin schon wieder völlig anders aus. Kamen vor gerade einmal fünf Jahren doch noch fast viertausend Läufer weniger am Brandenburger Tor an. Langfristig geht der Trend also eher zum Hauptstadtlauf, der sich neben Boston, New York, London und Chicago als einziges nichtangelsächsisches Rennen im Eliteclub der World Marathon Majors aufhält, als von ihm weg.

      Über dreitausend Teilnehmer hat man seitdem dagegen beim Hamburger Marathon verloren. Und hat andererseits – wie als Kontrastprogramm zu Berlin, wo die Verhältnisse genau umgekehrt sind – gegenüber dem Vorjahr leicht dazu gewonnen. Mit 228 Einträgen mehr kann die Hansestadt in absoluten Zahlen jedenfalls immerhin den zweitgrößten Zuwachs der Saison vermelden.

      Allerdings bedeutet dies nicht einmal zwei Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr, so dass man wohl doch besser nicht gleich in Jubelstürme ausbrechen sollte. Viel mehr als eine Konsolidierung auf bei über vierzehntausend Teilnehmern immer noch ziemlich hohem Niveau ist das Ganze jedenfalls kaum.

      Zu vermuten ist zudem, dass das Silberjubiläum, das der Marathon an Elbe und Alster in diesem Jahr gefeiert hat, als Sondereffekt seinen Teil zu dieser Stabilisierung nach einer längeren Schwächephase beigetragen hat. Für 2011 und 2012 hat man sich nun die deutschen Meisterschaften gesichert, die nach einigen Jahren in Mainz jetzt wieder in den Norden gewandert sind.

      Erfahrungsgemäß bringen die nationalen Titelkämpfe einige hundert zusätzliche Starter an die Linie. Und eigentlich ist sogar zu vermuten, dass in Hamburg die DM-Meldelisten ein wenig dicker ausfallen, als zuletzt an Rhein und Main. Schließlich bietet sich die Millionenmetropole als Ziel eines Vereinsausflugs für ein langes Wochenende doch – die Mainzer mögen es verzeihen – deutlich eher an.

      Dass man wie Berlin, wo man BWM als Nachfolger von Real gefunden hat, im nächsten Jahr mit einem neuen Titelsponsor aufwarten kann, darf man wohl auch eher als ein Schritt nach vorne verstehen. Ist doch die Hamburger Sparkasse auf der einen Seite in der Stadt verwurzelt und andererseits als größte in Deutschland sicher nicht der schlechteste Geldgeber.

      Wenn ein Plus von etwas über zweihundert ausreicht, eine so gute Position zu belegen, zeigt das allerdings auch, dass es in der deutsche Laufszene insgesamt kaum Zuwächse gibt. Ganz im Gegenteil. nur ein gutes Viertel der betrachteten Marathons kann mehr Teilnehmer im Ziel begrüßen, der Rest muss erneut Einbußen vermelden.

      Selbst wenn das Jahr noch nicht völlig abgeschlossen ist, werden die wenigen noch ausstehenden doch eher kleinen Veranstaltungen ganz sicher keine wirkliche Veränderung des Trends mehr bringen. Und so kann man schon jetzt feststellen, dass allen deutschen Ausrichtern zusammen auch in diesem Jahr ungefähr weitere siebentausend Marathonis abhanden gekommen sind.

      Auf knapp 109.000 addieren sich die Zahlen der bisher knapp siebzig in den LaufReport-Statistiken erfassten Rennen. Mit den noch anstehenden und den mangels Masse nicht erfassten Veranstaltungen kann man also von maximal 120.000 ausgehen. Für das Vorjahr kamen bei den ausgewerteten Läufen am Ende gut 117.000 als Summe und damit geschätzte 125.000 Marathonis insgesamt zusammen.

      Von den bisher nur achtzehn Marathonläufen mit gestiegenen Einlaufzahlen, befinden sich zudem gerade einmal sechs mit ihrem Zuwachs oberhalb der Marke von einhundert Köpfen. Abhängig von der Ausgangsbasis kann das dann zwar in relativen Werten völlig unterschiedliche Auswirkungen haben und manchem kleineren Lauf zehn, zwanzig oder gar dreißig Prozent Wachstum verschaffen.

      Realistisch gesehen gewinnt in solchen Größenordnungen dann aber auch der Zufall eine zunehmende Bedeutung. Da kann dann auch schon einmal ein Stau auf der Autobahn oder selbst nur ein ausgefallener Zug dafür sorgen, dass sich die Waage in die eine oder andere Richtung neigt.

      Wie Hamburg hat auch der Frankfurt Marathon, der sich in den letzten Jahren wieder zur eindeutigen Nummer drei im Land hochgearbeitet hat, ein wenig zugelegt. Allerdings fällt dieses Wachstum sowohl absolut mit gerade einmal ungefähr sechzig Teilnehmern als auch relativ mit weniger als einem Prozent so minimal aus, dass man schon ziemlich genau hinsehen muss, um es überhaupt zu entdecken.

      Wieder einmal blieb man am Main knapp unterhalb der angestrebten Zehntausendermarke hängen. Noch immer fehlen dazu nämlich mehr als vierhundert Zieleinläufe. Mit ein wenig Augenzwinkern kann man den Hessen prophezeien, dass sie, falls die Entwicklung der Vergangenheit so weitergeht, das Ziel in etwa einem Jahrzehnt erreicht haben könnten.

      Doch ein wenig ernsthafter muss man dann durchaus feststellen, dass es Frankfurt als wirklich einzigen großen Marathon in der Langzeitbetrachtung gelungen ist, kontinuierlich weiter zu wachsen. In Trippelschritten zwar und ohne irgendwelche großen Sprünge. Insgesamt sind es seit 2005 gerade einmal etwas über siebenhundert Läufer, die man gewonnen hat.

      Doch in einem eher schwächer werdenden Markt ist auch das durchaus als Erfolg zu verbuchen. Alleine das Niveau zu halten, reicht ja in solchen Situationen oft völlig aus, um die eigene Position zu verbessern. Wer auf der zweiten Hälfte eines Marathons nicht langsamer wird, sammelt ja bekanntlich auch so einiges ein und kommt immer weiter nach vorne. Wobei das Bild natürlich ein wenig hinkt. Denn eine Verdrängung der noch immer weit entfernten Hanseaten von Platz zwei ist – zumindest bei den Teilnehmerzahlen – eigentlich nicht in Sicht.

      Bemerkenswert übrigens, dass in Frankfurt zwar im Vorfeld wie längst allgemein üblich neue Zwischen-Meldekorde verkündet wurden, man dann aber tatsächlich schon vor dem Start offen zugab, die Werte des Vorjahres nicht ganz erreicht zu haben. So kam es dann zu der paradoxen Situation, dass obwohl im Ziel ein neuer Rekord an Marathonis registriert wurde, am nächsten Tag in manchen Zeitungen zu lesen war, dass die Teilnehmerzahlen zurück gegangen seien.

      Der Widerspruch ist systembedingt. Denn Melde- und Einlaufzahlen passen eben in den seltensten Fällen wirklich zusammen. Kalkulierte man vor vielen Jahren einmal mit einem Schwund von etwa zehn Prozent, fallen die Differenzen inzwischen deutlich höher aus. Längst ist diese Schätzung großzügig auf jeweils zehn Prozent nicht angetretene und zehn Prozent ausgestiegene Läufer erweitert. Und manchmal wird auch dieses noch deutlich übertroffen.

      Zwischen den in Frankfurt als gemeldet geltenden 12218 und den später in den Ergebnislisten auftauchenden 9558 Läufern ist jedenfalls schon ein beträchtlicher Unterschied. Ob das wie gerne behauptet auf eine gesteigerte Vernunft, bei Verletzung oder Krankheit nicht zu starten, zurückzuführen ist oder auf die gesteigerte Unvernunft, sich erst einmal anzumelden, um später vielleicht irgendwann mit dem Training zu beginnen, kann man durchaus diskutieren.

      Ohnehin ist die Zahl der Anmeldungen nur sehr schwer nachprüfbar. Und zumindest denkbar ist es schon, dass gegenüber der nach immer neuen Höchstwerten verlangenden Medien- und Sponsorenlandschaft, manchmal das eine oder andere auch deutlich geschönt dargestellt wird. Alleine schon wegen dieser nicht unbedingt gesicherten Datenlage für die Meldungen, greift die LaufReport-Analyse nur auf die Informationen aus den überall im Netz abrufbaren Ergebnislisten zurück.

      Daran, dass in den Pressemitteilungen im Allgemeinen sowieso nur die Gesamtteilnehmerzahlen mit allen in den meisten Fällen längst zu den eigentlichen Hauptläufen mutierten Nebenstrecken auftauchen, hat man sich inzwischen sowieso gewöhnt. Da werden dann aus tausend echten Marathonis gerne auch einmal "zehntausend Läufer beim Marathon". Man muss nur geschickt formulieren und behauptet dann nicht einmal etwas Falsches.

      Selbst wenn so etwas für die Geldgeber natürlich deutlich interessanter sein mag, soll hier wie in den letzten Jahren üblich erst einmal alleine die Entwicklung auf der Marathondistanz betrachtet werden. Den Rahmenwettbewerben werden sich weitere in den kommenden Wochen noch zu veröffentlichende Analysen widmen.

      Die bisherige Nummer vier der deutschen Rangliste ist fast ein Paradebeispiel für eine derartige "Diversifizierung". Kaum noch überschaubar ist das Programm inzwischen in Köln. Marathon, Halbmarathon und Zehn-Kilometer-Lauf, Schülerstaffeln, Skater und Handbiker treiben die Gesamtzahlen aller Beteiligten in beachtliche Höhen. Doch fällt kaum mehr ein Drittel davon auf die namensgebende Distanz ab.

      Von der im Jahr 2002 mit über vierzehntausend Marathonis erzielten Rekordmarke ist man weit entfernt. Und die bis vor wenigen Jahren stets sichere dritte Position in der Hackordnung der deutschen Läufe hat Köln inzwischen ganz klar an Frankfurt abgeben müssen. Nun hat man mit einem weiteren heftigen Einbruch auch noch Rang vier verloren.

      Von den ungefähr siebeneinhalbtausend Teilnehmern im Ziel, auf die man sich in den letzten drei Austragungen eingependelt hatte, ist man auf fünfeinhalbtausend abgestürzt. Über zweitausend weitere Läufer und damit fast ein Drittel des Vorjahresfeldes sind am Rhein verloren gegangen. Kein anderer Marathon hat auch nur in annähernd vergleichbarer Größenordnung eingebüßt. Köln ist der große Verlierer des Jahres.

      Kaschieren kann man das jedenfalls kaum noch. Dass man als einzige Veranstaltung in den Ergebnislisten auch nicht angetretene oder ausgestiegene Läufer führt und diese dadurch auf den ersten Blick deutlich verlängert, kann in diesem Zusammenhang purer Zufall sein, muss aber nicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Auch den LaufReport-Statistiker konnte man damit jedenfalls erst einmal aufs Glatteis führen.

      Ein kleiner Rückschritt war eigentlich beinahe zu erwarten. Schließlich wurden 2009 im Rahmen des Köln-Marathons die Sparkassenmeisterschaften ausgetragen, die im Jahr 2010 wieder als separate Veranstaltung in Halberstadt stattfanden. Doch die wenigen hundert Teilnehmer dieses in jedem Jahr an einem anderen Ort organisierten Rennens, können den massiven Schwund nicht erklären.

      Auf jeden Fall scheint man in der Domstadt nicht zu glauben, dass man sich mit der Einführung der Halbdistanz vielleicht doch ein wenig ins eigene Fleisch geschnitten haben könnte. Denn sonst hätte man den im Vorjahr eigentlich als Einmalaktion und nur für die Sparkassenläufer ausgeschriebenen Zehner wohl kaum weiter fortgeführt und diesmal als offenen Wettbewerb ausgetragen.

      Schließlich könnte diese neu aufgemachte Nebenstrecke durchaus zu weiteren internen Verschiebungen führen. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich die Verteilung auf die einzelnen Distanzen dann in Zukunft darstellt. Die Frage wer in diesem Kölner Dreigestirn denn nun Prinz, Bauer und Jungfrau ist, muss erst noch geklärt werden.

      Auch München hat jenes Trio im Angebot, auf das sich die Laufszene in den letzten Jahren ziemlich reduziert. Und auch München hat sein Programm diesmal erweitert. Allerdings ist an der Isar ein Halbmarathon dazu gekommen, den Zehner gab es dort schon länger. Doch obwohl man sich in der bayerischen Landeshauptstadt damit den inzwischen fast überall üblichen Gepflogenheiten angepasst hat, fällt die Veranstaltung ziemlich aus dem Rahmen.

      Zum einen gehört man nämlich zu jener nicht einmal eine Handvoll Läufe umfassenden Gruppe, bei denen die Halbdistanz auch bezüglich der Teilnehmer noch die kleinere ist. Und zum anderen ist München der große, der absolute Gewinner des Jahres. Mehr als tausend Zieleinläufe zählt man nämlich mehr, springt von 5397 auf 6404 Einträge in der Ergebnisliste und zieht damit an Köln vorbei.

      Wie es der Zufall so will, stellt diese Differenz ganz exakt jenen Wert dar, der Berlin im laufenden Jahr verloren gegangen ist. Doch während 1007 Marathonis in der Hauptstadt keine drei Prozent Schwund bedeuten, ist die gleiche Zahl für die Bajuwaren ein Zuwachs von fast zwanzig Prozent. Zur Ausgangsposition vor fünf Jahren fehlen München allerdings dennoch weitere tausend Läufer.

      Als Ursache für das zumindest in dieser Höhe doch eher unerwartete Wachstum, kann man die fünfundzwanzigste Austragung des Münchner Marathons, auf die man mit einer Mitzählung der Vorgängerveranstaltungen in den Achtzigern und Neunzigern kommt, in Betracht ziehen. Eine lückenlose Abfolge wie im ebenfalls Silberjubiläum feiernden Hamburg kann man nämlich keineswegs vorzeigen. Zwischen 1996 und 2000 hat die Liste ein großes Loch.

      Und ein wenig willkürlich ist die Zählung auch. Gab es doch bereits seit 1977 in München mit dem Oktoberfest-Marathon einen Lauf über diese Distanz auf einem Mehrrundenkurs. Während Berlin und New York – bei denen sich allerdings auch der Ausrichter nicht geändert hat – ihre ersten Versuche auf ähnlichen Strecken mitrechnen, tut man dies in Bayern nicht.

      Der Jubiläumsbonus scheint in München gewirkt zu haben. Einige Teilnehmer früherer Jahre dürften nach längerer Pause tatsächlich noch einmal die Schuhe geschnürt haben. Ob jedoch alle Zuwächse nur auf diesen Sondereffekt zurück zu führen sind, wird beim Vergleich mit Hamburg, wo man den gleichen Geburtstag – und in sogar eindeutigerer Form – begeht, schon wieder fraglich.

      Wäre so ein Effekt tatsächlich – ganz egal ob als Faktor oder als absolute Zahl – so einfach berechenbar, wie es die manchmal etwas plumpen Ansätze von Prognosen behaupten, gäbe es nur zwei Schlussfolgerungen. München hätte dann nämlich aus noch einem weiteren Grund zugelegt. Oder in Hamburg müsste es eine weitere, allerdings negative Einflussgröße geben.

      Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Viel zu vielschichtig sind die Ursachen für Veränderungen. Nicht alle sind wirklich logisch zu erklären. Und absolut exakte Vorhersagen über die zukünftige Entwicklung sind – selbstverständlich nicht nur für Marathons sondern auch für alles andere – deshalb schon gar nicht möglich. Egal ob hohe Mathematik oder Glaskugel, für die Güte des Ergebnisses macht das kaum einen Unterschied.

      Was man selbst bei oberflächlichem Lesen der bisherigen Zeilen vielleicht bemerkt hat, ist, dass die deutschen "Big Five" in der Summe nicht übermäßig viel verloren sondern einige sogar eher noch leicht gewonnen haben. Den Berliner Rückgang fängt München ja ganz exakt auf. Die Kölner Verluste werden durch die positiven Werte in Hamburg und Frankfurt zwar in der Summe nicht überdeckt. Aber insgesamt sind es eben wirklich nur jene etwa zweitausend Läufer aus dem immer bescheidener werdenden Beitrag der Domstadt, die sich bemerkbar machen.

      Den Rest der siebentausend Marathonis, die auch in diesem Jahr wieder abhanden gekommen sind, muss man anderswo, in den Regionen dahinter suchen. Ebenfalls interessant ist, dass sich die Gewichte deshalb noch weiter zu den Platzhirschen verschoben haben. Alleine Berlin stellt inzwischen schließlich fast ein Drittel aller Zieleinläufe. Die anderen vier – die man schon alle zusammen rechnen muss, um an den Berliner Wert heran zu kommen – liefern rund ein weiteres knappes Drittel. Für die restlichen Veranstalter bleiben gerade einmal vierzig Prozent des Kuchens.

      Und noch etwas ist auffällig. Nach dem Münchner Sprung nach vorne, klafft dennoch hinter Köln noch eine gewaltige Lücke. Die kaum als Verfolgergruppe zu bezeichnenden Nächstplatzierten haben den Anschluss an die Favoriten nicht herstellen können. Fast erinnert das ganze an einen modernen Marathon, bei dem man mangels leistungsstarker Amateure nach dem Passieren der absoluten Elite erst einmal einen Kaffee trinken gehen kann, bevor mit dem Mittelfeld dann langsam wieder Bewegung auf die Strecke kommt.

      Die Nummer sechs der deutschen Marathonrangliste, der ebenfalls gut hundert Teilnehmer zulegende Lauf in Düsseldorf, ist jedenfalls noch klar hinter dem davor platzierten Konkurrenten aus Köln und liegt um mehr als die Hälfte im Vergleich zu München zurück. Doch auch in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen zeigen die Daumen eher nach oben als nach unten.

      Immerhin gehört man zum Kreis der wenigen Veranstaltungen, die einen – wenn am Rhein auch nur knapp – dreistelligen Läuferzuwachs quittieren konnten. Und das nun schon zum dritten Mal hintereinander. Von der angepeilten Dreitausendermarke, die zwar wirtschaftlich eigentlich unerheblich ist, psychologisch aber eben doch eine gewisse Bedeutung hat, war man nach einer deutlichen Delle vor drei Jahren nun jedenfalls nur ganze vierzehn Teilnehmer entfernt.

      Im letzten Jahr noch deutlich darüber, diesmal aber noch eindeutiger unter dieser kleinen Schallmauer lag der absolute Exot im Vorderfeld, der sich seit Beginn der LaufReport-Aufzeichnungen hartnäckig unter den größten zehn Marathons im Land hält. Es ist der einzige Landschaftslauf, der dazu mit gut dreiundvierzig Kilometern auch ein wenig überlang ist. Es ist der einzige, der in einem ostdeutschen Bundesland stattfindet.

      Und vor allen Dingen ist es der einzige, bei dem der Marathon nicht die längste Distanz ist. Denn auch der mit Abstand größte Ultra findet auf dem Thüringer Höhenweg statt. Ein Rennen, das nur etwa siebenhundert Zieleinläufe weniger als der kleine Bruder zählt und damit gerade einmal von acht Marathons in Deutschland übertroffen wird.

      Nicht nur weil man diesmal deutlich unter dreitausend hängen blieb, gehört der Rennsteigmarathon zu den großen Verlierern des Jahres. Die 353 Namen, die man weniger in die Ergebnisliste eintragen konnte, sind schließlich nicht nur mehr als zehn Prozent des Teilnehmerfeldes sondern in absoluten Zahlen auch der drittgrößte Wert hinter Berlin und Köln. Dazu hat man noch mit den Düsseldorfern den Rang getauscht und ist von sechs auf sieben zurück gefallen.

      Und dennoch zählt der Rennsteiglauf natürlich keineswegs zu den Wackelkandidaten. Die fast vierzigjährige Tradition mit einer tiefen Verwurzelung in der Bevölkerung der Region spricht genauso dagegen wie die Tatsache, das da keine an Gewinn– und Verlustrechnung orientierte Veranstaltungsagentur bei der Organisation am Werk ist sondern ein Verein, in dem viele der Läufer selbst auch wieder Mitglied sind. Ein Exot eben und vielleicht genau deshalb so bemerkenswert.

      Nicht wirklich verändert hat sich trotz der deutlichen Rückgänge allerdings der Abstand zum Münster Marathon, dem nächsten in der Reihenfolge. Er beträgt weiterhin etwa vierhundert Läufer. Denn wirklich nur ganz knapp liegen die Westfalen unterhalb der thüringischen Verlustzahlen. Und haben damit auch innerhalb von fünf Jahren praktisch einen vollen Tausender eingebüßt.

      Allerdings startete man damals gerade einmal als Nummer elf im Land und hat in der Folge eben dreimal Platz acht und zweimal sogar sieben zu Buche stehen. Selbst Verluste von einem Drittel des Ausgangswertes können sich also relativieren, wenn es die Konkurrenz in der gleichen Zeit noch heftiger gebeutelt hat.

      Dass dreihundertfünfzig Teilnehmer weniger allerdings schon für Platz drei und vier in der sicher recht unbeliebten Hitparade des größten Schwundes ausreichen, belegt andererseits die Ausgeglichenheit und breite Streuung der Rückgänge. Die großen Abstürze, die man in der Vergangenheit immer wieder einmal beobachten konnte, sind – zumindest in absoluten Zahlen – in diesem Jahr eigentlich mit Ausnahme von Köln ausgeblieben.

      Doch während sich die anderen Platzhirsche gut aus der Affäre gezogen haben, sind es erneut die kleinen und mittelgroßen Rennen, die es nun nicht zum ersten Mal getroffen hat. Eine ganze Reihe von ihnen ist in den letzten Jahren mehr als halbiert worden. Und kaum eine Veranstaltung im dichtgedrängten Mittelfeld hat 2010 dazu gewonnen. Von den zehn Marathons zwischen tausend und zweitausend Teilnehmern nämlich ganze drei.

      Den größten Sprung hat dabei der Traditionslauf in Duisburg gemacht, der mehr als zweihundert Läufer zulegte. Nicht allzu unwahrscheinlich ist sicherlich, dass man dabei – wie übrigens vor Jahren schon einmal – vom ausgefallenen Ruhrmarathon profitierte und manch einer dann eben den Rhein-Ruhr-Marathon in der Stahlstadt mit dem größten deutschen Binnenhafen als Alternative wählte.

      Fast genauso wichtig dürfte sein, dass die Vierstelligkeit, die man im Vorjahr erstmals seit den Anfangstagen Anfang der Achtziger wieder verpasste, nun wieder erreicht werden konnte. Dass die Zahl der Veranstaltungen in diesem Bereich dennoch bei zehn verharrte, lag am Bremer Lauf, der seinem Auf und Ab der letzten Jahre eine neue Negativmarke hinzufügte.

      Den zweiten Gewinner neben Duisburg im Mittelfeld findet man in Hannover, wo der im Vorjahr mit dem Wechsel vom Zwei-Runden-Kurs auf eine einzige große Schleife begonnene Aufwärtstrend sich fortsetzt. Fast sechzehnhundert Läufer waren diesmal am Maschsee unterwegs. Erstmals in den letzten Jahren gehört man damit zu den zehn teilnehmerstärksten Marathons, verbessert sich von Rang dreizehn (mit Ruhr Dortmund) auf neun.

      Fast noch besser liest sich die mittelfristige Entwicklung. Gehört man doch zu jenen wenigen Veranstaltungen in dieser Größenordnung, die auch im letzten halben Jahrzehnt ihre Teilnehmerzahlen auf der Königsdistanz leicht steigern konnten. Für Hannover bedeutet das einen gewaltigen Sprung in der Ranglistenposition, war man doch 2005 nur als Dreiundzwanzigster aufgeführt.

      Sicherlich eher zufällig, aber eben doch bemerkenswert ist es, dass die beiden echten Gewinner im Mittelfeld eher zu den älteren Marathons im Land gehören, also nicht erst in den Boomjahren um den Jahrtausendwechsel entstanden sind. Denn auch in der Leinestadt wird bereits seit 1991 gelaufen.

      Dass man in der Leinestadt dabei allerdings sowohl schon einmal mehrere tausend Läufer am Start hatte als auch schon mit sieben- bis achthundert ums Überleben kämpfte, macht die Gesamteinordnung nicht leichter. Erfolg und Misserfolg sind in der Regel eben nur eine Frage des Bezugspunktes. Wenn man lange genug sucht, wird man immer für beides Belege finden können.

      Streng genommen und rein mathematisch gesehen hat auch der Dresdner Stadtmarathon im Oktober noch zugelegt. Doch eigentlich kann man angesichts von fünfzehn Marathonis Differenz aus statistischer Sicht eher von einer Punktlandung und nicht von einer tatsächlichen Veränderung nach oben sprechen.

      Das "im Oktober" ist dabei durchaus wichtig, gibt es doch in der Hauptstadt des Freistaates Sachsen mit dem auf einer Punkt-zu-Punkt-Strecke am Fluss entlang führenden Oberelbe-Marathon noch einen zweiten, praktisch gleichgroßen Lauf im Frühjahr. Dresden kann damit als einzige Stadt gleich zwei Rennen in die ersten zwanzig bringen.

      Als Achtzehnter schafft es der Oberelbe Marathon noch als Letzter in die Vierstelligkeit, muss allerdings wie die meisten anderen Veranstaltungen dieser Kategorie Verluste im Bereich zwischen ein- und zweihundert Marathonis hinnehmen. Ausreißer mit jeweils sogar über dreihundert Zieleinläufen Schwund sind Bonn und Mainz, wo sich ein schon in den letzten Jahren festzustellender Abwärtstrend weiter fortsetzt.

      Während im früheren politischen Zentrum der Bundesrepublik langsam aber sicher die Tausendermarke bedrohlich nahe kommt, liegen die Rheinhessen davon zwar noch ein Stück entfernt. Mit etwas über vierzehnhundert Zieleinläufen belegt man sogar immerhin noch Platz zehn. Doch waren es vor gerade einmal fünf Jahren noch rund achtzehnhundert mehr, schließlich zählte man damals volle 3184 Marathonis.

      Die deutschen Meisterschaften, die zuletzt die Bilanz mit zusätzlichen Startern noch ein wenig geschönt haben, sind nach Hamburg weiter gezogen. Wenn es nicht gelingt, das Ruder herum zu reißen, kommt man damit nun langsam in Regionen, in denen irgendwann die Frage auftauchen wird, ob man dafür denn wirklich die gesamte Stadt lahmlegen muss.

      Das gilt natürlich nicht nur für Mainz oder Bonn. Auch anderswo sieht es nicht besser aus. Die Freiburger Zahlen sind in ihrer stetig fallenden Kurve zum Beispiel fast deckungsgleich. Und auch in Mannheim, wo man sich diesmal ebenfalls gerade noch über die Tausendermarke gerettet hat, sieht es nicht besser aus.

      Selbst wenn der mit inzwischen achtundvierzig Auflagen älteste deutsche Marathon in Essen in diesem Zeitraum ebenfalls von Jahr zu Jahr stetig leicht verloren hat, insgesamt fast fünfhundert Teilnehmer, sieht seine Situation doch noch ein wenig besser aus. Bei einem Rennen, das nicht in der Innenstadt sondern auf Radwegen und Nebenstraßen rund um den Baldeneysee ausgetragen wird, ist dort die kritische Masse sicher ein wenig anders definiert.

      Auch Karlsruhe, ebenfalls nach knapp drei Jahrzehnten Geschichte ein eher altgedienter Lauf, ist trotz konstant fallenden Werten und einem Rückgang von sechshundert Läufern in den letzten fünf Jahren zumindest verglichen mit der Konkurrenz noch einigermaßen glimpflich davon gekommen.

      In der Summe gingen 2010 bei den zehn Läufen im Bereich von tausend bis zweitausend Teilnehmern jedenfalls rund zwölfhundert Zieleinläufe verloren. Das ist zwar durchaus eine Menge, allerdings liefern auch diese Rennen noch immer nicht den Großteil der Rückgänge. Vielmehr stammen diese aus der nächstniedrigeren Größenklasse ab fünfhundert.

      Denn zum einen ist die Zahl der in diesen Bereich einsortierten Veranstaltungen auf sechszehn zurück gegangen, weil unter anderem Klassiker wie Steinfurt und der Bräunlinger Schwarzwaldmarathon aus ihm herausgefallen sind. Zum anderen haben von den übriggebliebenen die meisten auch noch weitere Verluste verkraften müssen, mehr als die Hälfte davon sogar im zweistelligen Prozentbereich.

      Selbst die absoluten Zahlen sind zum Teil ziemlich deutlich. Regensburg hat dabei mit über dreihundert Marathonis weniger und einem Absturz von neun- auf weniger als sechshundert Zieleinläufen den Vogel abgeschossen. Den Landschaftsläufen aus Monschau und dem Weiltal gingen ebenfalls rund zweihundert Teilnehmer verloren.

      Das positive Gegenbeispiel ist Kassel, wo man in diesem Jahr um über zwanzig Prozent auf rund siebenhundert Teilnehmer zulegte. Ob diese Entwicklung jedoch von großer Dauer ist, wird sich zeigen müssen. Ein gewisser Neugier-Effekt auf die in diesem Jahr erstmals gelaufene große Runde ist nämlich fast zu vermuten.

      Sicher haben die guten Ergebnisse der Vergangenheit die Trauben überall ein bisschen höher gehängt, vielerorts vielleicht für die Zukunft auch zu hoch. So manches Potential ist aufgrund der Anfangserfolge wohl durchaus ein wenig überschätzt worden. Umgekehrt muss man allerdings fragen, ob man einen Marathon mit tausend oder fünfzehnhundert Teilnehmern als Enttäuschung empfinden würde, käme man ursprünglich von fünfhundert anstatt von dreitausend Startern.

      Dennoch ist Luft für einige der Läufe langsam wirklich dünn geworden. So mancher, der da werbemäßig noch wie eine Großveranstaltung von nationaler Bedeutung daherkommt, ist in Wahrheit längst auf das Teilnehmerniveau eines von einem Verein ausgerichteten Dorfmarathons – was gar nicht despektierlich gemeint ist – zurück gefallen.

      Schon jetzt hat ein erster Veranstalter, nämlich der aus Potsdam, für das nächste Jahr verkündet, keinen Marathon mehr ausrichten zu wollen, sondern sich auf die Halbdistanz zu beschränken. Dabei hatte man dort sogar keineswegs schwere Einbrüche zu verzeichnen, sondern konnte eigentlich seit Jahren ein recht konstantes Interesse zwischen vier- und fünfhundert Läufern verzeichnen.

      Weitere Opfer sind fast zu erwarten, sollte sich der Trend weiter bestätigen. Allerdings muss man ziemlich vorsichtig sein, wenn man eine Entwicklung einfach immer weiter fortschreibt. Zwar wird das für Prognosen immer wieder gerne versucht. Doch in den seltensten Fällen erzielt man damit langfristig wirklich zutreffende Ergebnisse. Zu vielfältig und unkalkulierbar sind eben die Einflüsse.

      Wer vor einem knappen Jahrzehnt in Zeiten des großen Aufschwungs der deutschen Marathonszene einen solchen Rückschlag vorhergesagt hätte, wäre wohl verlacht worden. Nichts anderes dürfte jetzt passieren, wenn man für die nächsten Jahre eine Erholung oder gar neue Rekordwerte prophezeit.

      Doch in der Wissenschaft ist es üblich, nicht nur Indizien für die Bestätigung der eigenen Thesen zu suchen, sondern vor allem Gegenargumente, um diese zu widerlegen. Und ein Blick über den großen Teich in die Vereinigten Staaten zeigt, dass dort nach einem Rückgang sowohl die Zahl der Marathons als auch die Zahl der Marathonläufer wieder steigt und inzwischen sogar erneut neue Höchstmarken erreicht.

      Weshalb soll etwas Ähnliches hierzulande in Zukunft denn wirklich undenkbar sein? Wer von den alten Haudegen, die vor zwanzig oder mehr Jahren ihr zeitintensives Hobby in der Firma möglichst nicht ansprachen, um nicht gefragt zu werden, ob sie nichts besseres mit sich anzufangen wüssten, oder gleich ganz für verrückt erklärt zu werden, hätte sich schließlich je träumen lassen, dass ein Marathonlauf einmal gesellschaftlich zum guten Ton gehören würde?

      Teil 2: Das Ranking

      Ab 200 Teilnehmer kommen wir zum heutigen Stand auf 59 Marathons. Der Kevelaer Marathon und der Gorch Forck haben die Hürde geschafft und sind neu dabei. Die Zwillingsmarathons Ruhr Dortmund und Ruhr Oberhausen haben 2010 nicht mehr stattgefunden, sind aber im Ranking 2009 noch aufgeführt.

      Teil 3: Die Gewinner und Verlierer

      Zur besseren Übersichtlichkeit sind nur die 24 Marathons grafisch aufgeführt, die aus den Marathons ab 300 Finisher eine signifikante Änderung aufweisen. Genauer, auf der Plusseite alle mit einem Zuwachs ab 35 , auf der Minusseite alle ab 150 weniger im Ziel

      In der Grafik fehlen: Dresden Stadt (+15), Heilbronn (-1), St. Wendel (-5), Kandel (-6), Füssen (-18), Postdam (-25), Rursee (-55), Fürth (-61), Lübeck (-70), Schwarzwald (-85), Ulm (-99), Dresden Oberelbe (-111), Brocken Marathon (-113), Mittelrhein Marathon (-129), Bremen (-135), Leipzig (-140), Bottwartal (-145) sowie Steinfurt (-148).

      Zur besseren Übersichtlichkeit sind nur die 24 Marathons grafisch aufgeführt, die aus den Marathons ab 300 Finisher eine signifikante Änderung aufweisen. Genauer, auf der Plusseite alle mit einem Zuwachs ab 7 Prozent, auf der Minusseite alle ab 13 Prozent weniger im Ziel

      In der Grafik fehlen: Düsseldorf (+3,90%), Hamburg (+1,64%), Dresden Stadt (+1,28%), Frankfurt (+0,64%) Heibronn (-0,16%), Kandel (-0,96%), St. Wendel (-1,56%), Füssen (-2,74%), Berlin (-2,87%), Postdam (-5,35%), Fürth (-9,56%), Dresden Oberelbe (-9,81%), Ulm (-11,07%), Karlsruhe (-11,13%), Essen (-11,15%), Rennsteiglauf (-11,23%), Rursee (-11,68 %) sowie Münster (-12,70%).

      Teil 4: Halbmarathon kontra Marathon

      Vom Rahmenprogramm zum Hauptereignis

      "Marathon", so steht es auf den Ausschreibungen und Plakaten, so lauten auch die Internet- und Postadressen. Kaum eine deutsche Großstadt, in der es keine Laufveranstaltung unter dieser Bezeichnung gibt. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Gibt es da wirklich nur einen Wettbewerb über jene allseits bekannten 42,195 Kilometer, wie der Name verspricht?

      Nun, man muss sich nicht einmal besonders intensiv mit dem Thema befassen, um zu erkennen, dass es wohl eher nicht so ist. Denn praktisch jeder kennt einen jener Marathons, die zusätzlich noch eine oder sogar mehrere weitere Distanzen im Angebot haben. Eigentlich kann man zumeist sogar mehrere davon nennen.

      Aber wenn es dann gilt, deren Anzahl zu schätzen, dürfte man doch ein wenig überrascht sein. Betrachtet man sich die fünfzig, sechzig oder auch siebzig größten Marathons im Land einmal etwas genauer, lässt sich nämlich feststellen, dass tatsächlich gerade einmal drei von ihnen keine weitere Erwachsenen-Laufstrecke ausschreiben.

      Und das sind neben dem kleinen, fast ein wenig exotisch wirkenden Sechs-Runden-Wintermarathon von Kevelar am Niederrhein, eben nur die beiden ganz großen Rennen in Berlin und Hamburg. Auch darüber hinaus kann man eine gewisse Tendenz zur Einheitlichkeit feststellen, haben doch bis auf ungefähr ein Dutzend alle anderen einen Halbmarathon in ihrem Programm.

      Einige weitere besitzen zudem aufgrund der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten einen Lauf, der zwar nicht genau 21,1 Kilometer lang ist, sich aber in Regionen zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Kilometern bewegt, so dass man wirklich nahezu überall auf einen kürzere Distanz ausweichen kann und nicht über den vollen Marathon gehen muss.

      Wo diese Wahl nicht existiert – was allerdings nicht einmal zwei Hände voll Veranstaltungen betrifft – findet man dann wenigstens die Möglichkeit, sich die lange Strecke mit anderen zu teilen. Einige Marathons bieten sogar sowohl eine Halbdistanz als auch eine Staffel an. Und manche Programme gestalten sich durch weitere Zusatzangebote wie Zehner oder verschiedene Staffelvarianten noch wesentlich unübersichtlicher.

      Bemerkenswert ist sicher, dass unter den acht größten deutschen Marathons immerhin fünf keinen Halbmarathon im Programm haben. Denn auch der in den letzten Jahren zur sicheren Nummer drei gewordene Lauf in Frankfurt und die nordrhein-westfälischen Rennen in Düsseldorf und Münster setzen auf eine Staffel als Ergänzung.

      Natürlich treibt man damit die Teilnehmerzahlen durchaus nicht ohne Absicht ebenfalls nach oben und sichert zudem die eigene finanzielle Basis durch zusätzliche Startgelder. Eine Deckelung der Anmeldungen, wie sie sowohl in Frankfurt als auch in Münster und Düsseldorf praktiziert wird, zeigt jedoch, dass man zumindest dort den Bogen nicht überspannen will und sich gegebenenfalls auch selbst Konkurrenz machen will.

      Diesbezüglich eine völlig andere Ansicht hat man allerdings in München und Köln, bei den viert- und fünfgrößten Marathons im Land. Denn nicht nur eine Halbdistanz sondern auch noch ein Zehner machen das Angebot auch für Individualisten ziemlich weit gefächert. Und zumindest am Rhein spielt die Langstrecke schon längst nicht mehr die erste Geige, kommen auf drei Marathon- doch immerhin bereits fünf Halbmarathonläufer.

      In der bayerischen Hauptstadt fällt das Verhältnis dagegen noch vier zu drei in die andere Richtung aus. Allerdings wurden die einundzwanzig Kilometer in diesem Jahr neu eingeführt. Und auch in Köln war der Marathon bei der Premiere der halb so langen Distanz noch deutlich stärker. Wenig später war die Verteilung schon gekippt. Ob das gleiche Erlebnis den Münchnern erspart bleibt, wird sich zeigen müssen.

      Im dicht geballten Mittelfeld hinter den Spitzenplätzen wird der Halbmarathon angesichts der dort inzwischen auf deutlich unter zweitausend Teilnehmer abgesunkenen Königsdistanz jedoch fast schon zur Pflicht. Der Organisationsaufwand, den ein echter Stadtmarathon mit sich bringt, wäre für zwölf-, dreizehn oder fünfzehnhundert Läufer kaum sinnvoll.

      Von den nächsten zwanzig der Rangliste verzichtet nur der Traditionslauf in Essen auf den Halben. Doch führt dieses Rennen im Gegensatz zu den meisten anderen Veranstaltungen dieser Größenordnung eben auch nicht mitten durch die Stadt sondern im Grünen rund um den Baldeneysee. Die dann obligatorische Staffel gibt es an der Ruhr jedoch ebenfalls.

      Durchaus vergleichbar sind die Werte also, in Bezug auf die absoluten Teilnehmerzahlen als auch im Hinblick auf das Verhältnis zum großen Bruder. So ist hinter dem auf von elf- auf noch immer etwas über neuntausend Läufer abgefallenen Kölner Marathon-Halbmarathon derjenige einer anderen Karnevalshochburg der zweitstärkste. Mehr als sechstausend absolvieren nämlich in Mainz die einundzwanzig Kilometer.

      Schon im Vorjahr waren es ähnlich viele. Da man beim Marathon jedoch erneut auf nun nur noch gut vierzehnhundert Zieleinläufe abgesackt ist, liegt das Verhältnis erstmals über der Marke von vierhundert Prozent. In der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, wo bei einem gemeinsamen Start alle das gleiche Startgeld bezahlen, lassen also vier von fünf Gemeldeten eigentlich einen Teil davon ungenutzt verfallen.

      Die zweite Runde wird für die Marathonis jedenfalls deutlich einsamer. Nicht nur wegen der fehlenden Begleiter. Auch die Zuschauer wandern zum Teil bereits ab, nachdem "ihre" Läufer schon im Ziel sind. Mainz, wo man anfangs einst beide Strecken etwa gleich besetzt hatte, ist sicher ein Paradebeispiel dafür, wie aus dem Haupt- ein Rahmenwettbewerb werden kann und sich umgekehrt das Beiprogramm zum dominierenden Ereignis wandelt.

      Kaum anders verhält es sich ein Stück rheinaufwärts im Breisgau. Auch die Freiburger Organisatoren haben – bei allerdings getrennten Starts und einer sich fast über den ganzen Tag ausdehnenden Veranstaltung – knapp sechstausend Halbmarathonis aber gerade noch dreizehnhundert Marathonis auf ihrer Zwei-Runden-Strecke.

      Nur unwesentlich kleiner als in Mainz und sogar ein paar Köpfe zahlreicher als in Freiburg ist das Feld bei den Rennsteigläufen, es bewegt sich nämlich ebenfalls im Bereich von sechstausend. Da sich dort jedoch der Marathon noch doppelt so stark präsentiert, immerhin ist man der siebtgrößte deutsche Lauf über diese Distanz, fällt die Relation nur mit zwei zu eins deutlich besser aus.

      Doch ohnehin muss man am Thüringer Höhenweg ein wenig anders gewichten. Denn nicht der Marathon ist das wichtigste Ereignis. Er ist selbst ja nur der Nebenbewerb. Er ist nur der "Kurze", wie ihn die alten Rennsteig-Haudegen nennen, die sich noch an Zeiten erinnern, in denen es nur zwei Streckenlängen gab. Schon damals und auch heute noch hat dort jedenfalls der dreiundsiebzig Kilometer lange Ultra den höchsten Stellenwert.

      Betrachtet man nur das Marketing hat diesen bei allen Veranstaltungen ansonsten zwar immer noch der Marathon. Doch die Zahlen sagen inzwischen etwas anderes. Mainz und Freiburg sind – wenn auch beide über dem Durchschnitt – nämlich mit ihrer Verteilung zwischen den Distanzen keineswegs Ausreißer.

      Während bei den in der Datensammlung von LaufReport auftauchenden Halbmarathon-Marathon-Kombinationen 2010 nämlich gut zweiundvierzigtausend Teilnehmer über die lange Strecke einliefen, waren es auf der kurzen mehr als hundertzwölftausend. Woraus sich auch hier ein Verhältnis von 265 Prozent zugunsten des Halben ergibt.

      So schlecht die Kölner mit ihrer Verschiebung zum kürzeren Lauf auf den ersten Blick also auch dastehen, bei den meisten anderen sieht es noch viel ungünstiger aus. Nur etwa ein Dutzend Veranstalter kommt überhaupt auf eine bessere Quote. Und neben den Münchnern hat nur noch der bayrische Nachbar aus Füssen einen stärkeren Marathon.

      Wobei man hier ähnlich wie beim jedes Jahr ziemlich genau bei einem Verhältnis von eins zu eins landenden Hornisgrinde Marathon in Bühlertal ein kleines Fragenzeichen machen muss, ob er überhaupt gewertet werden sollte. In beiden Fällen starten die Läufe nämlich nicht am gleichen Tag. Vielmehr haben die Organisatoren den Halben samstags und den Ganzen sonntags angesetzt.

      Ansonsten bleibt nur noch der Usedom Marathon zwar knapp über, aber mit einem Faktor von 1,03 eben doch ziemlich genau auf einem ausgeglichenen Verhältnis. Dass man aus den danach folgenden Kyffhäuser-Berg-Marathon von Bad Frankenhausen mit 116 und Harzgebirgslauf von Wernigerode mit 133 Prozent folgern könnte, bei ostdeutschen Läufen gäbe es eine andere Entwicklung, wäre sicher eine Überinterpretation.

      Schließlich lassen sich der sogar ein wenig näher bei eins zu fünf als an eins zu vier liegende Mitteldeutsche Marathon in Halle oder der knapp unter vierhundert Prozent zu findende Lauf von Leipzig als Gegenbeispiele vorbringen. Und der Schlösser-Marathon aus Potsdam macht, nachdem diesmal sechsmal so viele Halbmarathonis unterwegs waren, Nägel mit Köpfen und streicht für 2011 die Langdistanz aus dem Programm.

      Konsequent ist das sicherlich. Der eigentliche Hauptwettbewerb wird nun endlich auch offiziell zu einem solchen. Ob sich ohne die Bezeichnung "Marathon" allerdings in den nächsten Jahren auch weiterhin ausreichend zahlungskräftige und -willige Sponsoren finden lassen, muss man erst noch abwarten. Und selbst der Teilnehmerzuspruch beim Halbmarathon könnte – so seltsam es auch klingen mag – durch das fehlende Etikett einen Knacks erhalten.

      Damit waren die Brandenburger allerdings keineswegs die Rekordhalter bezüglich Ungleichgewicht zwischen den beiden Strecken. Diese Position ist schon länger für den Trollinger Marathon aus Heilbronn reserviert, der regelmäßig in der Nähe von eins zu sieben ankommt und diese Marke in diesem Jahr sogar deutlich überbietet. Während sich die Zahl der Halbmarathonis immer mehr den fünftausend nähert, stagnieren die Werte auf der Langdistanz zwischen sechs- und siebenhundert.

      Und auch der Marathon im hohenlohischen Niedernhall liegt jenseits der siebenhundert Prozent, läuft jedoch spätestens seit diesem Jahr, in den man über zweiundvierzig Kilometer auf nur noch 158 Läufer absackte, als "Kleinveranstaltung" eigentlich außer Konkurrenz. Ähnliches gilt auch für den noch etwas kleineren Wiedereinsteiger Saarbrücken, bei dem fast ein sechs zu eins festzustellen ist.

      Am anderen Ende der Skala lässt sich übrigens auch noch der zumindest bezüglich der Läufer auf der Langdistanz in die gleiche Größenkategorie fallende Eifel-Marathon in Waxweiler entdecken, der allerdings nicht einmal ein Zehntel des Niedernhaller Quotienten zu bieten hat und damit eine weitere Veranstaltung mit einer stärker besetzten Langstrecke ist.

      Ulm und Bonn landen ebenfalls noch oberhalb der Fünfhundert-Prozent-Marke und können sich über 4352 bzw. 5544 Halbmarathonis "freuen". 795 und 1053 sind dagegen die eher schwachen Vergleichswerte für die namensgebende Königsdistanz. So weit ist man damit von Heilbronn wahrlich nicht weg. Ein in absoluten Zahlen kleiner Rückgang im Marathon kann in diesen Bereichen schließlich schon massive Auswirkungen haben.

      Hannover überbietet zwar ebenfalls die fünftausend Teilnehmer auf den einundzwanzig Kilometern, kann sich durch das diesjährige Wachstum der doppelt so langen Strecke auf etwas über fünfzehnhundert Läufer in einen Wert von knapp über dreihundert Prozent "retten". Karlsruhe liegt mit knapp unter fünftausend beim Halben fast gleichauf, aufgrund beinahe zweihundert Marathonis weniger als die Niedersachsen allerdings bei einem deutlich höheren Verhältnis.

      Im Bereich des dichtgedrängten Marathonmittelfeldes, das man vielleicht einmal grob zwischen fünfhundert und fünfzehnhundert Teilnehmern festlegen kann, sind Relationen von drei zu eins oder mehr jedenfalls völlig normal. Neben den schon erwähnten Läufen von München, Köln und dem Rennsteig, die aufgrund ihrer Größe natürlich entsprechende Auswirkungen auf den Mittelwert haben, bleiben zum Beispiel noch Würzburg und Bremen unter dem Gesamtdurchschnitt.

      Der Marathon Deutsche Weinstraße trifft ihn ziemlich genau. Und auch dem Dresdner Stadtmarathon im Herbst gelingt diese Punktlandung. Sein Gegenstück im Frühling am Elbufer schafft es allerdings unter ein Verhältnis von zwei zu eins, wobei man wohl den Effekt berücksichtigen muss, dass die Punkt-zu-Punkt-Strecke ihre landschaftlichen Höhepunkte im ersten, den Marathonis vorbehaltenen Teil hat.

      Liest man all dies, könnte man zu der Ansicht kommen, die an die Marathonläufe angeschlossenen Halbmarathons hätten an Teilnehmern zugelegt. Schließlich ist ihr Anteil an den Gesamtveranstaltungen in der Regel weiter gestiegen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Zieht man nämlich einen dicken Strich unter die Auflistung und zählt alles zusammen, bleiben auch auf der kurzen Strecke rund zehntausend Teilnehmer weniger als im Vorjahr übrig.

      Das sind sogar einige tausend mehr als die Gesamtverluste im Marathonbereich. Da jedoch die drei größten Rennen Berlin, Hamburg und Frankfurt, auf der einen Seite keine Halbdistanz anbieten und auf der anderen Seite auch kaum Verluste zu verzeichnen haben, schlagen diese gerade bei den Läufen im Mittelfeld doppelt durch.

      Zum einen müssen sie fast den gesamten Rückgang tragen. Zum anderen wiegen zum Beispiel zweihundert Marathonis weniger bei einem Gesamtfeld von nur noch zwölfhundert in der Relation eben deutlich heftiger, als wenn auf der anderen Seite der Gleichung dreihundert von fünftausend Halbmarathonis fehlen.

      Mit dem im Vorjahr noch in die Gesamtsumme eingelaufenen, diesmal jedoch ausgefallenen Ruhrmarathon kann man auch nicht argumentieren. Denn die dadurch weggefallenen fünftausend Läufer werden durch den neu eingeführten Halben in München nahezu vollständig aufgefangen.

      So haben auch die meisten nicht nur im Marathon- sondern auch im Halbmarathonbereich einen Teilnehmerschwund zu verzeichnen. Meist jedoch nur mit einstelligen Prozentsätzen. Neben Köln hat von den größeren Veranstaltungen nur noch Karlsruhe einen zweistelligen Wert. Doch bleiben beide noch klar unter einem Minus von zwanzig Prozent.

      Erst bei den kleineren Läufen werden die Zahlen dann höher, sind zumeist zweistellig und in einigen Fällen gibt es auch ein Fünftel oder sogar ein Viertel weniger als im Vorjahr. Allerdings lässt sich dort auch der eine oder andere Gewinner entdecken. Und man muss wohl einräumen, dass angesichts der kleineren Basis Zufallseffekte wie das Wetter oder Terminüberschneidungen deutlich schneller und viel stärker durchschlagen.

      Ganz egal, ob man sich nun alle oder nur die größeren Rennen ansieht, der absolute Gewinner im Halbmarathon heißt Duisburg, wo man angesichts eines Plus von achthundert Läufern und damit von dreißig Prozent genauso eindeutig vom Ende des Ruhrmarathons profitiert hat wie auf der doppelt so langen Distanz.

      Dass man einen Trend hin zum Halbmarathon verkünden könnte, ist also – zumindest wenn man die Marathons mit angeschlossener Kurzdistanz betrachtet – so auch nicht richtig. Abgesehen von den separaten Veranstaltungen in Berlin – fast natürlich auch auf dieser Strecke ebenfalls Marktführer – und Hamburg kommen allerdings die teilnehmerstärksten Rennen aus genau dieser Kategorie.

      Sie haben sich in den letzten Jahren in vielen Fällen innerhalb ihrer Gesamtveranstaltung längst zum absoluten Hauptereignis entwickelt, das den Marathon an den Rand drängt. Ob in Zukunft weitere Organisatoren mit notleidender Langstrecke dem Potsdamer Beispiel folgen und ganz auf den Halbmarathon setzen, wird sich zeigen. Dass man schon hier und da mit diesem Gedanken gespielt hat, lässt sich jedenfalls vermuten.

      Teil 5: Die Frauenquote

      Auf einem langen Weg zur Emanzipation

      Einundfünfzig Prozent der Einwohner Deutschlands sind weiblich. Auf den ersten Blick wäre also eigentlich davon auszugehen, dass etwa die Hälfte der Starterfelder bei Laufveranstaltungen aus Frauen besteht. Wer regelmäßig die Schuhe schnürt und an eine Startlinie tritt, dem ist allerdings vollkommen klar, dass das nicht so ist. Noch immer ist die – wenn auch nur kleine – Mehrheit der Bevölkerung nämlich deutlich unterrepräsentiert.

      Doch wie hoch ist der Frauenanteil eigentlich? Kann man bei ihrer Beteiligung an Wettkämpfen vielleicht sogar abhängig von der Art der Veranstaltung gewisse Unterschiede und Tendenzen erkennen. Selbst wenn es aus statistischer Sicht zur Verbreiterung der Datenbasis und der damit verbundenen besseren Kompensation von Zufallseffekten oder Ausreißern absolut sinnvoll wäre, ist es angesichts von mehreren Tausend Läufen im DLV-Kalender natürlich kaum möglich, alle auszuwerten.

      Doch zumindest für den Marathonbereich ist es durchaus machbar. Und so gehört zum jährlichen LaufReport-Rückblick auf die deutsche Marathonszene inzwischen längst auch ein Blick auf das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmern sowie dessen Entwicklung im Verlauf der letzten Jahre.

      Also wie hoch ist denn der Frauenanteil bei den hiesigen Marathons? Und wie hat er sich verändert? Nun er ist auch im letzten Jahr erneut gestiegen. Doch rechnet man die Teilnehmerzahlen aller ungefähr siebzig Marathons in der LaufReport-Datensammlung zusammen, ergibt sich gerade einmal ein Prozentsatz von 18,75. Das ist zwar fast ein Prozentpunkt mehr als 2009, doch ist dieser Wert natürlich noch immer ziemlich weit von einer auch nur halbwegs gleichen Verteilung entfernt.

      Bei dieser Form der Berechnung schlägt sich natürlich der Berlin Marathon, der inzwischen fast ein Drittel aller Zieleinläufe in Deutschland verzeichnet, besonders nieder. Wertet man alle Veranstaltungen völlig unabhängig von der Größe gleich, indem man zuerst die jeweilige Frauenquoten berechnet und aus diesen dann einfach den Mittelwert nimmt, sieht das Ergebnis schon ein wenig anders aus. Denn dann landet man gerade einmal bei fünfzehn Prozent.

      Der sich daraus ergebende Umkehrschluss, dass in der Hauptstadt wohl besonders viele weibliche Teilnehmer am Start sein müssen, ist vollkommen richtig. Mit fast zweiundzwanzig Prozent ist sie nirgendwo im Land höher. Gegenüber dem Vorjahr hat man an der Spree damit noch einmal mehr als eineinhalb Prozentpunkte zugelegt. Und während die Zahl der Männer, die in Berlin das Ziel erreichten von 2009 auf 2010 um mehr als dreizehnhundert gefallen ist, kamen diesmal über dreihundert Frauen mehr ins Ziel als bei der vorherigen Austragung.

      Eine Beobachtung, die man durchaus öfter machen kann. Auch bei den wenigen Veranstaltungen, die im abgelaufenen Jahr tatsächlich Wachstum vermelden konnten, geht dieses häufiger oder zumindest stärker auf das Konto des weiblichen Teils des Starterfeldes. Und selbst, wenn auf beiden Seiten Rückgänge zu verzeichnen sind, fällt dieser bei den Frauen tendenziell eher schwächer aus.

      Absolut verallgemeinern lässt sich das allerdings nicht, da durchaus auch Gegenbeispiele zu finden sind. Doch ist der Anteil der Läuferinnen bei fast zwei Dritteln aller Marathons größer geworden. Darunter sind mit Berlin, Hamburg, Frankfurt, München und Köln alle fünf Großen. Und auch in Düsseldorf als Nummer sechs der Rangliste ist der Wert um mehr als einen Prozentpunkt gewachsen.

      Kaum verwundern kann somit dann auch der Gesamtanstieg der Frauenquote. Schließlich ist der übrigbleibende Rest, den alle anderen Veranstaltungen im Land noch zur Summe aller Zieleinläufe beisteuern müssen, kaum größer als ein Drittel. Selbst wenn dort überhaupt keine weiblichen Teilnehmer mehr am Start gewesen wären, würde der Wert bereits bei vierzehn Prozent liegen.

      Abgesehen von Frankfurt finden sich die anderen fünf genannten zudem zum einen unter den zehn Marathons mit dem höchsten Frauenanteil sowie zum anderen auch über neunzehn Prozent und damit oberhalb des Durchschnitts aller Läufe. Das ist nun keineswegs zufällig sondern hat durchaus System. Auch in der Vergangenheit ließ sich nämlich schon die Faustregel erkennen, dass mit der Größe, die ein Marathon insgesamt hat, sich auch der Prozentsatz der Läuferinnen erhöht.

      So liefert Berlin schon seit Jahren stets einen der höchsten Werte und ist 2010 mit 21,84 Prozent sogar der absolute Spitzenreiter. Neben den beiden Marathons des Kyffhäuser-Berglaufs in Bad Frankenhausen und des Röntgenlauf in Remscheid, die aufgrund ihrer um die dreihundert Läufern liegenden Teilnehmerzahlen – drei Frauen mehr oder weniger im Ziel bedeuten also schon ein Quotenprozent – nicht wirklich aussagekräftig sind, lässt sich in der LaufReport-Datenbasis ansonsten auch nur noch Hamburg mit einer zwei als erster Ziffer entdecken. 20,75 beträgt der Wert an Elbe und Alster.

      Schon Köln und München liegen dagegen nur noch ungefähr einen halben Prozentpunkt über dem Gesamtdurchschnitt. Und betrachtet man sich die Größenklasse aller Läufe zwischen fünf- und zehntausend Teilnehmern zusammen, landet dieser wegen des schlechteren, genau ein Prozent unter dem Mittel liegenden Frankfurter Wertes sogar bereits ein wenig darunter.

      Diese Entwicklung setzt sich mit jeder kleineren Gruppierung immer weiter fort. Die drei Veranstaltungen zwischen zwei- und fünftausend Marathonis, zu denen neben Düsseldorf auch noch Münster und der Rennsteiglauf gehören, kommen trotz der noch überdurchschnittlichen Ergebnisse aus dem Rheinland zusammen nicht mehr über die Marke von achtzehn hinaus sondern bleiben ganz knapp darunter hängen.

      Und bei der immerhin zehn Rennen umfassenden Menge aller übrigen Marathons mit vierstelligen Starterzahlen erfolgt dann endgültig ein regelrechter Bruch. Denn selbst wenn es noch den einen oder anderen Lichtblick gibt, schaffen sie es gemeinsam gerade noch auf einen Frauenanteil von 15,3 Prozent. Und keine einzige Veranstaltung kommt noch über den Gesamtdurchschnitt. Von 13,4 beim Herbstmarathon in Dresden bis zu 17,4 in Karlsruhe reicht die Spanne.

      Zwar nimmt die Schwankungsbreite bei den noch kleineren Marathons schon alleine durch den bereits erwähnten größeren relativen Einfluss von in absoluten Zahlen eigentlich eher unbedeutenden Veränderungen etwas zu. Doch die sechzehn Läufe ab fünfhundert und die sogar vierundzwanzig zwischen zwei- und fünfhundert liefern andererseits aus statistischer Sicht eine einigermaßen aussagekräftige Grundmenge.

      Und wenn dabei zusammengerechnet mit 14,6 Prozent für die mittelgroßen und sogar 14,3 bei den kleineren Rennen die niedrigsten Frauenquoten herauskommen, ist das sehr wohl eine erkennbare Tendenz. Zumal ähnliche Beobachtungen seit Jahren zu machen sind. Der weibliche Teil der Läuferschaft scheint jedenfalls ziemlich eindeutig Großveranstaltungen zu bevorzugen.

      Über die Gründe kann man viel spekulieren. Bessere Stimmung am Streckenrand ist sicher ein Argument: Doch bringen dies natürlich auch männliche Läufer zur Begründung ihrer Marathonauswahl vor. Und die vermeintlich schnellere Strecke eines Stadtlaufes muss schon deshalb mit einem Fragezeichen versehen werden, weil man Frauen ja eine deutlich schwächer ausgeprägte Wettkampfneigung nachsagt.

      Und nicht einmal die – wenn das Schnelle schon nicht wichtig sein sollte – relative Einfachheit der flachen Citykurse ist für sich genommen wirklich einleuchtend. Obwohl Frauen auf den ersten Blick anscheinend eher die teilnehmerstarken Stadtmarathons besonders mögen, schafft es nämlich durchaus auch mancher Landschaftslauf mit etlichen Höhenmetern ins Vorderfeld.

      Die Ursachen für die dennoch klar zu erkennende Verteilung zugunsten der Großen im deutschen Marathongeschäft sind auf jeden Fall vielschichtig und sicher nur auf ein Zusammenspiel vieler ganz unterschiedlicher Aspekte zurückzuführen. Wie meist im Leben gibt es eben nicht die einfache und einzig richtige Lösung für eine bei genauerer Betrachtung doch durchaus komplexe Problemstellung mit vielen Nebenbedingungen.

      Ein Effekt, der eventuell auch eine Rolle spielen könnte, ist zum Beispiel die Attraktivität der Metropolen als Reiseziel und der damit verbundene höhere Ausländeranteil bei den dortigen Marathons. Schließlich kann man nicht nur bei den deutschen Rennen sondern auch bei einem etwas weiter gefassten Blick interessante Erkenntnisse gewinnen. So lassen sich zum Beispiel in Europa beim Frauenanteil sowohl ein klares Nord-Süd- als auch ein leichtes West-Ost-Gefälle feststellen.

      Schon der deutsche Sprachraum präsentiert sich nicht wirklich einheitlich. Hinken doch die größten Stadtläufe der südlichen Nachbarn in Zürich mit 15,9 und Wien mit sogar gerade einmal 14,7 Prozent gegenüber den deutschen Spitzenwerten deutlich hinterher. Auf der anderen Seite erreicht der alles andere als ebene Jungfrau-Marathon, der Zürich in der Gunst der Teilnehmer inzwischen wieder überholt hat und erneut zum größten Lauf der Eidgenossenschaft über diese Distanz geworden ist, einen Frauenanteil von knapp unter einem Fünftel.

      Wendet man den Kopf dagegen nach Norden, sieht man, dass die größten skandinavischen Marathons von Stockholm und Kopenhagen sicher oberhalb dieser Marke und damit im Bereich von Hamburg und Berlin landen. Im finnischen Helsinki ist sogar bereits ein Viertel der Teilnehmer weiblich.

      Jenseits der Alpen kommen die italienischen Marktführer Rom, Florenz und Venedig mit einem Frauenanteil von fünfzehn bis siebzehn Prozent bei weitem nicht an die Ergebnisse aus Nordeuropa heran. Doch sind dies noch die besten Werte. Die von den Teilnehmerzahlen dahinter platzierten Rennen aus Mailand, Treviso, Turin, Padua oder Verona können nämlich gerade einmal zehn bis zwölf Prozent bieten.

      Und noch wesentlich trostloser stellt sich die Situation in Spanien dar, wo von den wichtigsten Läufen gerade einmal der nun zur Nummer eins aufgestiegene und bei Laufreisenden recht beliebte Marathon von Barcelona die Zweistelligkeit erreicht. Selbst im als Platzhirsch jetzt abgelösten Madrid kommt man dagegen nur auf sechs Prozent weibliche Beteiligung.

      Die weniger touristisch geprägten, also wirklich spanischen Rennen von Sevilla, Valencia oder San Sebastian bleiben auf noch niedrigeren Werten hängen und können froh sein, wenn überhaupt ein Zwanzigstel des angetretenen Feldes aus Frauen besteht. Im Land des Machismo gibt es bezüglich der Emanzipation im Laufbereich anscheinend noch deutlichen Nachholbedarf.

      Am anderen Ende des Mittelmeers in Athen, wo auf der Originalstrecke der einzig wirklich große Marathonlauf Griechenlands ausgetragen wird, liegt der Frauenanteil 2010 dagegen in einer skandinavischen Größenordnung. Doch ist dies eher eine Momentaufnahme. Denn wegen des mit viel Werbeaufwand propagierten zweitausendfünfhundertsten Jahrestags der Schlacht von Marathon war das Feld diesmal fast dreimal so groß wie sonst.

      Und der größte Teil dieses Zuwachses besteht aus ausländischen Startern. Die Gewichte im schon in normalen Jahren – in denen die Frauenquote übrigens um etliche Prozentpunkte niedriger liegt – nicht einmal zur Hälfte aus Griechen bestehenden Feld haben sich damit nochmal verschoben. Wirklich griechisch ist der Marathon mit Start in Marathon eigentlich nicht.

      Die anderen Marathonläufe des Landes – allerdings sind das ansonsten kaum mehr als eine Handvoll, die zudem über wenige hundert Teilnehmer nicht hinaus kommen – zeigen dann eher die von der iberischen Halbinsel wohlbekannten Verhältnisse. Auch bei den beiden einzigen etwas größeren – was in diesem Fall nur gut tausend Starter bedeutet – portugiesischen Läufen in Lissabon und Porto ist nämlich nur etwa ein Zehntel der ins Ziel Kommenden weiblich.

      Da sieht ja sogar die größte frühere Kolonie der ehemaligen Weltmacht an der Südwestspitze Europas besser aus. Denn in Brasilien schaffen es São Paulo auf gute elf und Rio de Janeiro sogar fast auf fünfzehn Prozent Frauen in der Ergebnisliste. Und der größte südamerikanische Marathon in Buenos Aires stellt bei beinahe siebzehn Hundertstel in Bezug auf Emanzipation sämtliche Rennen des einstigen Mutterlandes Spanien locker in den Schatten.

      Prag, der mit knapp fünftausend Läufern bestbesetzte Marathon aus dem längst zum festen Bestandteil des vereinten Europa gewordenen früheren Ostblock, kommt bei knapp siebzehn Prozent Frauenanteil genauso an die Werte der deutschen Nachbarn heran wie die Ungarn aus Budapest, deren Feld sogar noch etwas weiblicher besetzt ist.

      In wie weit diese beiden – sicher auch stark touristisch beeinflussten – Veranstaltungen jedoch typisch für die jeweilige Laufszene ist, kann man nur schwer sagen. Denn außer ihnen können weder Tschechen noch Magyaren ein weiteres Rennen bieten, das auch nur in die Nähe von zweihundert Teilnehmern kommen würde.

      In Polen gibt es dagegen gleich eine ganze Reihe von Veranstaltungen mit tausend oder mehr Läufern. Wohlgemerkt Läufern und nicht Läuferinnen, denn weder beim Teilnehmerranglistenersten aus Posen noch beim fast gleich großen Marathon in der Hauptstadt Warschau oder den etwas kleineren in Breslau und Krakau kommt man wirklich über eine einstellige Frauenquote hinaus.

      Bliebe noch die westliche Blickrichtung, wo die mit jeweils knapp achttausend Zieleinläufen praktisch gleich besetzten Rennen von Amsterdam und Rotterdam in ihren Werten durchaus den deutschen Gegenstücken der entsprechenden Größenkategorie ähneln. Doch liegt die niederländische Hauptstadt eher über dem Durchschnitt des Nachbarn, die Hafen- und Wirtschaftsmetropole dagegen deutlich darunter.

      Auch in Frankreich ist wenig überraschend der absolut dominierende Marathon von Paris – mehr als dreimal so stark wie der nächste Verfolger aus la Rochelle und Nizza – derjenige mit der höchsten Frauenquote. Aber als einzige Veranstaltung aus dem ziemlich exquisiten Klub der Rennen mit mehr als dreißigtausend Teilnehmern bleibt man an der Seine mit 18,5 Prozent trotzdem klar unter der Fünftel-Marke.

      Die anderen Läufe im Land liegen meist noch deutlich darunter. "Niedriger als in Deutschland, höher als in Italien", so könnte man die weibliche Beteiligung bei den Franzosen wohl kurz und knapp beschreiben. Dass der Marathon in Brüssel in dieses Muster gut einfügt und bei weitem nicht an niederländische Ergebnisse heran reicht, passt vielleicht nicht auf den ersten, aber auf den zweiten Blick ins Bild. Spricht man doch in der belgischen Hauptstadt wesentlich häufiger wallonisch als flämisch und gehört deshalb eher zum romanischen als zum germanischen Sprachgebiet.

      Muss man den in Deutschland übliche Frauenanteil – vielleicht einmal abgesehen von ein paar skandinavischen Ausreißern – zu den höchsten weltweit zählen? Die Antwort lautet klar und deutlich: "Nein". Denn noch ist kein Wort über den angelsächsischen Kulturraum gefallen, der sich ja fast über den ganzen Globus verteilt. Und dort lassen sich aus den Ergebnislisten ganz andere Zahlen errechnen.

      In London zum Beispiel, dem im Jahr 2010 mit fast siebenunddreißigtausend Zieleinläufen hinter New York und vor Chicago weltweit zweitgrößten Marathon, besteht ziemlich genau ein Drittel der Teilnehmer aus Frauen. Ein Ergebnis, das der schon mit der Premiere auf Platz drei der britischen Rangliste vorgestoßene Lauf von Brighton sogar noch um ein paar Zehntelpunkte übertreffen kann.

      Das sind nun zwar die absoluten Spitzenwerte auf der Insel, doch keineswegs völlige Ausreißer. Auch in Edinburgh, der Nummer zwei im Königreich landet man nämlich nur hauchdünn unterhalb von dreißig Prozent. Und bei kleineren Läufen lassen sich ebenfalls praktisch keine Frauenquoten finden, die nicht mindestens mit einer zwei beginnen. Zweistellig sind sie ohnehin alle.

      Der inzwischen bei mehr als zehntausend Läufern angelangte Marathon von Dublin – eingefleischte Iren mögen die gemeinsame Erwähnung mit den britischen Rennen verzeihen – fügt sich dabei mit achtundzwanzig Prozent weiblichen Teilnehmern in diese Aufzählung ohne echten Bruch nahtlos ein.

      Am interessantesten ist jedoch, dass die Angelsachsen nicht nur in Europa in dieser Hinsicht die absoluten Vorreiter sind. Auch im Rest des einstigen Empire lassen sich ähnliche Beobachtungen machen. Für die Läufe von Melbourne und Sydney ergibt sich zum Beispiel eine siebenundzwanzig als Ergebnis der Berechnung. Und der Lauf im wichtigsten australischen Urlaubsgebiet an der Gold Coast – teilnehmermäßig noch vor Sydney auf Rang zwei im Land – reicht beim Frauenanteil sogar beinahe an die Londoner Zahl von einem Drittel heran.

      Fast genau den gleichen Wert hat man auch unter den gut zweitausend Marathonis im neuseeländischen Auckland. Und beim nur unwesentlich kleineren Traditionslauf in Rotorua wird sogar die Vierzig-Prozent-Marke geknackt. Quoten, die am "schönsten Ende der Welt" eher die Regel als die Ausnahme sind.

      Ja sogar in Südafrika, das auf der einen Seite sehr wohl eine westlich geprägte Industrienation, auf der anderen Seite aber auch noch Entwicklungsland mit traditioneller afrikanischer Kultur ist, sind mehr Frauen auf den Laufstrecken unterwegs als im "zivilisierten" Europa. Bei etwa einem Viertel pendelt man sich in den meisten Rennen am Kap ein.

      Und zwar nicht nur über die Marathondistanz. Auch der sechsundfünfzig Kilometer lange Two Oceans trifft fast exakt diese Größenordnung. Und sogar beim noch einmal dreißig Kilometer längeren Comrades wird der Berliner Rekordwert etwas übertroffen. Knapp zweiundzwanzig Prozent des praktisch rein südafrikanischen Feldes ist nämlich weiblich. Nur zum Vergleich, in Biel und am Rennsteig besteht das Feld jeweils nur zu etwa fünfzehn bis sechzehn Prozent aus Läuferinnen.

      Die absoluten Höchstwerte für weibliche Beteiligung an Marathons findet man jedoch im bekanntlich ebenfalls englischsprachigen Nordamerika. Die 35,8 Prozent, die der im Jahr 2010 mit Abstand größte Lauf über diese Distanz – die fast fünfundvierzigtausend Teilnehmer im Ziel bedeuten eine neue Allzeit-Bestmarke – in New York bieten kann, sind dabei noch schwach. Vermutlich schlägt dabei die ziemlich hohe Beteiligung aus Übersee durch.

      Typisch amerikanische Rennen wie die in Bezug auf die Teilnehmerzahlen weltweite Nummer drei aus Chicago, der auf Rang sieben geführte Klassiker aus Boston oder die mit jeweils über zwanzigtausend Marathonis ebenfalls unter den größten Zehn landenden Läufe aus Los Angeles und Honolulu schaffen es dagegen locker über die Marke von vierzig Prozent. Die vom Marine Corps organisierte Veranstaltung in der Hauptstadt Washington, die noch davor auf Platz acht der Liste genannt werden muss, scheitert an ihr nur hauchdünn.

      Ganz im Gegensatz zu Europa ist in den USA der teilnehmerstärkste Lauf mit einer der schwächsten Frauenquoten ausgestattet. Denn selbst wenn man bis zum Fünfundzwanzigsten der dortigen Größenrangliste – im nach einer kleinen Delle längst wieder im Aufwind befindlichen amerikanischen Marathonmarkt sind für solche Platzierungen übrigens noch mehr als viertausend Läufer nötig – zurück blättert, entdeckt man mit dem Marathon in San Francisco gerade einmal einen einzigen Lauf, der den Wert aus New York noch einige Zehntelpunkte unterbietet.

      Alle anderen liegen – zum Teil sogar deutlich – höher. Auch Ottawa, Vancouver und Toronto, wo die bedeutendsten Rennen auf der anderen Seite der längsten Landgrenze der Welt stattfinden – im Süden beim einzigen Nachbarn Kanadas käme man mit deren Teilnehmerzahlen jedoch nur mit Mühe irgendwo in den Bereich von Platz dreißig – zeigen ähnliche Werte. Allerdings schafft man nur in der Olympiastadt an der Westküste eine vier am Anfang.

      In den Vereinigten Staaten, wo inzwischen bei vielen hundert Marathons fast eine halbe Million Zieleinläufe gezählt werden, ist diese erste Ziffer völlig normal. Die Veranstaltungen in den Ferienzielen Honolulu und Disney World können bei achtundvierzig Prozent weibliche Teilnehmer fast schon Gleichstand vermelden. Dem im Vorjahr neu installierten Rock n' Roll Marathon in Seattle fehlt zum Patt sogar nur noch ein halber Prozentpunkt.

      Und beim ältesten Rennen, dieser inzwischen auf mehr als ein halbes Dutzend Läufe angewachsenen Serie in San Diego sind die Herren tatsächlich bereits knapp in der Minderheit. 5133 Männern stehen dort in der Ergebnisliste 5517 Frauen gegenüber. Ein Verhältnis, das im weiter nördlich gelegenen Oregon, genauer gesagt in Portland sogar noch überboten wird. Dort lauten die Zahlen nämlich 3408 und 4427, womit sich ein Läuferinnenanteil von über sechsundfünfzig Prozent ergibt.

      Noch höher ist die Quote allerdings beim zweiten großen Marathon der Stadt San Francisco, der mit fast fünftausend Teilnehmern nur gute tausend Zieleinläufe weniger zählt als die deutlich ältere lokale Konkurrenz. Denn gerade einmal vierhundert davon gehen auf das Konto von Männern, woraus man dann tatsächlich einen weiblichen Anteil von einundneunzig Prozent errechnen kann.

      Aber es handelt sich dabei eigentlich auch um einen klassischen Frauenlauf mit dem Namen "Women's Marathon". Politisch korrekt, wie man in den USA ja vermeintlich ist, hat man ihn allerdings – wohl um Abmahnungen oder gar Klagen wegen Diskriminierungen einer Bevölkerungsgruppe zu vermeiden – dann doch auch für Herren geöffnet. Den Gesamtsieg holt sich jedoch trotzdem regelmäßig eine der sich eindeutig in der Überzahl befindenden Läuferinnen.

      Das können natürlich nur noch die in Japan üblichen Eliterennen für Frauen übertreffen, wo bei einer eigentlich logischen Quote von hundert Prozent unter anderem in Osaka und Nagoya immerhin mehrere hundert Läuferinnen um Plätze und Zeiten kämpfen. Doch selbstverständlich gibt es bei gemischten Rennen auch Starterfelder mit in absoluten Zahlen noch wesentlich größerer weiblicher Beteiligung.

      Das schon immer für Läufe über diese Distanz begeisterte Inselreich in Ostasien hat sich schließlich in den letzten Jahren zum zweitwichtigsten Marathonmarkt entwickelt, der sich zwar klar hinter den USA aber eben genauso eindeutig vor Deutschland einordnet. Nachdem man lange eher auf Rennen gesetzt hatte, bei denen eine kleine Zahl internationale Asse gegen die einheimischen Spitzenläufer antrat, tendiert man auch in Japan nun eher zu Massenveranstaltungen, die prompt einen unglaublichen Zuspruch haben.

      Gleich mehr als ein Dutzend Läufe – die meisten davon in Städten, von denen man in Mitteleuropa noch nie etwas gehört hat – schafft den Sprung über fünftausend Teilnehmer. Vier Stück von ihnen erreichen fünfstellige Werte. Und der erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufene Volksmarathon in der Hauptstadt Tokio kann gar über dreißigtausend Läufer im Ziel begrüßen und ist damit neben Paris der einzige Megalauf, der nicht in den Verbund der sogenannten Marathon Majors gehört.

      Es könnten noch viel mehr sein. Doch wie in New York oder London sind auch in Tokio die Startnummern begrenzt und werden unter den Meldewilligen verlost. Man mag es kaum glauben, aber die Zahl der Bewerbungen geht in der japanischen Metropole inzwischen tatsächlich schon in die Hunderttausende.

      Recht uneinheitlich ist das Bild dabei allerdings bezüglich des Frauenanteils. Tokio liegt mit einundzwanzig Prozent etwa im Bereich des durchaus vergleichbaren Berlin Marathons. Doch von einem guten Zehntel bis hin zu mehr als einem Drittel beim mit ungefähr zwanzigtausend Teilnehmern zweitgrößten Lauf des Landes in der Stadt Naha auf Okinawa reicht die Schwankungsbreite.

      Das restliche Ostasien kann da nicht mithalten. Im Stadtstadt Singapur, wo man mit einem einzigen Rennen genauso viele Zieleinläufe, nämlich fünfzehntausend, zustande bringt wie mit zwei Dutzend Marathons in der Schweiz sind immerhin noch fünfzehn Prozent des Feldes Frauen, womit man durchaus auf mitteleuropäische Werte kommt.

      Dagegen erreichen Hong Kong und Bangkok bei etwa zehn Prozent doch eher Anteile wie im Mittelmeerraum. Und zur mit achttausend Teilnehmern wichtigsten Veranstaltung auf dem ebenfalls ziemlich dichten koreanischen Markt, der Joon Ang Marathon – eines von einer ganzen Reihe von Rennen in Seoul – treten im Starterfeld sogar weniger als ein Zehntel Frauen an die Linie.

      Im internationalen Vergleich stehen die deutschen Marathons also in dieser Hinsicht zwar nicht wirklich schlecht da. Doch kann man, wie die angelsächsische Konkurrenz zeigt, natürlich noch deutliche Steigerungsmöglichkeiten erkennen. Veranstalter, die ihre zuletzt eher wegbrechenden Teilnehmerzahlen wieder anheben möchten, sollten sich vielleicht verstärkt auf den weiblichen Teil der Läuferschaft konzentrieren.

      Auch dass hierzulande bei einem Frauenanteil von einem Fünftel noch lange nicht Schluss sein muss, wie man alleine schon dann leicht erkennen kann, wenn man die den Marathons angeschlossenen Halbmarathons betrachtet. Schließlich liegen die Quoten dort rund zehn Prozentpunkte höher als auf der langen Strecke. Im Schnitt bestehen dort gut achtundzwanzig Prozent der Felder aus Läuferinnen. Gegenüber dem Vorjahr ist der Wert damit noch einmal leicht gestiegen.

      Wenn der Mittelwert schon diese Größenordnung erreicht, bedeutet das natürlich auch, dass es noch höhere Frauenanteile geben muss. In Mainz zum Beispiel sind über drei Zehntel der mehr als sechstausend Läufer weiblich. Und sowohl in Köln als auch beim neu eingeführten Halben in München kann man ein Verhältnis vermelden, das sogar leicht über einem Drittel liegt.

      Dass diese zu den größten Rennen über diese Distanz gehören, scheint keineswegs Zufall zu sein. Denn auch bei den Halbmarathons lässt sich eine klare Tendenz erkennen, dass mit einer steigenden Gesamtteilnehmerzahl der Frauenanteil eher nach oben geht. In das Rezept für eine Veranstaltung, die eine hohe Anziehungskraft auf Läuferinnen haben möchte, scheinen als Zutaten also eine eher kurze Distanz und ein möglichst großes Starterfeld zu gehören.

      Doch die Frauen, denen man bis vor vier Jahrzehnten den Langstreckenlauf ja vollkommen verwehrte, holen auch so langsam aber stetig auf. In den Sechzigern und Siebzigern mussten sie sich ihr Startrecht mühsam erkämpfen und waren von der Gesellschaft misstrauisch beäugte Exoten. Und noch vor zwanzig Jahren konnte man als Veranstalter schon froh sein, wenn man in die Nähe von zehn Prozent weiblicher Beteiligung kam. Inzwischen hat sich dieser Wert immerhin etwa verdoppelt.

      Der lange Weg zur vollkommenen Emanzipation im Laufsport, den man in Nordamerika bereits weitgehend hinter sich hat, ist in Deutschland jedoch nur zum Teil zurück gelegt. Wie lange es noch dauern wird, die verbleibende restliche Strecke zu bewältigen, muss man abwarten. Bei einem Marathon kann man ja im Verlauf des Rennens entweder noch zulegen oder auch einbrechen. Wenn ein höherer Frauenanteil allerdings nur durch weitere Rückgänge bei den Männern erkauft würde, wäre es in der Summe aber wohl auch ein ziemlich schlechtes Geschäft.

      Teil 6: Die Schnellsten & die Besten

      Schnelligkeit in vielerlei Form

      Um die Bedeutung, die eine Laufveranstaltung hat, zu bestimmen, gibt es definitiv viele und zum Teil auch völlig unterschiedliche Maßstäbe. Man kann sich an den bloßen Teilnehmerzahlen orientieren, deren Verkündung durch die Organisatoren man allerdings oft eine gewisse Skepsis entgegen bringen sollte. Oder zum Beispiel an der Beachtung durch die Medien, die das Ereignis genießt.

      Auch die Geschichte eines Rennens wäre vielleicht zu berücksichtigen. Schließlich gibt es neben echten in einigen Fällen seit vielen Jahrzehnten ausgetragenen Klassikern eben auch jene mit viel Werbeaufwand vorangetriebene Retortenprodukte, die trotz allen Marketings oft noch viel schneller gehen als sie gekommen sind, wenn die Geldgeber oder die hinter der Organisation steckenden Veranstaltungsagenturen das Interesse wieder verlieren.

      Ein wichtiges Merkmal ist jedoch – selbst wenn es inzwischen gelegentlich eher in den Hintergrund rückt – wohl weiterhin die sportliche Wertigkeit. Wie in kaum einer anderen Disziplin sind die Übergänge zwischen Spitzen- und Breitensport bei Marathonwettbewerben ja ziemlich fließend. Wo sonst treten um Sieg, Platz und Prämien kämpfende Vollprofis im gleichen Rennen wie Freizeitsportler an, denen es nur um die Bewältigung der Distanz geht?

      Was in Spielsportarten ohnehin undenkbar wäre, ist schließlich sogar in dem Laufen durchaus verwandten Ausdauerdisziplinen eher selten. Bei den Radfahrern wird zwischen Eliterennen für die Profis und den sogenannten Radmarathons – die bekanntlich allerdings deutlich länger als zweiundvierzig Kilometer sind – für die breite Masse fein säuberlich getrennt.

      Selbst wenn sich beim Skilanglauf gelegentlich einmal absolute Spitzenleute zu den großen Volksläufen wie Vasaloppet in Schweden, Birkebeinerrennet in Norwegen, die italienische Marcialonga, den Engadiner Skimarathon oder den König-Ludwig-Lauf von Oberammergau verirren und einige Athleten aus der zweiten Leistungsreihe sich sogar auf solche Wettbewerbe spezialisiert haben, spielt die wirkliche Musik doch eher im von Verbandsteams bestückten Weltcup. Und Biathlon wird – schon aus Gründen der begrenzten Plätze am Schießstand – ohnehin stets eine Zuschauersportart bleiben.

      Am ähnlichsten wären die Verhältnisse vielleicht noch bei den Triathleten. Zumindest auf der Langdistanz treten dort in der Regel ja Elite und breite Masse ebenfalls gemeinsam an. Doch sind die Felder trotzdem meist ziemlich überschaubar. Selbst bei den absoluten Großveranstaltungen reichen sie aufgrund der deutlich umfangreicheren Logistik und den sich daraus ergebenden Teilnehmerlimits nur in Bereiche, die bei etlichen Läufen leicht um ein Vielfaches übertroffen werden.

      Und so ist die Situation im Triathlon am Ende auch nicht wirklich vergleichbar mit der im Marathon, wo die stets gleiche Streckenlänge und die Vielzahl der Veranstaltungen es ermöglichen, die Ergebnisse der einzelnen Rennen nebeneinander zu legen und damit eine Art Leistungsrangliste zu erstellen.

      Auch wenn dabei natürlich ausschließlich die erzielten Zeiten eine Rolle spielen, kann man dabei dennoch recht unterschiedliche Kriterien anlegen. Das ist im Umkehrschluss dann allerdings gleich in mehrfacher Hinsicht informativ. Ein schneller Sieger allein ist eben nicht wirklich aussagekräftig, wenn er zwanzig oder mehr Minuten vor dem Rest des Feldes über die Strecke eilt.

      So hat dann sicher auch die Leistungsdichte bei der Einschätzung eine gewisse Bedeutung. Und da man diese auch noch in ganz unterschiedlichen Regionen der Ergebnisliste ermitteln kann, kommen durchaus verschiedene und manchmal sogar regelrecht widersprüchliche Resultate dabei heraus.

      Der nach Teilnehmerzahl, Medieninteresse und eben auch seiner nicht nur sportlichen sondern auch politischen Geschichte unstreitig bedeutendste deutsche Marathon in Berlin ist dafür ein ideales Beispiel. War er in den letzten Jahren doch oft zugleich der schnellste und der langsamste Lauf im Land.

      Wo wurde in Deutschland absolut am schnellsten gelaufen

      Der Schnellste, weil nirgendwo die Siegerzeiten besser ausfielen. Einige von ihnen bedeuteten sogar neue Weltrekorde oder wenigsten Jahresbestzeiten. Umgekehrt war der Hauptstadtmarathon der Langsamste, da man bei keiner anderen Veranstaltung in den Ergebnislisten zu einer noch schwächeren Zeit blättern musste, um den Punkt zu entdecken, in dem die Hälfte des Feldes das Ziel erreicht hatte. Und relativ gesehen schafften es nirgends weniger der Teilnehmer unter vier Stunden.

      Beide Positionen sind nicht mehr ganz so fest. Denn bezüglich des niedrigen Anteils der Vier-Stunden-Läufer ist Hamburg nicht nur gleich sondern sogar leicht vorbei gezogen, wobei sowohl die 48,9 Prozent an Spree und Landwehrkanal wie auch die 46,8 Prozent an Elbe und Alster bedeuten, dass man etwas länger als vier Stunden warten muss, bis die Hälfte des Feldes im Ziel ist.

      Doch keiner von beiden liefert im Jahr 2010 das wirklich niedrigste Ergebnis. Das ist nun Köln vorbehalten. Dort schaffen es von 5468 Läufern im Ziel nur 1897 dieses in weniger als zweihundertvierzig Minuten zu erreichen, also gerade einmal 34,7 Prozent. Und erst nach 4:15 hat die Hälfte der Teilnehmer die Messmatte wieder überschritten. Ein Zeitpunkt, den Statistiker den "Median" der Ergebnisliste nennen würden.

      Die Aussagen beziehen sich ausdrücklich auf die Nettozeit, die man gerade bei großen Feldern einfach als Messlatte anlegen muss. Zumal einige Veranstaltungen dazu übergangen sind ihre Starter mit Verzögerung und in Wellen auf die Strecke zu schicken. Auch die Kölner gehören dazu. Wer also bis vier Stunden nach dem Startschuss am Ziel neben dem Deutzer Bahnhof stand, hat kaum mehr als ein Viertel aller Teilnehmer einlaufen sehen.

      Zwar zählte der Marathon in der Karnevalshochburg am Rhein eigentlich schon immer zu den in der Breite eher langsamen Rennen. Man geht in der Werbung ja auch hauptsächlich mit der Atmosphäre auf Läuferfang und nennt sich dabei schon mal ganz unbescheiden "Deutschlands buntester und stimmungsvollster Marathon". Doch lag bisher die Mitte eben trotzdem meist im Bereich von vier Stunden.

      Dass man diesmal am Rhein nach einigen eher kühlen Jahren einen eher warmen Spätsommertag erwischt hatte, während bei den bisher sonnenverwöhnten Berlinern der Himmel seine Schleusen öffnete, mag bei dieser Verschiebung jedoch durchaus auch eine gewisse Rolle gespielt haben. Schönes Wetter ist im Langstreckenlauf manchmal eben nicht gerade leistungsfördernd.

      Dennoch liegen die Kölner damit rund zehn Prozentpunkte hinter allen anderen Stadtmarathons. Selbst beim nicht nur einen Kilometer längeren sondern zudem auch mit etlichen hundert Höhenmetern gespickten Marathon auf dem Thüringer Rennsteig kommt man fast auf den gleichen Wert.

      Und neben den schon genannten Veranstaltungen in Berlin und Hamburg sowie einigen weiteren Landschaftsläufen schaffen es ansonsten nur das Rennen in der Kölner Nachbarstadt Bonn und der Dresdner Oberelbemarathon nicht, die Fünfzig-Prozent-Marke bei den Unter-Vier-Stunden-Läufern zu überspringen.

      Allerdings geht deren Anteil auch tendenziell eher nach oben, wenn die Teilnehmerzahlen des jeweiligen Laufes insgesamt geringer werden – zumindest dann, wenn die Topographie keine allzu mächtigen Hindernisse in den Weg stellt. Die meisten mittelgroßen Marathons können in dieser Hinsicht jedenfalls mit Prozentzahlen deutlich oberhalb der Sechzig glänzen. "Je kleiner desto schneller", könnte man das vielleicht etwas zu plakativ, aber eben doch einigermaßen treffend beschreiben.

      Den höchsten Wert liefert jedenfalls ein Rennen, das in den letzten Jahren meist um die sechshundert Starter begrüßen konnte. Doch von diesen liefen beim Bienwald-Marathon im pfälzischen Kandel eben über drei Viertel unter vier Stunden. Der Traditionslauf steht allerdings schon lange im Ruf, eine besonders hohe Leistungsdichte zu haben.

      Vor zwei Jahrzehnten war es dort nicht unüblich, dass mehr als ein Drittel des Feldes unter drei Stunden blieb. Und noch immer schaffen es in der Pfalz regelmäßig zehn Prozent der angetretenen Läufer, diese Marke zu knacken, bei der man früher – auch wenn diese Aussage heutzutage vielleicht einen entrüsteten Aufschrei produziert – die Grenze zwischen ernsthaften Läufern und reinen Hobbysportlern fest machte.

      Nicht nur die Strecke ist dafür verantwortlich. Diese ist zwar tatsächlich ziemlich eben, aber vom Profil dennoch nicht wirklich einmalig. Es ist wohl auch der frühe Termin Mitte März, der dabei eine Rolle spielt. Zum einen ist die Witterung zwar nicht immer sehr gemütlich, aber bei eher niedrigen Temperaturen durchaus leistungsfreundlich.

      Zum anderen treten so früh im Jahr eben doch mehr sportlich Orientierte, die auch den Winter über voll durchtrainieren, und weniger Freizeitsportler, die erst bei besseren äußeren Bedingungen wieder einsteigen, an die Linie. Zumal der – wie der Name sagt – größtenteils durch den Wald führende Kurs nicht gerade "Event-Charakter" hat.

      Von den großen Fünf sagt man vor allem Frankfurt nach, in diese Richtung zu tendieren. Eine Aussage, die sich bei achtundfünfzig Prozent der Zieleinläufe unter vier Stunden zwar im Vergleich mit Berlin, Hamburg oder Köln – die neue Nummer vier München liegt bei sechsundfünfzig Prozent und damit in dieser Rangfolge nicht wirklich schlechter – eindeutig, aber gegenüber der zweiten Reihe der deutschen Marathons nur bedingt bestätigen lässt.

      Nimmt man jedoch die Zahl der Teilnehmer unter drei Stunden als Maßstab, wird das Bild schon deutlicher. Denn außer in Berlin schaffen es nirgendwo im Land mehr Läufer, unter einhundertachtzig Minuten ins Ziel zu kommen. Deutlich über sechshundert sind es in Frankfurt und damit etwa halb so viele wie in der Hauptstadt, wo jedoch das Starterfeld mehr als dreifach so groß ist.

      Auch relativ landet die Mainmetropole mit einem Wert von acht Prozent damit im absoluten Vorderfeld. Denn neben dem schon erwähnten Kandel und Mainz, wo 2010 letztmals die deutschen Meisterschaften integriert waren und man deshalb als einzige deutsche Veranstaltung über ein Zehntel Drei-Stunden-Läufer im Ziel hatte, kommt nur noch das saarländische St. Wendel wenige Zehntelpunkte über diesen Wert.

      Wo wurde in Deutschland absolut am schnellsten gelaufen

      Doch während solche Berechnungen nur die absoluten Zahlen- und Statistikfans in der Läuferschaft wirklich interessieren, geistern die Siegerzeiten durch alle Medien und sorgen, falls sie entsprechend gut ausfallen, sogar kurzzeitig für große Schlagzeilen. Und auch da konnte Frankfurt diesmal ordentlich punkten. Hatten sich die Hessen in dieser Rangliste zuletzt schon auf Rang zwei in Deutschland vorgearbeitet, gelang ihnen nun ein echter Paukenschlag.

      Mit 2:04:57 kam Wilson Kipsang Kiprotich in der Festhalle an und lieferte nach Patrick Makau Musyoki und Geoffrey Kiprono Mutai, die in Rotterdam 2:04:48 bzw. 2:04:55 – also nur wenige Sekunden schneller – liefen, die drittbeste Leistung des Jahres und die zweitschnellste Siegerzeit weltweit ab.

      Zwar war das Duo Makau und Mutai in gleicher Einlaufreihenfolge wie ein halbes Jahr zuvor seinerseits in Berlin mit 2:05:10 und 2:05:08 wieder nur unwesentlich langsamer, aber der neue Streckenrekord und die einzige Zeit unter 2:05 ließen eben doch Frankfurt gegenüber dem bisher scheinbar übermächtigen Konkurrenten aus dem eigenen Land knapp vorne landen.

      Insbesondere da auch bei den Frauen in der Bankenstadt die Kenianerin Caroline Cheptanui Kilel in 2:23:25 – immerhin Platz zehn der Weltrangliste – etwas schneller war als Aberu Kebede, die an der Spree 2:23:58 lief. Und zudem die Frankfurt-Zweite Dire Tune mit 2:23:44 die Berliner Siegerzeit ebenfalls noch unterbieten konnte. Auch Agnes Kiprop auf Rang drei kam in 2:24:07 noch klar unter die ersten Zwanzig der IAAF-Bestenliste.

      Selbst wenn im Herrenbereich Bazu Worku mit 2:05:25 als Dritter und der zehntschnellsten Zeit in der Welt dafür sorgt, dass Berlin in der absoluten Spitze noch ein wenig besser vertreten ist als Frankfurt, wo der Zweite Tadese Tola "nur" 2:06:31 lief, muss man eigentlich eher das Bild bei den Damen als typisch bezeichnen. Denn in der Breite hat Frankfurt zumindest bei den Herren schon länger die deutlich bessere Besetzung.

      In Hessen ist es diesmal auch für die Damen deutlich enger. Unter den schnellsten hundert Ergebnissen des Jahres stammen bei den Frauen vier aus Berlin, dagegen acht vom Main. Bei den Herren kommen jeweils sechs von den schnellsten deutschen Rennen. Aber angesichts von siebenundzwanzig Zeiten unter 2:18 – was etwa gleichbedeutend mit den ersten tausend der internationalen Rangliste ist – kann ansonsten nur noch der Marathon von Nairobi im Läuferland Kenia eine ähnliche Leistungsdichte wie Frankfurt bieten.

      Obwohl beide deutsche Veranstaltungen auf schnelle Zeiten zielen, verfolgt man dabei trotzdem unterschiedliche Konzepte. Denn während man in der Hauptstadt eher auf wenige große Namen setzt oder das Rennen – wie in der Vergangenheit für Haile Gebrselassie – sogar vollständig auf einen einzelnen Superstar zuschneidet, stellen die Frankfurter ihr Elitefeld deutlich breiter auf.

      Gleich mehrere Dutzend größtenteils aus Ostafrika stammende Laufprofis jagen sich dabei immer wieder zu Spitzenzeiten. "Ein paar kommen definitiv durch" könnte man die Methode in kurzen Worten beschreiben. Das scheinbar unerschöpfliche Reservoir in Kenia und Äthiopien – ein Thema auf das später noch eingegangen wird – bringt schließlich ständig neue hungrige Talente hervor, die – selbst wenn sie meist selbst den absoluten Fachleuten kaum bekannt sind – immer wieder für Weltklasseleistungen gut sind.

      Der Erfolg gibt den Machern am Main recht. Fast von Jahr zu Jahr purzelten die Streckenrekorde immer weiter nach unten. Dass man sich dabei in Frankfurt den einen oder anderen erstmals groß heraus gekommenen Läufer nicht mehr leisten kann, wenn sie anderswo ebenfalls Erfolge erzielen, mag man da verschmerzen. Bestes Beispiel ist der Sieger von 2008 Robert Kiprono Cheruiyot der eineinhalb Jahre später beim klassischsten aller Marathons in Boston zum Kursrekord lief.

      Weniger als eine Minute ist die Frankfurter Bestzeit noch vom Weltrekord entfernt. Doch angesichts einer solchen Serie wird es nun von Jahr zu Jahr immer schwerer den Standard zu halten. Ein früherer Segen kann da in einer nur auf weitere Steigerungen fixierten Welt schnell zum Fluch werden. Wenn der nächste Sieger zum dreißigsten Jubiläum am Main "nur" eine 2:08 oder 2:09 laufen sollte, wären die Medien, die vor wenigen Jahren diese Leistung noch als neue Streckenbestzeit bejubelt hätten, wohl schnell mit Vokabeln wie "Enttäuschung" zur Hand.

      Ein Manko hat diese Methode, mit einer großen Meute junger, hungriger Talente auf Bestzeitenjagd dann aber doch. Denn zu vermarkten sind diese eigentlich nicht, weder im Vorfeld noch im Nachhinein. Allerdings ist dies ein ganz allgemeines Problem der Marathonszene, wo die Gruppe der wirklich prominenten Namen ziemlich überschaubar ist. Jedenfalls ist sie definitiv kleiner als die Zahl der Veranstaltungen, die sich um sie balgen.

      Wenn dann die ganz Großen im internationalen Geschäft wie London oder New York die namhaftesten Asse gleich noch im Dutzend verpflichten, bleiben für die restlichen Läufe eben nur doch die zweite und dritte Garde aus der Bekanntheitsskala übrig. Läufer, die trotz ihrer Zugehörigkeit zur absoluten Weltelite, sogar den wirklich Interessierten kaum etwas sagen.

      Selbst in Berlin war das im Jahr eins nach den Auftritten von "König Haile", der diesmal bekanntermaßen New York den Vorzug gab, deutlich spürbar. Denn obwohl dort ja immerhin der Jahresschnellste und vielleicht dominierende Athlet der gesamten Saison 2010 ganz oben auf dem Treppchen stand, bekommt man auf die Frage nach dem Sieger – ähnlich wie in Frankfurt auch – meist nur "irgendein Kenianer" zurück.

      An den Namen erinnert sich schon direkt nach dem Zieleinlauf praktisch niemand mehr. Die Gesichter sind für die Zuschauer, die sich nicht aus dem kleinen Häufchen der absoluten Fachleute rekrutieren, beliebig austauschbar. Nur zu Erinnerung, der Gewinner von Berlin hieß Patrick Makau Musyoki, der von Frankfurt Wilson Kipsang Kiprotich.

      Viel zu kurz sind eben die Verweilzeiten in der absoluten Spitze inzwischen geworden, viel zu dicht ist die Konkurrenz insbesondere eben in den Läuferländern Kenia und Äthiopien. Mehr als zwei oder drei Jahre halten sich die wenigsten in den oberen Rängen. Dann steht schon die nächste Generation zum Angriff bereit. Zu wenig Zeit, um sich den nötigen Grad an Popularität aufzubauen.

      Zumal die Namen der Ostafrikaner nicht unbedingt dazu beitragen, die Verwirrung zu verkleinern. Sie klingen in europäischen Ohren einfach zu ähnlich und sind oft sogar tatsächlich gleich. Der schon erwähnte Frankfurt- und Boston-Sieger Robert Cheruiyot hat zum Beispiel gleich zwei "Doppelgänger". Einer davon hat – um das Durcheinander endgültig komplett zu machen – ebenfalls schon mehrfach beim Klassiker in Massachusetts gewonnen. Der andere kann immerhin eine 2:08 als Hausrekord vorzeigen. Nur der Mittelname und das Geburtsjahr machen die drei unterscheidbar.

      Nachdem zumindest im Männerbereich mit Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zuletzt selbst die letzten Bastionen der europäischen, asiatischen und nordamerikanischen Athleten gefallen sind und die Afrikaner sich bei internationalen Titelkämpfen gar nicht lange mit taktischen Geplänkeln aufhalten sondern mit von Beginn an hohem Tempo die vorderen Plätze unter sich ausmachen, ist es zudem immer schwerer, wenigstens die dortigen Medaillengewinner bei den Stadtmarathons als Gegengewicht zur anscheinend übermächtigen kenianischen Armada zu präsentieren.

      Einige Veranstalter verzichten inzwischen sogar absichtlich darauf, Afrikaner einzuladen. Jedoch aus durchaus unterschiedlichen Gründen. In München wird das schon seit etlichen Jahren damit begründet sich auf "local heroes" – durch die Verwendung eines englischen Begriffs wird die eigentliche Bedeutung "Lokalmatador" allerdings irgendwie schon wieder ein wenig ad absurdum geführt – konzentrieren zu wollen.

      Tatsächlich gab es mit Steffen Justus, Falk Cierpinski und Matthias Körner zuletzt einige deutsche Sieger in der bayerischen Hauptstadt. Auch die Südtiroler Hermann Achmüller und Reinhard Harrasser fallen im weiteren Sinne noch in diese Kategorie. Und selbst den 2002 an der Isar erfolgreichen Neuseeländer Jonathan Wyatt kann man durchgehen lassen, verbringt er doch den größeren Teil des Jahres damit, in den Alpen einen Berglauf nach dem anderen zu gewinnen.

      Ob allerdings Andrij Naumow aus der Ukraine, der 2010 gewann, oder sein Landsmann und Vorgänger Maksym Salij auch zu den regionalen Assen zählen, darf man eher bezweifeln. Naumow, der in München bereits 2001 ganz oben stand, ist jedoch spätestens nach drei ersten Plätzen in Mainz in der deutschen Marathonlandschaft durchaus ein Begriff.

      Seine 2:18:23, bei denen er rund sieben Minuten hinter seinem vor über zwei Jahren erzielten Streckenrekord in der Fastnachtshochburg zurück blieb, bilden zusammen mit dem exakt gleichen Ergebnis des Briten Neil Renault vom Baldeneysee-Marathon in Essen die zweitschnellste Siegerzeit, die ein Europäer auf deutschen Boden erzielen konnte. Insgesamt landen die beiden Rennen damit allerdings nur auf den Rängen vierzehn und fünfzehn, rücken in der Grafik je einen Platz vor, da dort die Teilnehmerstärke mind. 300 Finisher gefordert ist.

      Schnellste deutsche Marathons - relativ zum Weltrekord

      Immerhin drittschnellster Lauf im Land wurde allerdings Düsseldorf, wo man 2010 ebenfalls erstmals bei der Athletenverpflichtung komplett auf Ostafrikaner verzichtete. Denn der Moldawier Iaroslav Musinschi legte immerhin eine 2:08:32 und damit die europäische Jahresbestzeit sowie das beste Ergebnis eines Nichtafrikaners weltweit auf den rheinischen Asphalt. Und auch die 2:17:18 mit der Falk Cierpinski die deutsche Jahresbestenliste anführt, wurde in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen erzielt.

      Dass jedoch selbst wenn man kein Elitefeld aus afrikanischen Profis zusammenstellt, der Sieger trotzdem aus Kenia kommen kann, zeigt das Beispiel des Düsseldorfer Nachbarn Köln. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass dort die Gelder nicht mehr so sprudeln wie früher. Also sparte man sich ähnlich wie die Münchner schon seit Jahren die Ausgaben für eine Jagd nach neuen Bestzeiten.

      Doch die ausgelobte Siegprämie lockte auch ohne Einladung durch die Veranstalter den Kenianer Francis Kipkoech Bowen – oder vielleicht auch nur dessen Manager. Im Alleingang lief der Mann aus Ostafrika, der vor einigen Jahren auch schon einmal in Frankfurt Dritter war, jedenfalls eine 2:14:15 und die Domstadt dadurch auf Rang zehn unter den "schnellsten" deutschen Marathons.

      Selbst wenn man bei Meldungen wie der, dass sich der Profi ganz normal angemeldet hätte, immer ein wenig vorsichtig sein muss, weil sie gelegentlich auch einmal lanciert werden, scheint diese sogar einigermaßen glaubhaft. Welches Interesse sollte ein Veranstalter eines großen Stadtmarathons schließlich haben, einen einzelnen Läufer zehn und mehr Minuten vor dem Rest des Feldes her eilen zu lassen, wenn dieser dennoch gleichzeitig weit vom Streckenrekord entfernt ist?

      Angeblich gerade einmal zweitausendfünfhundert Euro Preisgeld erhielt der Kenianer für seinen Erfolg. Noch so eine mit Vorsicht zu genießende Meldung, da solche Zahlen in Deutschland – ganz im Gegensatz zum angelsächsischen Raum – auch weiterhin nicht immer wirklich offen gehandelt oder gar in den Ausschreibungen angegeben werden. Aber selbst wenn es am Ende doch noch der eine oder andere Euro mehr gewesen sein sollte, den Kipkoech Bowen mit nach Hause nehmen konnte, ist die Größenordnung wohl durchaus passend.

      Denn für die Summen, die es bei Marathons in der Regel zu verdienen gibt, würden sich selbst Zweitligakicker kaum die Schuhe schnüren. Manchmal erhält selbst der Sieger nicht einmal einen vierstelligen Betrag. Angesichts solcher Zahlen relativieren sich allerdings auch sehr schnell die Klagen vieler Läufer im breiten Feld, dass man doch nicht so viel ihrer Startgebühren für irgendwelche Profis ausgeben und lieber noch etwas mehr Service bieten solle.

      Insbesondere da diese Prämien ja meist von Sponsoren kommen, die ihre Zuwendungen sehr schnell wieder streichen, wenn der von ihnen unterstützte Marathon nicht die entsprechende Medienpräsens hat. Und längere Fernsehzeiten, in denen die Logos der Geldgeber über die Mattscheibe flimmern, bekommt man eben nicht mit einer Breitensportveranstaltung.

      Für den Frankfurt Marathon haben sich die Investitionen in die Eliteläufer jedenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit rentiert. Denn während in Köln die Live-Übertragungen, die der WDR in der Marathon-Hochphase Anfang des neuen Jahrtausends produzierte, längst wieder Geschichte sind und die bayerischen Kollegen für den Münchner Lauf überhaupt noch nie auf diese Idee kamen, hält der Hessische Rundfunk in der Mainmetropole weiter mit seinen Kameras mehrere Stunden lang drauf.

      Mit den fast jährlichen neuen Rekorden schafft man es außerdem auch jedes Mal in den Sportteil überregionaler Zeitungen. Und das meist sogar mit großem Siegerbild, auf dem dank Startnummer und Zielband der Name des Hauptgeldgebers gut zu erkennen ist. Selbst dem – ebenfalls weiterhin live übertragenen – Hamburg Marathon gelingt dieser Sprung aufgrund zuletzt eher schwächerer Siegerzeiten nicht mehr unbedingt.

      Andererseits darf man sich natürlich schon die Frage stellen, ob es für einen kleineren oder mittelgroßen Marathon wirklich immer so viel bringt, größere Beträge dafür zu investieren, dass an der Spitze herausragende Zeiten gelaufen werden. Landesweite Schlagzeilen macht man ohnehin keine. Denn jenseits der Grenzen der Region werden diese Veranstaltungen nur noch von der Fachpresse registriert.

      Als Alleinstellungsmerkmal taugen sie ohnehin nicht. Mit Yussuf Songoka, der in Hannover 2:08:52 lief, und dem mit 2:09:22 in Hamburg erfolgreichen Wilfred Kigen – als kleiner Widerspruch zur These der Schnelllebigkeit der Szene seit 2004 regelmäßig bei deutschen Marathons auf vorderen Rängen – kamen schließlich noch zwei weitere Sieger unter 2:10 und damit in den Bereich der ersten hundert Weltranglistenplätze.

      In Münster war Patrick Muriuki nach 2:10:25 auch nicht allzu weit von dieser Marke entfernt. Mohamed Msenduki Ikoki, weder Kenianer noch Äthiopier sondern aus Tansania stammend, drückte den Mainzer Streckenrekord auf 2:11:01 und Geoffrey Ndungu Gikuni lief in 2:11:31 den Marathon von St. Wendel trotz gerade einmal guten dreihundert Startern in die ersten Zehn der Zeitenrangliste. Beim noch kleineren Lauf von Bitterfeld – gerade einmal etwas mehr als hundert Teilnehmer wurden dort im Ziel registriert – gelang Paul Muigai Thuo in 2:16:52 ähnliches.

      Davor finden sich noch Kassel mit Joelpkorir Chepkopol und 2:12:55 sowie Karlsruhe mit dem in 2:14:33 siegreichen David Mutai. Auch in Dresden, wo Henry Tororei 2:17:25 benötigte, Regensburg und Füssen, die beide von Titus Kipchumba Kosgei mit 2:18:33 bzw. 2:19:08 gewonnen wurden, sowie in Würzburg (Samson Siparimuk, 2:19:19) und Mannheim (Isaak Cheruiyot, 2:19:29) blieben afrikanische Sieger unter 2:20.

      Insgesamt rund einhundertmal fiel diese Marke bei deutschen Marathons. Doch neben Falk Cierpinski schaffte es mit Manuel Meyer nur ein weiterer Einheimischer, diese mit 2:19:59 in Essen wirklich hauchdünn zu unterbieten. Dennis Pyka blieb bei seinem Meistertitel in Mainz in 2:20:09 knapp darüber hängen. Zuletzt hatten die Herren im internationalen Vergleich im Jahr 2005 ein ähnlich schwaches Bild geboten.

      Womit auch einem zweiten gern genutzten Argument ein wenig der Wind aus den Segeln genommen wird. Denn die Läufer aus Ostafrika – je nachdem, wie es gerade gebraucht wird, entweder "böse, nur auf Prämien fixierte Profis" oder "arme, von ihren Managern als moderne Sklaventreiber ausgebeutete Bauernjungs" – nehmen eben nicht unbedingt den guten Europäern die vorderen Plätze weg, sie sind inzwischen einfach mindestens eine Klasse besser.

      Wenn Preisgelder ausgeschrieben sind, darf man sich eben auch nicht wundern, dass es Menschen gibt, die sich diese mit ihrem Talent verdienen wollen. Und ein Kenianer oder Äthiopier, der beim dreimonatigen Tingeln von Rennen zu Rennen im Maßstab seines Heimatlandes mehrere Jahresgehälter erlaufen kann, hat bei der Jagd um Zeiten und Plätze ganz eindeutig eine andere Motivation als ein Europäer oder Nordamerikaner, der für den gleiche Betrag vielleicht nur ein paar Tage arbeiten müsste.

      Kein Wunder, dass die Zahl der afrikanischen Athleten, die sich in der Marathon-Weltrangliste tummeln längst in die Hunderte geht. Von den schnellsten einhundert Zeiten des Jahres muss man fünfundfünfzig auf das Konto von Kenianern und vierunddreißig auf das von Äthiopiern verbuchen. Dazu kommen noch vier Marokkaner und je ein Eritreer, Südafrikaner und Ugander.

      Neben dem schon erwähnten Moldawier Iaroslav Musinschi stammen nur der Amerikaner Ryan Hall und der Brasilianer Marilson dos Santos nicht vom schwarzen Kontinent. Nebenbei bemerkt, um in diese ersten einhundert Positionen zu kommen, musste man immerhin unter 2:09:09 laufen und damit schneller sein als jemals zuvor.

      Zwölf Zeiten unter 2:06 sind zudem noch zwei mehr als der alte Rekordwert aus dem Vorjahr. Und mit in der Summe vierundzwanzig Ergebnissen unter 2:07 kommt man fast exakt auf das Niveau von 2009, als diese Marke fünfundzwanzigmal geknackt wurde. Statt wie noch vor kurzem als Ausreißer, die beinahe einer Sensation gleichkommen, gelten solche Werte bei den wichtigen Rennen inzwischen fast schon als Normalität, die man einfach nur noch zur Kenntnis nimmt.

      Und Zeiten unter 2:08, die noch vor wenigen Jahren als Eingang in die absolute Weltelite gefeiert wurden, sind nun fast schon so etwas wie Dutzendware. Noch einmal dreiundzwanzig Läufer in den nächsten sechzig Sekunden lassen ihre Gesamtzahl nämlich auf stolze siebenundvierzig anwachsen.

      Auch dahinter ändert sich das Bild bei den Nationenkürzeln nur sehr langsam. Unter den besten zweihundert Ergebnissen liefert Kenia hundertelf und Äthiopien neunundfünfzig. Vierzehn weitere steuern andere afrikanische Nationen bei. Dazu kommen dann auch noch einige Athleten, die zwar für Katar starten, aber ebenfalls in Kenia geboren wurden. Selbst von den besten tausend Zeiten haben Kenianer die Hälfte, die Äthiopier immerhin knapp ein Fünftel erzielt. Marokko und Eritrea, das sich bei Meisterschaften immer öfter in die Medaillenvergabe einmischt, liefern gut bzw. knapp zwei Dutzend weitere.

      Auch Tansania, das in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern mit Läufern wie Juma Ikangaa, Suleiman Nyambui und den Shahanga-Brüdern in der Marathonszene vorne mitmischte, stellt inzwischen, wie das Beispiel Mainz zeigt, wieder den einen oder anderen Siegläufer. Und für Südafrikaner ist ein "standard marathon" zwar bei weitem nicht so wichtig wie seine überlangen Verwandten Comrades und Two Oceans, schnell laufen können einige ihn allerdings trotzdem.

      Leistungsdichte Männer unter 3:00 h

      Wo fanden Bestzeitenjäger 2010 in Deutschland starke Gruppen

      Jedenfalls stammen kaum fünfundzwanzig Prozent aller Ergebnisse unter den gut tausend vor dem Erreichen der 2:18 von Nichtafrikanern. Die mit Abstand stärkste Nation unter ihnen sind die Japaner. Aus diesen besteht nämlich ihrerseits wieder ein Viertel dieser Gruppe. In der Breite werden die Läufer aus Nippon, selbst wenn es nicht zu absoluten Spitzenplätzen in der Weltbestenliste reicht, damit nur von Kenianern und Äthiopiern übertroffen.

      Doch auch die Amerikaner, die ja für einige Zeit ziemlich in der Versenkung verschwunden waren, melden sich langsam wieder zurück und konnten bei der Zahl der Ranglisteneinträge wie schon im Jahr zuvor die Marokkaner knapp hinter sich lassen. Und nicht nur Hall mit seiner 2:08:41 sondern auch Mebrahtom Keflezighi schaffte es in 2:09:26 die 2:10 zu knacken.

      Ein wenig werden diese Zeiten zwar dadurch zurecht gerückt, dass ihre Landsleute Bill Rodgers und Alberto Salazar schon vor dreißig und mehr Jahren genauso schnell liefen. Dennoch haben die US-Amerikaner nun wieder einige Athleten, die bei den großen eigenen Rennen wie zum Beispiel in Boston oder New York vorne mitmischen können und dadurch natürlich auch einen entsprechend hohen Marktwert besitzen.

      Keflezighi war im Vorjahr schließlich der erste Amerikaner seit Salazar 1982, der im Big Apple gewinnen konnte. Dass da eigentlich ein gebürtiger Eritreer einem gebürtigen Kubaner nachfolgte, ist im Einwanderungsland USA egal. Seine Plätze fünf in Boston und sechs in New York im Jahr 2010 sind da genau wie Halls vierter Rang beim ältesten Marathon der Welt in der Hauptstadt von Massachusetts angesichts der gestiegenen Erwartungen für die Öffentlichkeit fast schon wieder enttäuschend.

      Nicht ganz so einseitig zugunsten Afrikas fällt die Statistik bei den Frauen aus. Zwar stammt auch hier die Hälfte der schnellsten einhundert Läuferinnen von diesem Kontinent. Doch wurden die beiden ersten Zeiten von Liliya Shobukhova aus Russland geliefert, die ihre eigene Weltjahresbestzeit aus London in Chicago noch einmal auf 2:20:25 drückte.

      Auch dahinter sind die Russinnen gut vertreten und haben mit insgesamt vierzehn sogar zwei Einträge mehr als die Kenianerinnen in dieser Liste. Was deren Landsleute bei den Herren sind die Äthiopierinnen im Damenbereich. Wer sich bis Platz hundert durchgearbeitet hat, konnte nämlich bereits vierundvierzigmal einen äthiopischen Namen lesen. Bis die Aufzählung bei 2:43 nach gut achthundert Datensätzen – die Frauenspitze ist also auch weiterhin deutlich dünner – endet, sind es sogar fast zweihundert.

      Die Kenianerinnen sind darin insgesamt ebenfalls in dreistelliger Zahl und damit in der Breite doch etwas besser als die Russinnen vertreten, die ein wenig unterhalb der Hundert bleiben. Doch auch die Japanerinnen mit fast siebzig und die Chinesinnen mit über fünfzig Nennungen fallen klar ins Auge. Jedenfalls ist die Rangliste noch deutlich ausgewogener als ihr Gegenstück bei den Herren.

      Auch tauchen deutsche Läuferinnen mit sieben Ergebnissen zumindest ein wenig zahlreicher auf als ihre männlichen Kollegen. Allerdings waren es im Vorjahr, als die Auflistung des Weltverbandes sogar ein wenig kürzer ausfiel, noch doppelt so viele. Doch durch den Rücktritt von Luminita Zaituc und den Babypausen von Susanne Hahn und Ulrike Maisch war auch im Frauenbereich die Personaldecke diesmal deutlich dünner geworden.

      Und statt als Nummer eins wie 2009 Irina Mikitenko taucht mit Sabrina Mockenhaupt die beste Deutsche auch erst auf Rang fünfundfünfzig auf. Eine 2:26:21 lief die Siegerländerin als Vierte von Berlin. Damit war sie zwar vier Minuten schneller als ein Jahr zuvor, landete aber dennoch zwanzig Plätze weiter hinten. Auch bei den Frauen musste man nämlich noch nie schneller laufen als 2010, um unter die besten Hundert zu kommen. Erstmals reichten 2:29 dafür schon nicht mehr aus.

      Nur knapp hinter Mockenhaupt wird Irina Mikitenko verzeichnet, die mit 2:26:40 in Chicago auf Position fünf einkam. Bernadette Pichlmaiers 2:35:28 als Siegerin beim Marathon in München sind dann schon eine andere Liga und dreihundert Ränge später einzusortieren. Die deutsche Meisterin, deren Alter von einundvierzig Jahren nicht gerade für die jüngere Konkurrenz spricht, ist jedoch die einzige die mit ihrer 2:41:00 von den Mainzer Titelkämpfen noch ein zweites Mal auftaucht.

      Während sich mit Melanie Kraus eine alte Bekannte nach viel Verletzungspech in 2:36:00 als Vierte beim Düsseldorf Marathon in ihrer rheinischen Heimat zurück meldete, sind die anderen beiden deutschen Damen, die es in die Weltrangliste geschafft haben, dort erstmals vertreten. Silke Optekamp erzielte eine 2:39:56 als Gesamtzwölfte in Frankfurt, Anja Schnabel lief in Berlin mit einer 2:41:41 ebenfalls auf Rang zwölf.

      Viel häufiger als mit Athleten taucht Deutschland als Ort von Weltklasseleistungen in den Agenturmeldungen auf. Doch lässt sich auch hier eine leicht rückläufige Tendenz erkennen. Konnte man im Jahr 2009 mit etwas guten Willen den deutschen Asphalt noch als den schnellsten der Welt bezeichnen, geht diese Auszeichnung diesmal zumindest im Hinblick auf die Masse der erzielten Zeiten an die Vereinigten Staaten.

      Das hat natürlich mehrere Gründe. Zum einen ist die Zahl der Rennen jenseits des großen Teiches mehr als doppelt so groß wie hierzulande. Alleine aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeiten ist das Ergebnis also absolut nicht ungewöhnlich. Zumindest bei den Herren sind die deutschen Marathons, wenn man nur diesen Ansatz nimmt, sogar noch ein wenig überrepräsentiert. Denn noch immer bewegt sich die Relation zwischen den beiden Ländern bezüglich der Zeiten bei etwa zwei zu drei.

      Doch haben sowohl die amerikanischen Läufe deutlich zugelegt wie auch die deutschen deutlich verloren. Ziemlich genau spiegelverkehrt wie im Vorjahr sind die Verhältnisse. Denn während in den USA der Marathonmarkt längst wieder angezogen hat, das Interesse weiterhin steigt und neue Höchstwerte bei den Teilnehmerzahlen vermeldet werden, kriselt er in Deutschland noch immer.

      Die Gelder sitzen nicht mehr so locker. Der eine oder andere Marathon streicht deshalb die Preisgelder drastisch zusammen oder verzichtet gleich ganz auf Eliteläufer. Köln ist dafür das wichtigste, aber bei weitem nicht das einzige Beispiel. Auch Bonn könnte man in diesem Zusammenhang nennen. Der Ruhrmarathon, der noch im Vorjahr alleine bei den Herren zehnmal in der Weltrangliste auftauchte, hat sich inzwischen sogar vollständig verabschiedet.

      Im Damenbereich sind dagegen kaum Veränderungen zu verzeichnen. Rechnet man den Sondereffekt des WM-Marathons von Berlin heraus, tauchen sogar einige Ergebnisse aus deutschen Rennen mehr in der Weltrangliste auf. Ein Zuwachs, der jedoch nahezu ausschließlich auf das Konto von Düsseldorf geht, das nach zwei im Vorjahr aufgrund eines wesentlich dichter besetzten Spitzenfeldes nun neun Zeiten einbringt.

      Hinter Frankfurt und Berlin ist man am Rhein damit die Nummer drei. Die Siegerzeit der Russin Natalya Volgina fällt mit 2:30:47 jedoch ein wenig schwächer aus als die 2:28:38, die Sharon Cherop in Hamburg erzielt. Auch in der Summe des Männer- und Frauenergebnisses finden sich diese beiden Marathons deshalb wenig überraschend in Deutschland auf den Rängen drei und vier.

      Die Nummer fünf ist der sich insgesamt im Aufwind befindende Lauf in Hannover, wo Kateryna Stetsenko aus der Ukraine eine 2:31:36 lief. Auch in Mainz mit der im Spurt nach 2:34:08 siegreichen Äthiopierin Almaz Balcha Alemu und Münster mit der 2:34:58 benötigenden Volha Salevich passen die Frauen- und Herrenergebnisse ziemlich gut zusammen, selbst wenn die Plätze sechs und sieben dabei zwischen beiden vertauscht sind.

      Erst München rangiert mit Bernadette Pichlmaiers 2:35:28 bei den Frauen dann doch deutlich weiter vorne als bei den Männern. Dazu findet Kassel über die 2:38:53 von Eclar Lojwapet genauso noch Eingang in die Weltrangliste wie Regensburg durch Beatrice Jepkorir-Rutto, die am Zusammenfluss von Donau und Regen in 2:40:21 gewinnt.

      Allerdings fallen die Siegerzeiten dennoch deutlich schneller ab als im Herrenbereich. Und so ist es eigentlich nicht wirklich verwunderlich, dass Japan, wo es ja reine Fraueneliterennen gibt, ein wenig häufiger in der Auflistung auftaucht. Alleine aus Nagoya finden sich zwanzig Einträge. Und Osaka steht dem mit sechzehn kaum nach. Doch auch die japanischen Marathons kommen nicht auf Position zwei. Denn noch mehr schnelle Zeiten wurden 2010 – nimmt man Macau mit seinem Sonderstatus hinzu – in China gelaufen.

      Groß sind die Unterschiede jedoch nicht, zumal auch Italien noch in ähnlichen Regionen landet. Zieht man den Strich bei den schon erwähnten, von der IAAF scheinbar recht willkürlich gewählten 2:43 bewegen sich alle vier zwischen fünfundfünfzig und sechsundsechzig. Bei einer nur etwas verschobenen Zeitgrenze würden sich deshalb durchaus auch andere Reihenfolgen ermitteln lassen.

      Klare und unumstrittene Nummer eins bei den Frauen sind aber die amerikanischen Läufe. Fast dreimal so viele Zeiten wie die eben genannten Nationen steuern sie bei. Und insbesondere die großen Drei trumpfen dabei besonders auf. Dreiundzwanzigmal wird nämlich Boston als Ort angegeben, fünfundzwanzigmal Chicago und sogar neunundzwanzigmal New York.

      Da kann ansonsten nur noch London mithalten, das ebenfalls mit neunundzwanzig Datensätzen genannt wird. Diese Zahlen scheinen anzudeuten, dass sich die Leistungen im weiblichen Bereich längst nicht auf so viele Rennen verstreuen wie bei den Herren. Doch obwohl sich die Einträge bei einigen Veranstaltungen ballen, ist die Menge der beteiligten Marathons ziemlich genau gleich groß. Denn umgekehrt tauchen eben deutlich mehr Marathons mit nur einem einzigen Eintrag auf.

      Leistungsdichte Frauen unter 3:20 h

      Wo fanden Bestzeitenjägerinnen 2010 in Deutschland starke Gruppen

      Auch zwischen den Ländern, in denen diese Zeiten erzielt wurden, sind die Männerergebnisse wesentlich gleichmäßiger verteilt. Kaum weniger häufig als in Deutschland läuft man sich nämlich auf dem Marathonwachstumsmarkt Japan in die Weltrangliste. Italien steuert ebenfalls mehr als siebzig Einträge bei. Und neben Südkorea werden zudem die Niederlande und Frankreich über sechzigmal genannt.

      Dass in den USA nun jedoch besonders leistungsbezogen gelaufen würde, ist ein ziemlich grober Fehlschluss. Ganz im Gegenteil ist praktisch nirgendwo auf der Welt das Durchschnittstempo noch niedriger. Weit über 4:30 liegt das Mittel der Endzeiten. Und während in Europa die Schlusszeiten zumindest bei sechs Stunden liegen, bleibt in Nordamerika das Ziel meist noch wesentlich länger geöffnet.

      Gerade einmal drei Prozent der Männer kommen in den Staaten noch unter die Marke von drei Stunden. Hierzulande sind es immerhin noch 4,5 Prozent. Doch von Quoten von weit über einem Zehntel der Teilnehmer wie in den Achtzigern und Neunzigern ist man inzwischen ebenfalls ziemlich weit entfernt. Allerdings ist dies trotzdem der höchste Anteil von Leistungsläufern seit Jahren in Deutschland. Zuletzt lag er meist mindestens einen halben Prozentpunkt niedriger.

      Das jedoch als sich verändernde Einstellung zum Laufsport zu begreifen, wäre verfehlt. Es sind vielmehr die Tücken der Mathematik, von denen diese Verschiebung verursacht wird. Denn nicht die Zahl der Drei-Stunden-Läufer ist wesentlich größer geworden. Die verharrt weiterhin im Bereich von viertausend. Was den relativen Wert in Wahrheit anhebt, ist das Schrumpfen der Felder dahinter.

      Interessant zu sehen ist, dass einige der größeren Marathons im Land oberhalb des Gesamtdurchschnittes oder zumindest in dessen Nähe landen. Es ergibt sich also keineswegs ein ähnliches Bild wie im bezüglich der Vier-Stunden-Marke, wo ja eine höhere Teilnehmerzahl tendenziell auch ein langsameres Feld bedeutete. Große und kleine Läufe sind in der Rangfolge bunt gemischt.

      In Berlin knacken zum Beispiel immerhin fast fünf Prozent der angetretenen Männer die hundertachtzig Minuten. In Hamburg, das eine fast identische Vier-Stunden-Quote hat, sind es dagegen nur dreieinhalb. Doch von allen Stadtmarathons – Landschaftsläufe mit ihren schwierigen Profilen muss man bei Zeitvergleichen natürlich ein wenig außen vor lassen – ist der selbsternannte Spaßlauf aus Köln mit nicht einmal zwei Prozent auch in dieser Hinsicht erneut der langsamste.

      Mit achtundsiebzig Männern und gerade einmal zwei Frauen kommen in der Domstadt praktisch genauso viele Läufer in diesen Zeitbereich wie beim nicht einmal halb so großen Lauf von Münster, mit dem man vor einigen Jahren schon einmal terminlich ein wenig aneinander geriet. Und der Baldeneysee-Marathon in Essen und der Herbstmarathon in Dresden, die nicht einmal ein Viertel der Kölner Teilnehmer zählen, sind leistungsmäßig ebenfalls genauso gut besetzt.

      Wirklich dicht sind die Felder aber vor den drei Stunden – sieht man einmal von Berlin, Frankfurt und mit Abstrichen Hamburg, wo es etwa vierhundert Marathonis unter diese Grenze schaffen – jedoch auch anderswo nicht. Wer schnell laufen will, muss bei deutschen Marathons längst damit rechnen, spätestens auf der zweiten Rennhälfte ziemlich alleine zu sein.

      Denn in absoluten Zahlen rangieren die gerade genannten Veranstaltungen schon ziemlich im Vorderfeld. Gerade noch etwas über die zweihundert Läufer unter drei Stunden kommt man in München. Ansonsten bringen nur Mainz – mit dem Sondereffekt der deutschen Meisterschaften – und Düsseldorf dreistellige Werte hin. Dahinter wird die Luft dann schon ziemlich dünn.

      Und insbesondere der Bereich zwischen 2:30 und 2:40 ist inzwischen praktisch überhaupt nicht mehr besetzt. Nur wenig übertrieben ist die Feststellung, dass man bei vielen Rennen als Zuschauer nach dem Passieren der Spitzengruppe erst einmal einen Kaffee trinken gehen kann, weil auf der Strecke in den nächsten Minuten sowieso nichts mehr passieren wird.

      Bei den Frauen kann und muss man die Grenze zum Leistungssport natürlich etwas weiter hinten definieren. Die – allerdings bei weitem nicht so eingängige – Zeit von 3:20 hat sich hierbei in der Vergangenheit als ein recht brauchbarer Maßstab gezeigt. Zwar ist die Anzahl der weiblichen Teilnehmer und damit auch die der Leistungsläuferinnen insgesamt geringer, doch in Relation zueinander gesetzt ergeben sich durchaus ähnliche Werte wie bei den Herren.

      Allerdings schlagen hierbei insbesondere bei ganz kleinen Veranstaltungen Spitzenathletinnen natürlich viel schneller zu Buche. Und so können Marathons wie Bitterfeld, Simmern und St. Wendel zweistellige Quoten präsentieren, obwohl sich dahinter gerade einmal zwei, drei bzw. sechs Damen verbergen. Auch die elf Prozent von Kandel errechnen sich aus nur neun Läuferinnen, doch ist dies dennoch nicht wirklich zufällig, kann man doch in der Pfalz regelmäßig mit zweistelligen Werten aufwarten.

      Fast selbstverständlich kann die als "unglaublich flach" gepriesene Strecke von Berlin mit 178 Frauen unter 3:20 auch hier wieder den Spitzenwert liefern, doch mit 2,4 Prozent findet man sich dennoch unter dem bei 3,1 liegenden landesweiten Durchschnitt wieder. Ohnehin ist der Berliner Kurs, wenn man die reinen Zahlen des Höhenprofils betrachte, so einzigartig nun auch wieder nicht.

      Ein wenig von einer sich selbsterfüllende Prophezeiung spielt bei den guten Leistungen in der Hauptstadt wohl auch mit hinein. Ziehen doch als "schnell" geltende Strecken deutlich mehr Läufer an, die sich auf die Jagd nach einem neuen Hausrekord machen wollen. Die deshalb erhöhte Zahl von guten Leistungen wird dann ihrerseits wieder als Beleg für die Bestzeiteneignung heran gezogen. Ursache und Wirkung sind wie so oft eben nicht wirklich sauber zu trennen.

      Neben Frankfurt mit sechsundneunzig Frauen unter 3:20 ist schon alleine aufgrund der Größe des Feldes Hamburg mit sechsundsechzig Ergebnissen weit vorne platziert. Doch während man am Main mit 5,7 Prozent weit über den Mittelwert aller Marathons kommt, landet die Hansestadt mit 2,2 sogar noch hinter Berlin. Der bei den beiden größten Veranstaltungen recht hohe Frauenanteil schlägt sich in Kombination mit der gleichzeitig niedrigen Vier-Stunden-Quote hier eindeutig nieder.

      Mit achtundzwanzig Läuferinnen im Leistungsbereich hängt Mainz dank der Meisterschaften nicht nur Düsseldorf (26) sondern auch München (22) klar ab. Dass sich Köln mit fünfzehn wieder in der gleichen Größenordnung bewegt wie Münster und Essen, wo die Zahlen sechzehn und vierzehn lauten, ist dann ebenfalls nicht mehr wirklich überraschend.

      Die Breisgauer aus Freiburg können sogar mit siebzehn schnellen Damen und damit einem Anteil von 8,2 Prozent am gesamten Frauenfeld glänzen. Unter den größeren deutschen Marathons wird das nur noch von Mainz übertroffen, wo fast selbstverständlich mit 14,8 Prozent der relative Höchstwert erzielt wird.

      Das Problem des Alleinlaufens angesichts fehlender Konkurrentinnen, das bei den Männern im Vorderfeld durchaus vorhanden ist, stellt sich trotz der niedrigen Zahlen jedoch kaum. Starten doch überall im Land Damen und Herren gemeinsam, so dass sich die Frauen in diesen Zeitbereichen zumeist ohne Schwierigkeiten in gemischte Gruppen einsortieren können.

      Die fast endlosen Ausführungen zeigen, dass die Suche nach dem schnellsten Marathon genauso zum Scheitern verurteilt ist wie die nach dem schönsten, wichtigsten oder besten. Zu unterschiedlich sind die Blickwinkel und Maßstäbe eben, zu verschieden die sich aus ihnen ergebenden Resultate.

      Selbst Gewinner und Verlierer – ganz egal ob nach Größe, Zeiten oder welchen anderen Kriterien auch immer – kann man oft nicht wirklich auseinander halten, da sich einfach zu viele Effekte überlagern und zum Teil auch gegenseitig aufheben. Und wenn man lange genug sucht findet man für jede Veranstaltung eine Wertung, in der sie besonders gut oder schlecht abschneidet.

      Eine einzelne Kenngröße, die alles erklären würde, gibt es eben nicht, selbst wenn man diese immer wieder sucht und manche sogar behaupten sie gefunden zu haben. Erst im Zusammenhang vieler unterschiedlicher Aspekte bekommt man ein halbwegs vernünftiges Bild und kann das eine oder andere erkennen.

      Die unzähligen Einflüsse von außen, denen eben auch die Marathonszene ausgesetzt ist, machen Werte aus der Vergangenheit oder von den Konkurrenten ohnehin nur bedingt vergleichbar. Das sprichwörtliche Reagenzglas, in dem ein Naturwissenschaftler seinen Versuch immer und immer wieder unter genau gleichen Rahmenbedingungen wiederholen kann, lässt sich eben außerhalb des Labors nicht finden.

      Aus den Daten der Vergangenheit kann man die Zukunft einfach nicht voraus berechnen. Prognosen werden zwar dennoch gemacht, aber sie spiegeln eben immer den jeweiligen Zeitgeist wider und können schon kurz darauf überholt sein, weil sich die Verhältnisse gravierend geändert haben. Und so werden Vorhersagen für die kommenden Jahre nur selten etwas anders sein als pure Kaffeesatzleserei.

      Interessant wird es natürlich trotzdem sein, die Entwicklungen im Marathonbereich weiter zu beobachten. Und nachdem man einmal damit angefangen hat, wird LaufReport deshalb vermutlich auch 2011 kaum darum herum kommen, die entsprechenden Daten zu sammeln und in einem Jahresrückblick zu kommentieren.

      Grafik und Foto: Constanze Wagner

      Deutsche Marathonszene 2008 im LaufReport HIER

      Deutsche Marathonszene 2007 im LaufReport HIER

      Deutsche Marathonszene 2006 im LaufReport HIER

Комментариев нет:

Отправить комментарий

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...